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Saline Riburg, Prof. Dr. Nils Jent
Letzten Mittwoch war ich mit Dr. Nils Jent in der Saline Riburg.
Dort wurde er von ipunkt Impulse interviewt. Ich war diesmal nicht zum Übersetzen engagiert, sondern nur zum Begleiten. Immer wieder muss ich aber innerlich schmunzeln, wenn die Leute sagen, sie hätten alles was er gesagt hat verstanden, aber an den Reaktionen, Antworten und Dialogen ist deutlich zu erkennen, dass eben nicht alles verstanden wurde. Man darf es einem Menschen mit Sprachbehinderung auf jeden Fall sagen, wenn man ihn nicht verstanden hat. Nur in etwa verstanden oder sich selbst zusammengereimt ist nicht sinnvoll und genau genommen Exklusion statt Inklusion. Aus diesem Grund übersetze ich bei öffentlichen Auftritten jeden seiner Sätze. Denn gerade bei ihm ist die Wortwahl wirklich wichtig. Er ist ein humorvoller Wortschöpfer, was einem ohne „Übersetzung“ total entgeht. Wir fragen uns immer wieder, warum es den Leuten so schwer fällt zuzugeben, wenn sie etwas nicht verstanden haben...? 

Bei der Veranstaltung lernten wir unter anderen auch den blitzgescheiten, aufgeweckten und engagierten Jahn Graf kennen. Er ist Youtuber und Influencer (oder sollte man sagen Inkludencer?) und interviewt Menschen mit und ohne Behinderung. Er sagte was ganz wichtiges, nämlich, dass es einem nicht leid tun muss, wenn jemand behindert ist. Er selbst lebt seit Geburt mit seiner Behinderung und das ist für ihn so normal, wie es für andere normal ist, groß, dick, dünn oder kurzsichtig zu sein. Heißt: Er kommt damit klar, denn er kennt es nicht anders. Sinnvoller als Mitleid wäre es, die Vielfalt der Menschen, ihr unterschiedliches Sein und Erscheinungsbild, anzuerkennen und gleichwertig damit umzugehen.

Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen mit Behinderung, die sich sichtbar machen, sich zeigen und offen mit ihrer Behinderung umgehen, sehr viel dazu beitragen, dass Berührungsängste verschwinden.