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100 Jahre Bauhaus - Eindrücke aus Weimar

Ausgerechnet in der heißesten Juniwoche begleitete ich meinen Freund Nils nach Weimar, wo wir uns die Stadt und das neue Bauhaus-Museum anschauten, und die Universität besuchten. 
Den Rollstuhl über's historische Kopfsteinpflaster zu schieben war schweißtreibend und kostete uns einiges an Durchhaltevermögen, Kraft und Nerven, aber es hat sich gelohnt.
Das Bauhaus Museum zeigt ein breites Spektrum aller Künste des Bauhaus: Neben Möbeldesign und Architektur konnte man Malerei von Kandinsky, Klee, Feininger und anderen bewundern. Es gab Objekte aus der Weberei, der Keramikkunst und Töpferei, Skulpturen, Reliefs und nicht zuletzt Musik und Tanz. Letzteres wurde in Lebensgröße auf einer riesigen Leinwand dargeboten, sodass man die TänzerInnnen unmittelbar vor sich hatte, als wären sie mit im Raum.
Es war im höchsten Maße inspirierend und eindrucksvoll, aber ich hatte Mühe, meinem blinden Freund zu erklären, was ich sah. 
Oft beschrieb er mir, wie er es mit seinen inneren Augen wahrnehmen konnte, was ausgesprochen überraschend war und mir noch weitere Dimensionen der Betrachtung erschloss.
In der Universität konnte man den offenen, künstlerischen Geist spüren. Alle waren sehr hilfsbereit und aufgeschlossen, denn das ältere Gebäude ist nur teilweise rollstuhlgerecht. Was doch so kleine Gesten der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ausmachen, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist! Es bedeutet ungeheuer viel, wenn einem die Tür aufgehalten wird, wenn jemand beim Schieben hilft, wenn es steil aufwärts geht, oder wenn einem gezeigt wird, wo der nächste Fahrstuhl ist.


Barrierefreiheit ist noch längst nicht verwirklicht. Denn den barrierefreien Zugang zu einem Hotel oder Museum erreicht man oft nur auf den umständlichsten Wegen: über versteckte Hintereingänge, für die man erstmal Kopfsteinpflaster überwinden muss. Dann klingeln, warten, bis jemand kommt und öffnet. Oder es gibt zwar eine Rampe, aber die ist ebenfalls kopfsteingepflastert und viel zu steil.
Manchmal ist der Aufzug zu klein oder defekt. 
Deshalb hängt echte Barrierefreiheit nicht nur davon ab, dass wir uns besser einfühlen, mehr nachfragen, was gebraucht wird, sondern auch von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und einfach ein bisschen aufmerksam sein.