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Szenen aus dem Herzen


Ich habe das Buch gelesen (mir scheint, dass viele, die darüber Kommentare auf Facebook etc. schreiben, es nicht gelesen haben...). Und ich kann es ausdrücklich empfehlen! Der erste Teil erzählt aus Sicht von Gretas Mutter die Situation einer Familie mit zwei Kinder, die anders sind. Ich sage bewusst "anders" und nicht behindert oder krank, denn behindert werden diese Kinder (und mit ihnen ihre Eltern) erst durch die Gesellschaft, die bestimmt, was normal und was "krank" ist. Gretas Mobbing in der Schule ist aufwühlend. Ihre Reaktion darauf löst eine Lawine von Krisen innerhalb der Familie aus, die die Eltern in eine schier aussichtslose Überforderung treibt. Greta muss in eine Förderschule wechseln, wo es nicht genug Lehrer gibt. Das Kind gerät in eine tiefe Depression und reagiert mit Essstörungen.
In einem unserer Vorträge haben Nils Jent und ich beschrieben, dass mitwirken und mitgestalten wichtige Grundbedürfnisse eines jeden Menschen sind - und ich finde das in Gretas Geschichte bestätigt: Die psychische Krise bessert sich erst, als sie spürt, dass sie selbst etwas tun kann, und wenn es "nur" streiken ist. Mit diesem Streik bewirkt sie etwas.
Das Buch ist mutig, weil es überhaupt keine angenehmen Botschaften hat und so ziemlich jedem Leser, jeder Leserin den Finger in die Wunde legt. Klar, dass das zu polarisierenden Meinungen und Äußerungen führt. Unbequemen Tatsachen ins Auge zu schauen, würde bedeuten, etwas ändern zu müssen, damit man sich wieder im Spiegel anschauen kann.
Der Erlös des Buches kommt übrigens nicht der Familie zugute sondern diversen Umweltschutzorganisationen. Man kann das Buch auch auf Spotify hören.
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, mit einer 16 jährigen Schülerin über die "Friday For Future" Streiks zu sprechen. Da wird noch viel mehr getan, als nur Schilder hochgehalten. Es werden Aktionstage veranstaltet, wo Müll gesammelt wird und vieles andere mehr. Es ist gut, dass die Kinder ein Vorbild haben.