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Gedanken über Gerechtigkeit


Was ist eigentlich Gerechtigkeit, fragten wir uns neulich in einem Gespräch. Ich musste an eine Freundin denken, die vier Kinder hat. Alle vier sind sehr  verschieden und als sie noch klein waren, war es für meine Freundin die größte Herausforderung, sie „gerecht“ zu erziehen. Sie konnte nämlich keine Regeln aufstellen, die für alle gleichermaßen galten, denn das wäre ihnen im einzelnen nicht gerecht geworden. Der ältere Sohn war ein Draufgänger, der jüngere aber ein schüchterner, ängstlicher Junge. Während also der eine sich ständig alles nahm, was er meinte, das ihm zustünde und seine Dinge verteidigte, wehrte sich der andere nicht, wenn ihm etwas weggenommen wurde. So musste sie oft mit dem einen Sohn sehr viel strenger sein, ihm teilweise Dinge verbieten, zu denen sie jedoch den anderen Sohn ermutigte. 

„Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“, heißt es, gemeint ist aber, wir sind oder sollten alle gleichwertig sein, denn gleich sind wir bestimmt nicht. Gerade weil wir alle so unterschiedlich sind, ist auch unser Gerechtigkeitsempfinden sehr verschieden. Dennoch muss es Gesetze geben, Regeln, die oftmals Menschen über einen Kamm scheren, ohne die jedoch unser gesellschaftliches Leben nicht funktionieren würde, ja geradezu chaotisch wäre.

Trotzdem frage ich mich in meinem persönlichen Leben immer wieder, wie ich allen, einschließlich mir selbst, gerecht werden kann? Wie kann man in einer Gesellschaft aus unterschiedlichsten Menschen und ihren besonderen Bedürfnissen einen WOHL-STAND erreichen?
Wäre echter WOHL-STAND möglich, wenn wir uns in dieser Welt des Überflusses mehr und mehr die Frage stellen würden, was wir wirklich brauchen? Das richtige Maß zu finden im materiellen wie im immateriellen Bereich könnte mit Sicherheit in vielerlei Hinsicht zu WOHL-STAND führen.
Ich stelle mir vor, dass die Ressourcen dann so verteilt würden, dass sich jeder und jede in dieser Welt wohlfühlen kann und den Raum bekommt, der ihm/ihr gerecht wird.
Ein ganz banales Beispiel ist etwas, das ich fast täglich beobachten kann: Wenn es irgendwo einen Fahrstuhl gibt, benutzen diesen fast alle Menschen, unabhängig davon, ob sie fit und beweglich genug wären, genausogut die Treppe zu nehmen. Es wäre gesünder, die Treppe zu nehmen, es wäre rücksichtsvoller gegenüber denjenigen, die den Fahrstuhl wirklich brauchen und oft wäre es sogar zeitsparender. Wohlstand bedeutet nicht, dass ich alles, was es gibt auch nutzen muss.
Gerechtigkeit ist eine Frage des Ausgleichs, der Balance, bedeutet maßvoll sein, der Situation angemessen. Das Feingefühl für diese Balance zu entwickeln, scheint mir der Schlüssel dazu.