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Ich hatte eine Hühnerfarm in Hawai´i

Der Hühnerstall
Klara Hühnerwadel alias Petra


"Ich hatte eine Hühnerfarm in Hawai´i, am Fuße des Mauna Kea..." So könnte mein Roman über meine Zeit auf Big Island beginnen. 2014 waren Lone und ich das letzte Mal dort, denn wir hatten Tomas Belskys Buch "Brasilien mit Hanf und Herz" fertig übersetzt und ließen es uns nicht nehmen, ihm das Werk persönlich auf dem Farmer´s Market in Hilo, im Osten der Insel, zu überreichen. Dort nämlich hat der Maler und Autor seinen "Stable", sein Büro, sein Atelier, seinen Verkaufsstand.
Wie schon im Jahr davor, mieteten wir uns wieder bei Laura ein. Wir bekamen eine Gratiswoche dazu, weil wir uns um ihre Hühner, den Garten und die Kräuter kümmerten, während sie bei einer kranken Freundin war. "Petra macht das sehr gerne!" hatte Lone an Laura geschrieben - äh... ich hatte noch nie Hühner betreut, aber ok. Heute weiß ich, dass hawaiianische Perlhühner ganz eigene Persönlichkeiten sind! So wie alles in Hawaii ganz besonders ist. Unbeschreiblich.
Big Island, die große Insel von Hawaii wird von Pele beherrscht. Sie ist die Vulkangöttin und egal, ob man daran glaubt oder nicht, sie darf man nicht missachten.
Seit dem 1. Mai brodelt es wieder heftig. Der Vulkan ist ständig aktiv, doch nun ist er ausgebrochen und mit ihm Pele. Sie spuckt Feuer, tobend und kochend. Die Lava wälzt sich über Straßen und Häuser, über Bäume und Gärten. Menschen müssen ihre Häuser verlassen, denn Pele nimmt sich, was sie will.
Peles Küche brodelt

Wer diese Insel betritt, wird die Urkraft sofort zu spüren bekommen. Mir wurde schwindelig. Eine Woche fand ich keinen Boden unter den Füßen, doch danach schoß mir die Vitalität nur so in den Körper. Hawaii läßt sich nicht bändigen. Es ist unbezähmbar. Was heute noch da ist, kann morgen schon weg sein. Doch auch umgekehrt: Wo heute noch Ödnis ist, kann morgen ein Dschungel sein. Das wissen die Menschen dort. Sie wissen, dass Pele auch geben wird, dass neues Land enstehen wird. Und gnädig ist sie allemal: Sie kündigt ihre Raserei an, sodass sich die Menschen in Sicherheit bringen können.
"Nimm niemals einen Lavastein mit nach Hause, denn er gehört Pele!", wurden wir gewarnt. Und: Wenn du an der Straße eine alte Frau siehst, die mitgenommen werden will, darfst du niemals vorbeifahren - es könnte Pele sein!" Wir hielten uns daran. Und so hatten wir sie dann bei uns, einen Tag lang im Auto, auf dem Markt, am Strand. Eine Frau, die behauptete, die uneheliche Tochter von Johnny Weissmüller zu sein! Und obwohl wir uns durchaus hätten messen können mit unserer Verwandtschaft zu Errol Flynn und der letzten Zarenmutter, nickten wir nur feierlich und zollten Respekt, ganz so, wie es uns empfohlen worden war.
Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder das Land dort betreten werde, ob der süße Blütenduft und der salzige Ozean je wieder meine Haut berühren wird und mir die Tränen in die Augen schießen lässt. Aber an keinen anderen Ort der Welt habe ich eine so starke Erinnerung, wie an diesen. Dort, wo Gott oder die Göttin noch immer am Erschaffen ist, dort, wo auch am 7. Tag keine Ruhe ist. Ein Land, das dich umarmt und ins Leben wirft, ein Land, das dir zuruft: Stirb und werde!

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