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Sind wir noch neugierig aufeinander?


Ich empfinde meinen Beruf oft als eine Art Feldforschung. Durch Beobachtungen versuche ich die Welt zu begreifen, zu hinterfragen, anzuzweifeln oder zu bestätigen. Auf diesem Weg fallen mir dann meine nächsten Kursthemen ein oder ich flechte das eine oder andere in einen Vortrag. 
Es ist mir aufgefallen, dass die Menschen, wenn sie in Gruppen aufeinander treffen, immer seltener Fragen stellen. Oder vielmehr nur eine Rhetorische, um dann gleich damit anzusetzen, die eigene Geschichte zu erzählen. So bekommt man oft  zu hören, was einen gar nicht interessiert. Das Zuhören fällt dann schwer. Das verschreckte Zusammenzucken, wenn ich meinem Gegenüber eine persönliche Frage stelle, zeigt, dass wir es gar nicht mehr gewohnt sind "gefragt" zu sein. Lieber lassen wir es zwischen Themen wie Kinder, Rezepte, Krankheiten und Wetter dahinplätschern, vielleicht wird noch das neue Auto erwähnt und das aktuellste "In-Lokal".
Als ich kürzlich eine mir sehr sympathische Frau fragte: "Mit was beschäftigst du dich?", sah sie mich etwas überrascht an. Sie überlegte kurz. Dann begann ein Gespräch über das Phänomen Zeit, wie unterschiedlich man Zeit empfindet. Seit sie nicht mehr arbeitet, gibt es so viele Dinge, die sie tun kann und nun auswählen lernen muss. Wir konnten uns über unsere Erfahrungen austauschen und lernten uns damit besser kennen. 

Je mehr wir unsere Mitmenschen wahrnehmen, ihnen in die Augen sehen, desto eher spüren wir, was wir sie fragen möchten, und auch, was wir sie fragen dürfen. Denn Fragen stellen muss nicht bedeuten, indiskret zu werden. 

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