Sandmädchen - Das Wahre ist nicht sichtbar


Es ist viele Monate her, dass ich ein Filmprojekt beim Crowdfunding mit einer Spende unterstützte. Ich hatte wenige Wochen zuvor einen Kurzfilm bei Mark Michel, dem Regisseur und Filmemacher bestellt und war tief beeindruckt von Veronika Raila. Die junge Frau ist Autistin und sehr stark körperbehindert, so sehr, dass man ihrer Mutter sagte, ihr Kind habe einen IQ von null und sie könne es "beiseite legen". Veronika, das Sandmädchen, ist aber hochintelligent. Wie einfühlsam Mark Michel sie schon in dem Kurzfilm portraitierte, hat mich tief berührt und ich wollte unbedingt dazu beitragen, dass der Film zu einem Kinofilm wird. Nun wird er bei verschiedenen Filmfestivals gezeigt und ich habe bereits vorab die DVD und Veronika Railas Buch bekommen. 
Der Film hat neben Untertiteln für Gehörlose noch Audiodeskription, was bedeutet, auch blinde Menschen können ihn barrierefrei sehen, denn es werden die Bilder beschrieben. 
Erst kürzlich habe ich hier ein Interview mit meinem blinden und körperbehinderten Freund Nils veröffentlicht, mit Fragen, wie er Kunst wahrnimmt. Man ist als Sehender sicher sehr verwundert und teilweise befremdet über diese ganz andere Wahrnehmung. Veronika Raila ist nicht blind. Doch auch ihre Wahrnehmungswelt ist so einzigartig, so vielschichtig und sensibel, dass wir Menschen ohne Behinderung uns fast als "Haudegen" fühlen müssen und man fragt sich schließlich, wen man eigentlich als "eingeschränkt" bezeichnen möchte. 
Nils meinte am Ende des über 80 minütigen, ergreifenden Filmes: Ihre Wahrnehmungswelt ist mir ganz und gar vertraut. 
Diese besondere Wahrnehmungswelt wird im Film nicht nur durch Veronikas poetische Sprache näher gebracht, sondern auch mit faszinierenden Sandbildern und den großartigen Naturaufnahmen, sowie den feinsinnigen Filmeinstellungen von Mark Michel. Veronika wurde von Mark in das gesamte Gestalten des Filmes einbezogen, sodass es ein wirklich inklusiver Film geworden ist. Insgesamt ein durch und durch gelungenes Werk, dem ich viele Zuschauer wünsche.

Weiterbildung bringt nichts?



Ich höre immer wieder dasselbe: Weiterbildung bringt nichts. Vielleicht. Wenn es eine Weiterbildung ist, in der hauptsächlich Theorie vermittelt wird und schöne Statistiken, bunte Tabellen und Allgemeinplätze, und die Frage offen bleibt, wie man es ins gelebte, praktische Leben umsetztund man sofort damit arbeiten und es umsetzen kann.

Aus diesem Grund habe ich "Lebendige Kommunikation" entwickelt. In kleinen Gruppen von maximal 10 TeilnehmerInnen werden praktische und umsetzbare Lösungen gemeinsam gefunden. Dies ist ein kreativer Prozess. Die TeilnehmerInnen gewinnen mehr und mehr Vertrauen in ihr ganz persönliches Potenzial. So unterschiedlich wir Menschen sind, so vielfältig sind auch unsere Handlungsweisen und Spielräume. Es gibt kein Rezept, das auf alle passt.

Lebendig sein, heißt individuell sein, heißt authentisch sein und ehrlich sich selbst und anderen gegenüber.
Wenn wir in einer digitalen und technisierten Welt als Menschen überleben wollen, brauchen wir mehr Empathie, mehr soziale Kompetenz, mehr Feinwahrnehmung.

Ich komme gerne in Schulen und Bildungseinrichtungen für Workshops und Seminare, die praktisch orientiert sind. Mehr dazu auf 
sowie meiner Webseite petra-kopf.de

blind Kunst wahrnehmen


Anlässlich der Kunstausstellung in Bad Krumbach "Kunst be-greifen" für Sehende und nicht Sehende, wurde Nils Jent befragt. Er ist blind und tetraspastisch gelähmt. Wegen seiner Sprachbehinderung, habe ich unser Gespräch aufgeschrieben und lese es  hier vor.
Es ist sehr spannend, wie anders ein blinder Mensch wahrnimmt.
Ein wenig davon konnte ich dieser Tage selbst erleben: beim freien Tanzen mit verbundenen Augen.

Reformation heißt Erneuerung!


Nun feiern wir morgen 500 Jahre Reformation! Kann man das fassen? Was würde Luther wohl dazu sagen, wenn er heute nochmal auf der Welt wäre und feststellen müsste, dass sich in der Kirche in 500 Jahren nichts erneuert hat? Ich glaube, er würde unverzüglich 95 neue Thesen aufstellen und sie im Internet veröffentlichen.

Die neue Meinungsfreiheit

Ich lese derzeit viel, was mit Meinungsfreiheit zu tun haben soll. Vielleicht kann man mal darüber aufklären, was eine Meinung ist und was eine Ideologie ist und ob das eine etwas mit dem anderen zu tun hat? Ich dachte immer, eine Meinung bildet man sich. Dazu gehört Bildung. Meinungsbildung. Das bloße Nachplappern von Parolen zählt neuerdings zu Meinungsfreiheit, so scheint es mir. Des Weiteren fällt mir auf, dass auch Gewalt in der Sprache zur Meinungsfreiheit zählt. 
Wann zieht man die Grenze zwischen Ideologie und Meinung? Haben gesellschaftsgefährdende Ideologien etwas in der Politik zu suchen?
Eine Meinung lässt eine Gegenmeinung zu, es kann eine Diskussion entstehen oder gar ein für alle fruchtbares Gespräch. Eine Ideologie lässt nach meiner Erfahrung keine andere Ideologie zu. Weshalb sie weder eine Meinung noch Teil einer Demokratie sein kann. Es ist mir unverständlich, wieso plötzlich Beleidigungen oder gar eine Schlägerei unter dem Deckmäntelchen "Meinungsfreiheit" verteidigt werden.

Dein Wort in Gottes Ohr - vom Wünschen, Beten, Bitten, Danken und Erhört werden


Die Idee zu diesem Workshop kam mir bei einem Spaziergang durch das Oberschwäbische Ried. Vielleicht, weil die Naturgeräusche ein bisschen klangen wie Worte, die ins Ohr Gottes finden. Am 21.10. ist der Termin und wie immer freue ich mich auf meine TeilnehmerInnen aus nah und fern.
An dieser Stelle möchte ich außerdem auf mein Angebot aufmerksam machen, das für Menschen konzipiert ist, die mit bestimmten Anliegen und Themen lieber einzeln kommen möchten. Ich habe soeben erfahren, dass das Job-Center eines dieser Module für eine Frau genehmigt hat, die jetzt in die Selbständigkeit startet.
Informationen zu den Modulen für EinzelteilnehmerInnen finden sich hier:
http://lebkom.blogspot.ch/search…
Diese Einzeltermine können mit mir direkt vereinbart werden.
Workshop am 21.10.
Dein Wort in Gottes Ohr
vom Wünschen, Beten, Bitten, Danken und Erhört werden
Es gibt viele Situationen, in denen uns die Worte fehlen. Mitgefühl, Trauer, Wut, Hilflosigkeit aber auch überschäumende Freude, tiefe Liebe und Dankbarkeit machen uns manchmal sprachlos.
Wie finden wir zu wahrhaftigen Worten? Worte, die berühren, trösten, wärmen und verbinden und zum Ausdruck bringen, was uns bewegt? Wievieler Worte bedarf es, welchen Ton schlagen wir an, was ist angemessen und findet Gehör?
Echte Herzensverbundenheit ist frei von Kitsch und Rührseligkeit. In unserer Wahrhaftigkeit sind wir Gott am nächsten.
Mit spielerischer Leichtigkeit gehen wir im Workshop gemeinsam auf die Suche nach den wahren Worten, den reinen Tönen und dem lebendigen Austausch mit uns selbst und unserem Gegenüber.
Wer möchte, kann ein Gedicht, einen Liedtext, ein Gebet oder einen kurzen Text mitbringen, zu dem man eine besondere Verbindung hat. Bitte bringen Sie den Text dann extra ausgedruckt mit.
10-17 Uhr, Kosten: 70 €
Anmeldung bei EEB Ortenau: 0781 24018 eeb-ortenau.de

An´s Herz gelegt

Der vierte Band der autobiographisch gefärbten Roman-Reihe von Ulla Hahn ist erschienen. "Das verborgene Wort" war der erste Teil und bisher auch der beste, wie ich finde. Ulla Hahn beschreibt dort so facettenreich und lebendig, so anrührend und bewegend von ihrer Liebe zur Sprache, zum Wort. Und so bin ich sehr gespannt auf den vierten und letzten Teil.
Dieses Interview mit ihr möchte ich an´s Herz legen.
http://www.ardmediathek.de/radio/Im-Gespräch/Schriftstellerin-Ulla-Hahn-Jeder-Mens/Deutschlandfunk-Kultur/Audio-Podcast?bcastId=42747070&documentId=45741936

Tanzen und Führen - auf die Klarheit kommt es an


Durch einen neuen Kontakt über Facebook bin ich ins Überlegen gekommen. In den letzten Jahren hat das Tanzen bei mir in den Workshops eine zweitrangige Rolle gespielt. Das lag daran, dass ich viel öfter angefragt wurde zu Stimme und Sprache. Da ich jedoch der Meinung bin, dass sich Sprache aus Rhythmus, Bewegung und Klang zusammensetzt, gibt es bei mir keinen Workshop, in dem nicht auch Bewegung eine Rolle spielt.
Ich würde gern mal einen Workshop für Kursleiterinnen anbieten, der zeigt, wie man Bewegungs- und Tanzelemente anleitet, die "bewegungsschüchterne" Menschen aus der Reserve locken.
Auch die Frage, wie man eine Gruppe oder auch einen Einzelnen führt, indem man durch Körperausdruck und Stimme Vertrauen aufbaut, finde ich spannend.
In meiner Tanztherapeutischen Ausbildung habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Gruppenarbeit in Rituale einzubetten, einen klaren Beginn und ein klares Ende zu setzen. All das spielt letztlich auch in allen unseren Begegnungen und in der Kommunikation mit Menschen eine Rolle. Ob ich einen Vortrag halte, als Lehrerin vor Schülern stehe, einen Artikel schreibe - immer geht es darum klare Zeichen zu setzen. Tanz ist nur dann ausdrucksstark, wenn es gelingt, Bewegungen mit dieser Klarheit auszuführen. Wer beim Tanzen nicht nur zappelt und sich freischüttelt (was durchaus auch erlaubt ist ), sondern sich mit Bewusstheit bewegt, wird zu enormer Präsenz gelangen.

Sind wir noch neugierig aufeinander?


Ich empfinde meinen Beruf oft als eine Art Feldforschung. Durch Beobachtungen versuche ich die Welt zu begreifen, zu hinterfragen, anzuzweifeln oder zu bestätigen. Auf diesem Weg fallen mir dann meine nächsten Kursthemen ein oder ich flechte das eine oder andere in einen Vortrag. 
Es ist mir aufgefallen, dass die Menschen, wenn sie in Gruppen aufeinander treffen, immer seltener Fragen stellen. Oder vielmehr nur eine Rhetorische, um dann gleich damit anzusetzen, die eigene Geschichte zu erzählen. So bekommt man oft  zu hören, was einen gar nicht interessiert. Das Zuhören fällt dann schwer. Das verschreckte Zusammenzucken, wenn ich meinem Gegenüber eine persönliche Frage stelle, zeigt, dass wir es gar nicht mehr gewohnt sind "gefragt" zu sein. Lieber lassen wir es zwischen Themen wie Kinder, Rezepte, Krankheiten und Wetter dahinplätschern, vielleicht wird noch das neue Auto erwähnt und das aktuellste "In-Lokal".
Als ich kürzlich eine mir sehr sympathische Frau fragte: "Mit was beschäftigst du dich?", sah sie mich etwas überrascht an. Sie überlegte kurz. Dann begann ein Gespräch über das Phänomen Zeit, wie unterschiedlich man Zeit empfindet. Seit sie nicht mehr arbeitet, gibt es so viele Dinge, die sie tun kann und nun auswählen lernen muss. Wir konnten uns über unsere Erfahrungen austauschen und lernten uns damit besser kennen. 

Je mehr wir unsere Mitmenschen wahrnehmen, ihnen in die Augen sehen, desto eher spüren wir, was wir sie fragen möchten, und auch, was wir sie fragen dürfen. Denn Fragen stellen muss nicht bedeuten, indiskret zu werden. 

Catville kann kein Obdach geben


Unser beschauliches Dorf im Herzen Oberschwabens zählt nur wenige Menschenseelen. Tatsächlich überwiegen nach jüngster Zählung die Katzenseelen, weshalb das Dorf in Insiderkreisen nur noch "Catville" genannt wird. Und wie jeder, der in einem solchen Dorf wohnt, weiß, sind die Höhepunkte des Tages der Postbote, der Güllewagen und seit einiger Zeit auch ein fröhliches Hupen, was nicht etwa einen Eiswagen oder Backwarenverkäufer ankündigt, sondern die Ankunft unseres Vermieters. Noch verwirrt uns dieses Hupen insofern, da wir uns nicht einig werden, ob die ganze WG Spalier stehen oder vom Balkon aus winken soll?  Also bleibt es dabei, dass wir uns einfach auf schwäbisch zurufen: "Er isch widder do!"
An Tagen jedoch, wo weder Postbote noch Güllewagen vorbeikommen und auch das Hupen wegen urlaubsbedingter Abwesenheit des Grundbesitzers ausbleibt, wirkt das Dorf wie ausgestorben. Einige Katzen huschen um die Ecken, wenn´s hochkommt legt uns Minke, die flinke, eine Maus mit abgebissenem Kopf vor die Tür. Kater Billy gähnt dazu gelangweilt und die zwanzig anderen namenlosen Katzenseelen wälzen sich entlang der Dorfstrasse in den in diesen Tagen raren Sonnenstrahlen.
In dieses Idyll hinein platzte gestern gegen Abend eine Horde rucksackbepackter Jugendlicher, die sich suchend umschauten. Unser Holzhaus ist immer ein Blickfang. Der große Garten wird nur symbolisch durch eine einsame Holztür, die wie eine Landart-Skulptur in der Mitte steht, vom Grundstück unseres Vermieters abgegrenzt. Dort gibt es einen Feuerplatz und vieles weitere Einladende. So war es nicht sehr verwunderlich, dass man bei uns anklingelte. Ein paar Mädchen übernahmen die Anfrage, sie seien eine Jugendgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, einfach für ein paar Tage auf´s Geratewohl loszuwandern, nur mit etwas Proviant und Wasser. Die Übernachtung blieb offen. Man wolle schauen, ob jemand auf den Dörfern eine Scheune öffnen würde. "Könnten wir in Ihrer Scheune übernachten?" Große flehende Augen sahen mich an. Leider ist die Scheune nicht unsere und leider konnte ich aufgrund der Abwesenheit unseres Vermieters das Grundstück nicht für eine 16-köpfige Gruppe freigeben. Etwas verschämt fragten die Mädchen, ob sie bei uns auf die Toilette dürften. Klar. So versammelten sie sich davor, standen an, ermahnten sich gegenseitig mit: "Mach aber koi Dreck, des wär unhöflich!" Danach ließen sie sich noch gemütlich nieder, es gefiel ihnen gar zu gut bei uns. Ich wurde vertraulich über speziell weibliche Themen ausgefragt (Hygiene auf Reisen usw.). Draußen warteten die Jungs schon ungeduldig, aber das war ihnen egal. Es tat mir leid, kein Obdach für 16 Leute geben zu können - für die Mädchen hätte ich es gern getan und unser Platz hätte dafür auch gereicht. Doch so mussten sie weiter ihr Glück versuchen. Hier in Catville gibt es eben nur Unterschlupf für Katzen. Alles andere muss draußen bleiben! ;-)

Darf ich dir die Hand geben?


Wann hast du zum letzten Mal jemandem bewusst die Hand gegeben? Es kommt immer seltener vor, zumindest im Privatleben. Immer öfter fallen mir Menschen, die ich zum ersten Mal im Leben sehe, automatisch bei der Begrüßung in die Arme, Küsschen rechts, Küsschen links und das Ganze beim Abschied wieder.
Halte ich jemandem freundlich meine Hand entgegen, guckt mein Gegenüber oft irritiert auf dieselbe, dann fragend auf mich, dann unbeholfenes Gelächter, bevor wir uns doch wieder in die Arme fallen, mehr aus Verlegenheit.
Ich war noch nie der Kuscheltyp, erst recht nicht, wenn ich Menschen nicht gut genug kenne, um mit ihnen auf Tuchfühlung zu gehen. Es ist mir unverständlich, warum man sich nicht mehr die Hand geben kann, ohne dass gemutmaßt wird, man könne den anderen nicht leiden. Ich wage sogar zu behaupten, dass ein Händedruck, bei dem man sich in die Augen sieht, viel stärker und verbindlicher ist, als eine Umarmung. Zum Beispiel werde ich den Händedruck von Rosel Zech nie vergessen: Fest und zupackend, ihr Blick dabei eindringlich. Oder der ganz weiche, flache Händedruck eines Stammeshäuptlings der Ova-Himba in Afrika. Ein fester Händedruck zählt dort als unhöflich und man schaut dabei bewusst dem gegenüber nicht in die Augen, um keine Macht zu demonstrieren.
Bei einer Umarmung kann man komplett auf Augenkontakt verzichten. Meist sind die Umarmungen flüchtig und leere Geste. Manchmal aber empfinde ich sie auch als Energieraub, als ein mich einnehmen wollen.
Ich gebe gern Menschen die Hand, sehe sie dabei an und merke mir ihren Namen. Wenn wir uns näher kennengelernt haben, kann es sein, dass ich zu einer Umarmung bereit bin.