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Die Stimme ist Ausdruck der Persönlichkeit

                   (c) PK

Während meiner Fahrten im Auto, höre ich oft Sendungen, die leider dann plötzlich unterbrechen, weil ich durch ein Tunnel fahre, oder schlicht der Sender plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Wie gut, dass es Mediatheken gibt, wo man sich alles zu einem späteren Zeitpunkt nochmal vollständig anhören kann. So auch dieser ausgesprochen empfehlenswerte Beitrag zum Thema
Stimmbildung (zum Nachhören bitte einfach klicken). 
Als ich neulich auf einer Berufsmesse einem jungen Schreiner meinen Beruf erklärte und warum Stimmbildung, aber auch Kommunikation und Resonanzfähigkeit so wichtig sind, rief er aus: "Oh, das braucht ja jeder!" 
Da konnte ich nur zustimmen. Nicht nur mein blinder Freund kann an der Stimme seines Gegenübers hören, wie sich die Person gerade fühlt, ich selbst kann es auch. Jeder von uns hört es mindestens bei nahestehenden Menschen sofort. Wenn wir mit der Stimme arbeiten, egal ob Sprechstimme oder Singstimme, dann beschäftigen wir uns gleichzeitig mit unserer ganzen Persönlichkeit. Egal, ob wir seelisch oder körperlich angeschlagen sind, man hört es durch, dass etwas nicht stimmt oder aber ob wir ganz mit uns im Reinen sind und somit stimmig.
Ob uns Menschen gerne zuhören, hat viel mit dieser Stimmigkeit zu tun. In unserer Stimme spiegeln sich Mut und Angst, Liebe und Vertrauen, Herzlichkeit und Argwohn, Lüge und Wahrhaftigkeit.
Bewusst oder unbewusst senden und empfangen wir diese Signale.
Indem ich meine Stimme kennenlerne, lerne ich auch mich selbst kennen.

Die Wahrheit ist in ihrer Vielfalt unzumutbar


Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, schreibt Ingeborg Bachmann. Aber immer öfter wird mir bewusst, dass die vermeintliche Wahrheit nur ein winziger Ausschnitt ist und selbst die größte Zumutung an Wahrheit sich in einem Kaleidoskop von Perspektiven verliert. Das macht mich betroffen und verwundbar. Wahrheit ist in ihrer Vielfalt unzumutbar, weil nicht fassbar. 
Ich möchte daran glauben, dass alles Gute im Menschen das Wahrhaftige ist und alle dunklen, finsteren und bösartigen Seiten die Lüge. Das bedeutet nicht, dass ich diese Lüge nicht ansehen will, es bedeutet nicht, dass sie nicht auch von mir Besitz ergreifen kann. Es bedeutet nur, dass ich, das du, dass wir alle, nicht Hass sind, sondern in Wahrheit Liebe. Es braucht Mut, sich der Wahrheit, die Liebe ist, zu öffnen. In einer Welt voller Schein kann das sogar unzumutbar sein.
Angst und Rivalität lassen uns oft nicht mehr die sein, die wir sind. Die Angst hinter sich zu lassen und beherzt aufeinander zugehen wäre vielleicht ein Weg, uns wahrhaftig und neu kennenzulernen.

Selbstwertschätzung - wir setzen selber das Maß


Ich schreibe nicht mehr so oft im Blog, weil bei fast tausend Einträgen jedes Thema schon einmal angesprochen wurde. So auch dieses.

Liebe Frauen!
Eure Arbeit ist etwas wert. Ihr wisst es. Dennoch kommt es immernoch vor, dass Leistungen von Frauen wenig oder gar nicht honoriert werden, oft nicht einmal erwähnt oder gesehen werden. Wenn Andrea Nahles betreffend des bedingungslosen Grundeinkommens verkündet, niemand wird für Nichtstun bezahlt, so kann ich nur laut rufen: Ich kenne niemanden, der nichts tut, aber ich kenne jede Menge Frauen, die viel tun, aber geringfügig bis gar nicht dafür bezahlt werden.
Nun erreicht mich heute eine Anfrage, als Referentin bei einer Großveranstaltung für Frauen mitzuwirken. Erwartet werden bis zu 1500 Teilnehmerinnen. Vorträge und Workshops sollen anspruchsvoll sein, die Besucherinnen sollen konkret etwas mitnehmen können.
Wunderbar, denke ich. Tolle Sache.
Ihr ahnt es, was nun kommt: Es gibt kein Honorar. An vier Tagen soll etwas angeboten werden, das professionell sein soll, und es gibt kein Honorar. Man solle auch keine Werbung für sich machen. Dafür hätte man aber freien Eintritt für alle sonstigen Angebote. Ob man das Ganze noch sponsorieren möchte? Oder Kuchen backen und beim Kaffeeausschank helfen wolle?
Frauen fragen Frauen, ob sie umsonst Spitzenleistungen bringen möchten. Wo befinden wir uns??? Im Kindergarten? Das Ganze soll  wenig Eintritt kosten. Ja, weil Frauen haben ja auch so wenig Geld.
Wann hört das auf? Wann begreift ihr endlich, dass etwas Gutes, Anspruchsvolles, Hochwertiges seinen Preis hat? Dass wir nur dann angemessen bezahlt werden, wenn wir bereit sind, selbst zu zahlen und nicht wie Kinder auf eine Ermäßigung oder gar freien Eintritt hoffen.
Wann nehmt ihr euch selber ernst?

Eines meiner wichtigsten Themen in meiner Arbeit ist es, Frauen Selbstwertschätzung für das, was sie leisten, beizubringen. Viel zu viele arbeiten noch immer für ein geringes oder gar kein Einkommen. Selbständige Frauen arbeiten oft umsonst, in der Hoffnung auf den großen Auftrag danach. Welcher Mann macht das??? Also bitte, fragt mich nicht an, ob ich bei einer Großveranstaltung für Frauen GRATIS einen Workshop gebe und dabei auch noch KEINE Werbung machen darf. Ich könnte ja nicht mehr in den Spiegel schauen.

Nachtrag: Nun hat sogar DIE ZEIT das Thema aufgenommen. Ich werde jedem, der mich für eine Gratisleistung oder für eine weit unterbezahlte Leistung anschreibt, diesen Artikel zusenden: klick

Gedanken über Gerechtigkeit


Was ist eigentlich Gerechtigkeit, fragten wir uns neulich in einem Gespräch. Ich musste an eine Freundin denken, die vier Kinder hat. Alle vier sind sehr  verschieden und als sie noch klein waren, war es für meine Freundin die größte Herausforderung, sie „gerecht“ zu erziehen. Sie konnte nämlich keine Regeln aufstellen, die für alle gleichermaßen galten, denn das wäre ihnen im einzelnen nicht gerecht geworden. Der ältere Sohn war ein Draufgänger, der jüngere aber ein schüchterner, ängstlicher Junge. Während also der eine sich ständig alles nahm, was er meinte, das ihm zustünde und seine Dinge verteidigte, wehrte sich der andere nicht, wenn ihm etwas weggenommen wurde. So musste sie oft mit dem einen Sohn sehr viel strenger sein, ihm teilweise Dinge verbieten, zu denen sie jedoch den anderen Sohn ermutigte. 

„Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“, heißt es, gemeint ist aber, wir sind oder sollten alle gleichwertig sein, denn gleich sind wir bestimmt nicht. Gerade weil wir alle so unterschiedlich sind, ist auch unser Gerechtigkeitsempfinden sehr verschieden. Dennoch muss es Gesetze geben, Regeln, die oftmals Menschen über einen Kamm scheren, ohne die jedoch unser gesellschaftliches Leben nicht funktionieren würde, ja geradezu chaotisch wäre.

Trotzdem frage ich mich in meinem persönlichen Leben immer wieder, wie ich allen, einschließlich mir selbst, gerecht werden kann? Wie kann man in einer Gesellschaft aus unterschiedlichsten Menschen und ihren besonderen Bedürfnissen einen WOHL-STAND erreichen?
Wäre echter WOHL-STAND möglich, wenn wir uns in dieser Welt des Überflusses mehr und mehr die Frage stellen würden, was wir wirklich brauchen? Das richtige Maß zu finden im materiellen wie im immateriellen Bereich könnte mit Sicherheit in vielerlei Hinsicht zu WOHL-STAND führen.
Ich stelle mir vor, dass die Ressourcen dann so verteilt würden, dass sich jeder und jede in dieser Welt wohlfühlen kann und den Raum bekommt, der ihm/ihr gerecht wird.
Ein ganz banales Beispiel ist etwas, das ich fast täglich beobachten kann: Wenn es irgendwo einen Fahrstuhl gibt, benutzen diesen fast alle Menschen, unabhängig davon, ob sie fit und beweglich genug wären, genausogut die Treppe zu nehmen. Es wäre gesünder, die Treppe zu nehmen, es wäre rücksichtsvoller gegenüber denjenigen, die den Fahrstuhl wirklich brauchen und oft wäre es sogar zeitsparender. Wohlstand bedeutet nicht, dass ich alles, was es gibt auch nutzen muss.
Gerechtigkeit ist eine Frage des Ausgleichs, der Balance, bedeutet maßvoll sein, der Situation angemessen. Das Feingefühl für diese Balance zu entwickeln, scheint mir der Schlüssel dazu.

Verknüpfungen


Im Züricher Hauptbahnhof steht noch bis Ende des Monats eine faszinierende Installation des Künstlers Ernesto Neto. Es ist ein riesiges Geflecht aus Baumwollstreifen, kunstvoll geknüpft zu einer begehbaren Skulptur, eine Art Zelt in Form eines Baumes, dem GaiaMotherTree, also zu deutsch Erdmutterbaum. Gerüche von Gewürzen und Kräutern machen den Baum zu einem Erlebnis der Sinne. Letzten Dienstag gab es dort ein Konzert mit der von mir sehr geschätzten Sängerin Orna Ralston. Da sie nur sehr selten öffentliche Konzerte gibt, habe ich diese Gelegenheit wahrgenommen und bin in Begleitung mit meinem Freund Nils Jent nach Zürich gefahren.


Orna, die eine Meisterin der Töne und Klangfarben ist, sang inmitten dieser Skulptur, inmitten des Bahnhoflärms. Kunst, Gesang und Spiritualität vereinten sich und blieben unbeeindruckt von der Hektik des Alltags. So wie der GaiaMotherTree sein Netz ausspannte und sich formvollendet in der Bahnhofshalle erhob, so erhob sich Ornas Stimme und vernetzte die ihr andächtig zuhörenden Menschen und webte sie ein in den Klangteppich ihrer Stimme. Wie schön, dass wir diese Verknüpfung von Konzert und Skulptur in so eindrucksvoller Weise erleben konnten.

Gestorben ist nicht tot - ein Nachruf


Es gibt einige unter meinen Freundinnen, die etliches älter sind als ich, aber sie war mit Abstand die Älteste. Sie hätte meine Großmutter sein können. Wir trafen uns vor 13 Jahren auf einer Veranstaltung, bei der wir rasch ins Gespräch kamen. 85 Jahre alt war Lise damals. Wir hatten den selben Aphorismus aus einem kleinen Buch ausgesucht: "Tritt hervor mit dem was du kannst. Wir haben auf dich gewartet." 
"Wie schön, dass da noch jemand auf mich wartet." sagte Lise und lächelte. Es entspann sich ein lebhafter Austausch zwischen uns, was es denn sein könnte, worauf die anderen warten. Was ist es, was wir zu geben haben? Womit können wir "aufwarten"? Ich erfuhr, dass sich Lise viel mit der weiblichen Kraft auseinandersetzte, Bücher über Matriarchatsforschung gelesen hatte, Pflanzenkennerin und Naturliebhaberin war, spinnen und weben konnte und sich seit Neustem mit den effektiven Mikroorganismen beschäftigte, mit denen man auf natürliche, biologische Weise düngen konnte, aber auch alles mögliche reinigen konnte. 
Als ich ihr erzählte, dass ich eine Methode entwickelt hatte, bei der man Bewegung und Sprache in eine Einheit bringt und es mir ein Anliegen ist, dass Menschen, und vor allem Frauen, lernen, sich zum Ausdruck zu bringen, hörte sie mit großer Aufmerksamkeit zu.
Lise war immer direkt und unverblümt. Ich lernte durch sie, dass es uns als Frauen nicht stärker macht, wenn wir "süß" sind. Sie dachte schon damals über ihren Tod nach, studierte Bestattungsrituale und überlegte, wie sie gern begraben werden wollte. Das war für ihr Umfeld etwas befremdlich, dennoch war es ihre Art, selbstbestimmt auch die letzten Dinge in die Hand nehmen zu wollen. Ihren Platz auf dem Friedhof hatte sie schon angemietet und ging regelmäßig dorthin um einen Rosenbusch zu gießen. Vielleicht war es das, was sie so lange am Leben erhielt .
Eine Frau wie sie kann man sich schlecht in einem Altenheim vorstellen. Eigenständig und mit sehr klaren Vorstellungen gestaltete sie sich gerade diesen letzten Lebensabschnitt. Vor einem Jahr ließ sie es sich nicht nehmen, zu einer Ausstellung meiner besten Freundin Lone zu kommen. Ihre Tochter fuhr sie dorthin und wir sahen uns ein letztes Mal. Es war uns beiden bewusst. Umso berührender und intensiver war das Treffen. 
Danach telefonierten wir regelmäßig. Jedes Mal, wenn ich anrief, fiel mir ein Stein vom Herzen, wenn ich ihre Stimme hörte! Sie war nach einem Schenkelhalsbruch nun doch in einem Altenheim untergebracht. Und obwohl vieles ihr gegen den Strich ging, lernte sie auch in dieser allerletzten Phase dazu: "Es ist schön, dass ich nicht mehr alles selber machen muss".
Beim letzten Gespräch klang ihre Stimme schwach. Am Schluss sagte sie: "Ich danke dir, Petra! Ich danke dir, dass du mich so an deinem Leben teilhaben lässt. Danke, danke. Das ist so schön." Auch ich bedankte mich, dass sie mir zuhörte und sich von mir zum Lachen anstecken ließ.
Wenige Wochen später, am 9. April, war sie 98jährig gestorben. Ich wollte Blumen zu ihrem Begräbnis mitbringen, aber schließlich ging ich in die Natur und suchte Zweige, Blätter, Steine und Gräser und wand daraus einen kleinen Kranz, umschlungen von einem Band, das Lise selbst gewebt hatte. Es war, als würde sie mir zuraunen, wie ich das machen sollte.
Ich höre noch immer ihre Stimme in meinem Ohr. Es ist, als wäre sie noch da. Denn: Gestorben ist nicht tot. Die Lebendigkeit und Tiefe eines Menschen bleibt in genau der Intensität erhalten, mit der er (sie) sich im Leben zum Ausdruck gebracht hat. Ganz im Sinne von: "Tritt hervor mit dem was du kannst. Wir haben auf dich gewartet!"