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Jetzt wär es Zeit!



Jetzt wär es Zeit, Rainer M. Rilke, gesprochen von Petra Kopf


Im Workshop letzte Woche hat uns unter anderem ein Gedicht von Rainer Maria Rilke beschäftigt.
Welches Wort, welcher Satz klingt besonders bei dir an? - war die Frage.
Es war sehr spannend.

"Neue Seite"
"Noch einmal"
"Die Luft wie eine Scholle umzuschaufeln"
"Atemfeld"
"Leicht hinzutun"

Wie wir etwas aussprechen, hängt immer damit zusammen, was die Worte in uns bewegen und welche Bilder und Empfindungen wir damit verbinden.

Manchmal sag ich NEIN, wenn ich JA zu mir selber mein


Bei mir ist es mittlerweile 40 Jahre her, als ich das erste Mal für eine bessere Umwelt demonstrierte. Damals war ich 16. Hätte es Fridays for Future gegeben, wäre ich mit meinen Freundinnen dabei gewesen. Wir trugen Kleider aus Kleidersammlungssäcken. Das fanden wir nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kreativ. Zudem hatten wir kein Geld für Markenklamotten. Wir kämpften darum, dass Flüsse und Wälder nicht zugebaut werden, wir demonstrierten gegen AKWs und für den Frieden. Diese Zeit hat mich geprägt. Es war wichtig, das alles zu tun, Werte zu verteidigen, zu spüren, was mir wertvoll war und immernoch ist. 
"Manchmal sag ich NEIN, wenn ich JA zu mir selber mein" habe ich neulich in einem Lied gehört.
Diese jungen Menschen müssen drastisch NEIN sagen, wenn sie ein JA für sich selber leben wollen.
Unsere Demonstrationen damals haben nach außen hin nicht viel bewirkt. Für mich aber hat es bedeutet, dass ich mein Leben lang innerhalb meiner Möglichkeiten so umweltbewusst und nachhaltig lebe, wie es eben in dieser Gesellschaft und diesen Strukturen möglich ist. Dass Demos von jungen Menschen heute eine ganz andere Beachtung finden und tatsächlich weltweit etwas bewirken, kann ich nur begrüßen. Es mag sein, dass einige Jugendliche nur halbherzig dabei sind, aber der Großteil wird eine Veränderung spüren und eigene Werthaltungen entwickeln, die nachhaltig sind.

sichtbar sein

Saline Riburg, Prof. Dr. Nils Jent
Letzten Mittwoch war ich mit Dr. Nils Jent in der Saline Riburg.
Dort wurde er von ipunkt Impulse interviewt. Ich war diesmal nicht zum Übersetzen engagiert, sondern nur zum Begleiten. Immer wieder muss ich aber innerlich schmunzeln, wenn die Leute sagen, sie hätten alles was er gesagt hat verstanden, aber an den Reaktionen, Antworten und Dialogen ist deutlich zu erkennen, dass eben nicht alles verstanden wurde. Man darf es einem Menschen mit Sprachbehinderung auf jeden Fall sagen, wenn man ihn nicht verstanden hat. Nur in etwa verstanden oder sich selbst zusammengereimt ist nicht sinnvoll und genau genommen Exklusion statt Inklusion. Aus diesem Grund übersetze ich bei öffentlichen Auftritten jeden seiner Sätze. Denn gerade bei ihm ist die Wortwahl wirklich wichtig. Er ist ein humorvoller Wortschöpfer, was einem ohne „Übersetzung“ total entgeht. Wir fragen uns immer wieder, warum es den Leuten so schwer fällt zuzugeben, wenn sie etwas nicht verstanden haben...? 

Bei der Veranstaltung lernten wir unter anderen auch den blitzgescheiten, aufgeweckten und engagierten Jahn Graf kennen. Er ist Youtuber und Influencer (oder sollte man sagen Inkludencer?) und interviewt Menschen mit und ohne Behinderung. Er sagte was ganz wichtiges, nämlich, dass es einem nicht leid tun muss, wenn jemand behindert ist. Er selbst lebt seit Geburt mit seiner Behinderung und das ist für ihn so normal, wie es für andere normal ist, groß, dick, dünn oder kurzsichtig zu sein. Heißt: Er kommt damit klar, denn er kennt es nicht anders. Sinnvoller als Mitleid wäre es, die Vielfalt der Menschen, ihr unterschiedliches Sein und Erscheinungsbild, anzuerkennen und gleichwertig damit umzugehen.

Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen mit Behinderung, die sich sichtbar machen, sich zeigen und offen mit ihrer Behinderung umgehen, sehr viel dazu beitragen, dass Berührungsängste verschwinden. 

Die Besonderheit der Pflanzenwesen


Es ist nicht lange her, da habe ich an einer Wildkräuterführung teilgenommen. Da ich nun schon seit Jahren mitten auf dem Land lebe und um mich herum alles mögliche wächst, von dem ich nicht weiß, was es eigentlich ist, vom Löwenzahn und Gänseblümchen mal abgesehen, war ich sehr neugierig.
Ein kleines Abenteuer war schon der Ort, an dem sich die Gruppe treffen sollte. Denn die beiden Wildkräuterfrauen, die dazu eingeladen hatten, kundschaften zuvor die besten Orte aus, wo gerade die vielfältigsten Pflanzen wachsen.
Überraschenderweise befand ich mich schließlich auf einem Gelände, unterhalb einer Fußgängerunterführung, mit Schotter und Kies und jeder Menge Brennesseln. Ich konnte mir nicht recht vorstellen, was hier besonderes wachsen sollte. Doch schon nachdem uns die Brennessel als entschlackende Heilpflanze vorgestellt wurde, deren Blätter man wie Spinat zubereiten kann, ging es weiter über einen kleinen Hügel und eine wunderschöne, wildromantische Landschaft tat sich auf: Ein Fluss mit sandigem Strand glitzerte in der Abendsonne und es wuchsen dort meterhohe Wildpflanzen, die, wie ich jetzt weiß, märchenhafte Namen wie "Wilde Möhre" "Goldrute" "Feinstrahl" "Artemisia" "Natterkopf" "Gänsefinger" "Mädesüß" und "Blutweiderich" trugen. 
Jede einzelne Pflanze wurde uns vorgestellt, als wäre sie eine Persönlichkeit. Und jede einzelne bekam für mich damit einen Charakter, wenn ich hörte, was sie bewirken kann, wozu sie anzuwenden ist, was ihre Aufgabe ist. So kam es, dass ich am nächsten Tag, als ich bei mir aus dem Haus trat, die Landschaft völlig neu wahrnehmen konnte. Auf dem Fahrrad fuhr ich ins Dorf und sah sie alle am Wegrand stehen: Die Wegwarte, den Spitzwegerich, den Wasserdost, den Braunwurz, das Mädesüß und den Beifuß, also Artemisia. Eine ganz neue Qualität tat sich auf: Ich bin umgeben von Heilpflanzen! In meinem Garten wächst eine Nachtkerze. Jeden Abend nehme ich nun sehr bewusst wahr, wenn sie ihre Blüten öffnet und strahlend gelb in der Dämmerung leuchtet.
Natürlich habe ich sie auch früher schon gesehen. Aber ich habe sie nicht so geachtet, wie ich es jetzt tue.
Auf einer kleinen Radtour sammelte ich einen Strauß Wildkräuter und steckte sie zu einem Kranz zusammen. Das war vor über einer Woche. Der Kranz war mit mir auf Reisen zu einem Seminarort. Von dort habe ich ihn wieder zu mir nach Hause mitgenommen und er ist noch immer nicht vertrocknet.
Mir kam der Gedanke, dass es uns auch mit den Menschen so geht: Wir nehmen sie zwar wahr, all die Menschen in unserem Alltag, aber richtig wertschätzen, wirklich beachten und anerkennen können wir sie erst, wenn sie uns vorgestellt werden, wenn sie sich uns zeigen, als die, die sie sind mit all ihren Besonderheiten und Charaktereigenschaften. 

Was für eine Pflanze bist du? Wo wächst und gedeihst du? Was hast du zu geben?

Die geheime Botschaft der Nacktschnecke


Während ich in der Küche am Herd stand, im Ofen ein Kuchen, auf dem Herd ein Reisgericht, dachte ich über Elektroschrott nach: an all die Dinge, die wir Menschen ohne Strom machen könnten, aber weil es die Werbung uns einredet, elektrisch verwenden. Ein Rührgerät, eine Zitronenpresse, die Brotschneidemaschine, die elektrische Zahnbürste, den E-reader und vieles mehr. Hinzugekommen sind nun auch noch E-Roller, mit denen man, wie im Radio angepriesen, Wege, die man normal zu Fuß machen würde, elektrisch bezwingen kann. Heißt: So ein Roller ist kein Ersatz für ein Auto, sondern für die eigenen Beine, denn im Durchschnitt ersetzen sie Wege von bis zu 2 km! Und nach Feierabend geht dann der moderne Mensch in ein Fitness-Studio, wo er (selbstverständlich an elektronisch angetriebenen) Laufbändern seinen Bewegungsmangel wieder ausgleichen kann. 

Über diesen Irrsinn dachte ich nach, als plötzlich der Strom ausfiel! Es war Punkt 12 Uhr. Wenn so etwas mitten am Tag passiert, geht man davon aus, dass in 5 Minuten alles wieder läuft, denn andernfalls hätte man rechtzeitig einen Bescheid vom Netzbetreiber im Briefkasten vorgefunden. Mein Essen auf dem Herd wurde lau, der Kuchen bekam schon eine beleidigte Delle, als nach 20 Minuten noch immer kein Strom kam. Auf Nachfrage beteuerten die Nachbarn, bei ihnen sei alles in Ordnung. Es betraf nur unser Haus und das unseres Vermieters. Merkwürdig. Es lag weder an den Sicherungen noch konnten wir sonst etwas außergewöhnliches entdecken. Noch am späten Nachmittag saßen wir da, löffelten das dahinschmelzende Eis aus der Kühltruhe und waren ratlos. 
Ein Elektriker kam, er konnte nichts feststellen. Der Netzbetreiber kam, er sagte, er kann keinen Fehler finden, man müsse nun eine provisorische Leitung legen und am nächsten Tag weiterschauen. Als am Abend schlußendlich der Verteilerkasten an der Straße geöffnet wurde, war der Grund gefunden: Eine Nacktschnecke saß auf der Leitung und hatte zu einem Kurzschluss geführt! 

Fazit: All unsere ausgefeilte Technik kann durch ein kleines Tier zu Fall gebracht werden. Und auch noch von einer Schnecke! Es ist, als wolle sie uns mitteilen: Entschleunigung ist die Lösung! Denn: Was wir wirklich brauchen ist Zeit. Die vielen elektrischen Geräte sind meist nur vordergründig praktisch. In Wirklichkeit rauben sie uns Zeit und Nerven: Wartung, aufladen, updaten, saubermachen, Betriebsanleitung verstehen. Man sollte sich immer wieder fragen: was und wieviel brauche ich wirklich?
Mein Kuchen hat es letztlich doch noch geschafft, mit der Restwärme im Ofen durchgebacken zu werden. Und den Tag ohne Strom haben wir mit lesen und malen verbracht.

Sommerworkshop im August



Dem Klimawandel entgegenwirken indem man zum Beispiel nicht mehr ins Flugzeug steigt, ist eine Möglichkeit. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist?
Ich habe die weniger heißen Tag genutzt, um für den Sommerworkshop draußen bei uns einen geeigneten Platz zu finden und bin wieder einmal überrascht worden. Es gibt so viele wunderschöne Ecken und sie sind gar nicht weit!
Am 17.08.2019 10 - 18 Uhr hast du die Möglichkeit "Lebendige Kommunikation" in der Natur zu erleben. Es geht darum, ganz bewusst wahrzunehmen und sich auf Überraschungen gefasst zu machen. Denn es ist tatsächlich so, dass wir in einer ursprünglichen Umgebung in der Natur anders kommunizieren, anders wahrnehmen und empfinden.
Ich zeige dir Übungen, wie du Antworten auf Lebensfragen finden kannst, Gutes für deine Stimme und dein Atmen tun kannst und zusammen mit den anderen Teilnehmenden die Kraft in der Natur erfährst.
Der Tag wird sich im Ablauf nach dem vorherrschenden Wetter richten. Es wird keine schweißtreibende Wanderung werden, sondern eine Naturerfahrung, die für alle bereichernd sein wird.

Alle Infos sind hier, gerne auch zum Weiterleiten. Ich freue mich sehr auf Anmeldungen bis spätestens 06.08.

PS: Ich bin dabei eine Weiterbildungsreihe für Frauen auszuarbeiten zum Thema "Gruppen leiten nach dem weiblichen Prinzip". Wer genaueres wissen will, bitte nachfragen.