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Sommerworkshop im August



Dem Klimawandel entgegenwirken indem man zum Beispiel nicht mehr ins Flugzeug steigt, ist eine Möglichkeit. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist?
Ich habe die weniger heißen Tag genutzt, um für den Sommerworkshop draußen bei uns einen geeigneten Platz zu finden und bin wieder einmal überrascht worden. Es gibt so viele wunderschöne Ecken und sie sind gar nicht weit!
Am 17.08.2019 10 - 18 Uhr hast du die Möglichkeit "Lebendige Kommunikation" in der Natur zu erleben. Es geht darum, ganz bewusst wahrzunehmen und sich auf Überraschungen gefasst zu machen. Denn es ist tatsächlich so, dass wir in einer ursprünglichen Umgebung in der Natur anders kommunizieren, anders wahrnehmen und empfinden.
Ich zeige dir Übungen, wie du Antworten auf Lebensfragen finden kannst, Gutes für deine Stimme und dein Atmen tun kannst und zusammen mit den anderen Teilnehmenden die Kraft in der Natur erfährst.
Der Tag wird sich im Ablauf nach dem vorherrschenden Wetter richten. Es wird keine schweißtreibende Wanderung werden, sondern eine Naturerfahrung, die für alle bereichernd sein wird.

Alle Infos sind hier, gerne auch zum Weiterleiten. Ich freue mich sehr auf Anmeldungen bis spätestens 06.08.

PS: Ich bin dabei eine Weiterbildungsreihe für Frauen auszuarbeiten zum Thema "Gruppen leiten nach dem weiblichen Prinzip". Wer genaueres wissen will, bitte nachfragen.

100 Jahre Bauhaus - Eindrücke aus Weimar

Ausgerechnet in der heißesten Juniwoche begleitete ich meinen Freund Nils nach Weimar, wo wir uns die Stadt und das neue Bauhaus-Museum anschauten, und die Universität besuchten. 
Den Rollstuhl über's historische Kopfsteinpflaster zu schieben war schweißtreibend und kostete uns einiges an Durchhaltevermögen, Kraft und Nerven, aber es hat sich gelohnt.
Das Bauhaus Museum zeigt ein breites Spektrum aller Künste des Bauhaus: Neben Möbeldesign und Architektur konnte man Malerei von Kandinsky, Klee, Feininger und anderen bewundern. Es gab Objekte aus der Weberei, der Keramikkunst und Töpferei, Skulpturen, Reliefs und nicht zuletzt Musik und Tanz. Letzteres wurde in Lebensgröße auf einer riesigen Leinwand dargeboten, sodass man die TänzerInnnen unmittelbar vor sich hatte, als wären sie mit im Raum.
Es war im höchsten Maße inspirierend und eindrucksvoll, aber ich hatte Mühe, meinem blinden Freund zu erklären, was ich sah. 
Oft beschrieb er mir, wie er es mit seinen inneren Augen wahrnehmen konnte, was ausgesprochen überraschend war und mir noch weitere Dimensionen der Betrachtung erschloss.
In der Universität konnte man den offenen, künstlerischen Geist spüren. Alle waren sehr hilfsbereit und aufgeschlossen, denn das ältere Gebäude ist nur teilweise rollstuhlgerecht. Was doch so kleine Gesten der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ausmachen, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist! Es bedeutet ungeheuer viel, wenn einem die Tür aufgehalten wird, wenn jemand beim Schieben hilft, wenn es steil aufwärts geht, oder wenn einem gezeigt wird, wo der nächste Fahrstuhl ist.


Barrierefreiheit ist noch längst nicht verwirklicht. Denn den barrierefreien Zugang zu einem Hotel oder Museum erreicht man oft nur auf den umständlichsten Wegen: über versteckte Hintereingänge, für die man erstmal Kopfsteinpflaster überwinden muss. Dann klingeln, warten, bis jemand kommt und öffnet. Oder es gibt zwar eine Rampe, aber die ist ebenfalls kopfsteingepflastert und viel zu steil.
Manchmal ist der Aufzug zu klein oder defekt. 
Deshalb hängt echte Barrierefreiheit nicht nur davon ab, dass wir uns besser einfühlen, mehr nachfragen, was gebraucht wird, sondern auch von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und einfach ein bisschen aufmerksam sein.

Tag der Vielfalt


Heute ist Tag der Vielfalt. Passend dazu ist mir dieses Pippi Langstrumpf Pferd begegnet, als Symbol für eine bunte Welt in der die Norm auf den Kopf gestellt wird.

Letzten Freitag war ich in Ravensburg bei einer FridaysForFuture Kundgebung, weil ich es wissen wollte. Wie ernst ist es den jungen Menschen? Es war beeindruckend. Zum einen, weil sehr viele Menschen gekommen waren, Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene. Zum anderen, weil die jungen SprecherInnen wirklich etwas zu sagen hatten. Es werden nicht einfach nur Transparente hochgehalten, es finden auch Aktionen statt. Die Streikenden sind informiert. Von wegen "schwänzen": wer sich so in ein Thema hineinkniet und Argumente sammelt, schwänzt nicht, sondern bildet sich. Die Welt scheint momentan ein bisschen aus den Angeln gehoben zu werden, weil aufmüpfige Mädchen und Jungen sich einmischen und gestandene Politikerinnen (AKK!) fassungslos machen.
Darf man wieder vorsichtig hoffen, dass unsere Gesellschaft tatsächlich einen Wertewandel erleben wird?

Szenen aus dem Herzen


Ich habe das Buch gelesen (mir scheint, dass viele, die darüber Kommentare auf Facebook etc. schreiben, es nicht gelesen haben...). Und ich kann es ausdrücklich empfehlen! Der erste Teil erzählt aus Sicht von Gretas Mutter die Situation einer Familie mit zwei Kinder, die anders sind. Ich sage bewusst "anders" und nicht behindert oder krank, denn behindert werden diese Kinder (und mit ihnen ihre Eltern) erst durch die Gesellschaft, die bestimmt, was normal und was "krank" ist. Gretas Mobbing in der Schule ist aufwühlend. Ihre Reaktion darauf löst eine Lawine von Krisen innerhalb der Familie aus, die die Eltern in eine schier aussichtslose Überforderung treibt. Greta muss in eine Förderschule wechseln, wo es nicht genug Lehrer gibt. Das Kind gerät in eine tiefe Depression und reagiert mit Essstörungen.
In einem unserer Vorträge haben Nils Jent und ich beschrieben, dass mitwirken und mitgestalten wichtige Grundbedürfnisse eines jeden Menschen sind - und ich finde das in Gretas Geschichte bestätigt: Die psychische Krise bessert sich erst, als sie spürt, dass sie selbst etwas tun kann, und wenn es "nur" streiken ist. Mit diesem Streik bewirkt sie etwas.
Das Buch ist mutig, weil es überhaupt keine angenehmen Botschaften hat und so ziemlich jedem Leser, jeder Leserin den Finger in die Wunde legt. Klar, dass das zu polarisierenden Meinungen und Äußerungen führt. Unbequemen Tatsachen ins Auge zu schauen, würde bedeuten, etwas ändern zu müssen, damit man sich wieder im Spiegel anschauen kann.
Der Erlös des Buches kommt übrigens nicht der Familie zugute sondern diversen Umweltschutzorganisationen. Man kann das Buch auch auf Spotify hören.
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, mit einer 16 jährigen Schülerin über die "Friday For Future" Streiks zu sprechen. Da wird noch viel mehr getan, als nur Schilder hochgehalten. Es werden Aktionstage veranstaltet, wo Müll gesammelt wird und vieles andere mehr. Es ist gut, dass die Kinder ein Vorbild haben.

Wofür brennst du?



Es ist eine spannende Zeit: Greta Thunberg spricht an verschiedenen Orten in Europa und appelliert: Wir sollten in Panik geraten, denn unser Haus brennt. Gemeint ist die Erde, ist dieser Planet.
Dann brennt es in Notre Dame lichterloh und es scheint wie ein Zeichen zu sein. Doch für was? Hat das eine tatsächlich mit dem anderen zu tun, oder ist es ein merkwürdiger Zufall? Wer sich mit der archetypischen Bedeutung von Bildern beschäftigt, wird sich auf dieser bildhaften Ebene mit dem Geschehenen auseinandersetzen, beziehungsweise in Resonanz gehen wollen.
Für mich ist das Brennen der Kathedrale als würden die Aussagen von Greta damit unterstrichen werden. Es stellt sich mir die Frage, warum es erst im Außen brennen muss, bevor wir Menschen wieder zu Bewusstsein kommen, und uns danach fragen, wofür wir im tiefsten Inneren brennen. Was ist wirklich wichtig für uns?
Kann es sein, dass wir über die vielen Scheinprobleme, die unseren Luxusalltag beherrschen, vergessen, was uns wirklich wichtig ist, was uns auf den Nägeln brennt, was uns entflammt, wofür wir leidenschaftlich glühen? Die Haltung derer, die einst Notre Dame erbaut haben, ist den meisten Menschen heute längst abhanden gekommen. Was ist uns heute noch heilig?
Ich fühle mich dazu aufgerufen, neu darüber nachzudenken und mir darüber bewusst zu werden, dass das Leben auf dieser Erde und das Miteinander der Menschen, Tiere, Naturwesen, der Elemente und all der verschiedenen Kulturen und Religionen ein besonderes Mysterium ist, das es zu schützen gilt. Unser Leben hier baut auf all dem auf, was die, die vor uns waren erschaffen haben. Dies gilt es zu würdigen, indem wir für die, die nach uns kommen eine lebens - und liebenswerte Welt erschaffen und erhalten. Es geht um unsere innere Haltung und um unser inneres Brennen.

Was Greta uns lehren kann


Als ich neulich ein Foto von Greta Thunberg und Jane Goodall sah, hat mich das so mit Wohlwollen erfüllt, dass ich es zeichnen wollte. Die beiden sehen sich an wie Großmutter und Enkelin, zwei Komplizinnen, zwei, die sich verbündet haben. Und während ich da so vor mich hin malte, machte ich mir Gedanken dazu, was es wohl mit Greta auf sich hat.

Greta ist völlig anders, als alle Mädchen ihres Alters. Mit 16 Jahren sieht sie aus wie 13, sie ist nicht geschminkt, trägt altmodisch geflochtene Zöpfe und selbstgestrickte Wollmützen. Sie ist das Gegenteil von einer Marketing-Influencerin, obwohl sie durchaus Influencerin ist, also Einfluss ausübt. Als derzeit bekannteste Klimaaktivistin teilt sie unsere Gesellschaft in diejenigen, die dieses junge Mädchen enthusiastisch feiern und diejenigen, die sie als "gehypt" bezeichnen, also überbewertet und im Grunde bedeutungslos.
Nein, bedeutungslos ist Greta nicht. Sie ist jemand, der uns nicht nur in Sachen Klimaschutz etwas vorleben kann.
In einem unserer letzten Vorträge über Inklusion sprachen Nils Jent und ich darüber, dass alle Menschen eine grundlegende Erfahrung im Leben teilen: nämlich die, dass wir etwas bewirken können. Der erste selbständige Schritt in unserem Leben, das erste Wort, das wir sagen konnten, hat uns die Erfahrung gebracht, wie es ist, einwirken zu können. Es ist ein geradezu euphorisches Gefühl.
Leider wird das später mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt, nicht zuletzt durch die Schule, die weitgehend das Selberdenken verdrängt. Immernoch leben wir in hierarchisch geprägten Systemen, in denen die "Besserwisser" bestimmen und es kein Miteinander gibt, eher ein Gegeneinander, ein Be- und Entwerten, ein System der Anpassung an den Stärkeren.
Nun kommt Greta daher. Eine unscheinbare Person, noch dazu mit einem Asperger Autismus, den man hierzulande als eine "Behinderung" bezeichnet. Mit ihrer Beharrlichkeit und der Resistenz gegenüber dem, was andere von ihr halten, denken oder sagen, tut sie einfach, was sie für nötig hält. Ihre sogenannte Behinderung ist in dem Fall eine Befähigung, wie sie es selbst ausdrückt (Interview mit Anne Will). Der Asperger Autismus lässt sie fokussiert bleiben. Es ist anzunehmen, dass sie damit auch geschützt ist vor allen möglichen Verlockungen, die ein schneller Ruhm mit sich bringt.
Warum konnte Greta so viele Jugendliche, aber auch erwachsene Menschen für sich einnehmen? 
Als Greta sich ganz allein vor den schwedischen Reichstag setzte um zu streiken, bewirkte sie etwas. Andere Kinder und Jugendliche blieben davon nicht unbeeindruckt, sie sahen: Es ist möglich, dass jede/r etwas bewirken kann. Wenn wir spüren, dass wir etwas bewirken können, motiviert uns das.
Wenn sich jetzt Politiker/innen dazu aufraffen könnten, diese Jugendlichen einzubeziehen, sie zu inkludieren, sie ernst zu nehmen und teilhaben zu lassen, dann wäre die Chance gegeben, dass wirklich etwas in Bewegung geraten könnte, das uns allen als Gesellschaft von Nutzen sein könnte.
Der Schulstreik ist nicht nur ein Streik für den Klimaschutz.
Der Schulstreik ist in meinen Augen unbewusst oder bewusst auch ein Streik gegen das herrschende Schulsystem, das Mitbestimmung und Mitgestaltung unterbindet. 
Es ist an der Zeit, anzuerkennen, dass jeder Mensch, ob jung oder alt, behindert oder (scheinbar) nicht behindert, respektiert und in seinen Bedürfnissen ernst genommen werden muss. Ein echtes Miteinander bedeutet nicht gleichgeschaltet in einer einzigen Meinung und Haltung zu agieren, sondern die Verbindungen der unterschiedlichen Potenziale zu finden und etwas neues zu schaffen.
Die Jugendlichen mögen bestimmte Kenntnisse nicht haben, aber sie haben vieles, was wir "Alten" längst verloren haben: Lebendigkeit, Kreativität, Wahrhaftigkeit, Mut und nicht zuletzt Hoffnung.