Was ist uns heilig?


Wenn ich sagen sollte, welcher Schutzengel mich begleitet, so kann ich ohne Zögern sagen: Es ist Maria. Denn wo immer ich bin, entdecke ich kleine, schlichte Marienkapellen, die eine konzentrierte Energie ausstrahlen und mir Ruhe und Gelassenheit geben. So auch im Untermarchtal, wo die Tagung von Via Mundi stattfand mit dem Thema "Was ist uns heilig".
Gelassenheit brauchte ich auf jeden Fall früh am Morgen, als ich mit Nils zur Tagung starten wollte: Vor der Tür lagen in Sankt Gallen etwa 30 cm Schnee und dicke Flocken kamen ununterbrochen vom Himmel, sodass kaum Sicht war. Mir wurde ganz flau, denn mein Auto hatte schon Sommerreifen!
Meine hilflosen Versuche, den Platz vor der Garage freizuschippen nutzten nichts. Wir mussten den Räumdienst rufen und dann im Schneckentempo kilometerweit an vielen Autounfällen vorbei Richtung Autobahn tuckern.
Erstaunlich war es, dass wir trotz dieser Widrigkeiten pünktlich waren. Sehr herzlich wurden wir dort in Empfang genommen. Viele interessierten sich für den Film "Unter Wasser atmen", der nachmittags gezeigt wurde und für den einige Gruppen sogar auf ihre Gruppenarbeit verzichteten. So war das Publikum natürlich schonmal gut vorbereitet auf den Vortrag am Abend. "Im Miteinander stark - der Weg zur Inklusion". Das Wort Inklusion ist nicht vielen geläufig. "Wie war das nochmal mit dem Input?" fragte man mich. Nein, nicht Input, INKLUSION!
Wir haben Inklusion auf verschiedene Art erklärt. Wenn in einer Partnerschaft sich nur einer an den anderen anpassen muss, dann ist das eher Integration und nicht so optimal. Der, der sich anpasst, stellt seine Interessen hinten an, gibt seine Individualität zugunsten des anderen auf. So entwickelt sich keiner der Partner wirklich weiter, denn der sich anpasst, vernachlässigt sein Potenzial, während der andere in seiner Komfortzone stecken bleibt.
Gehen aber beide Partner aufeinander zu und verändern sich im Miteinander, dann ensteht etwas Drittes, das man Beziehung nennt.
Interessant war, dass die hellsichtige Jana Haas in ihrem Vortrag sagte, dass es jetzt in unserer Gesellschaft genau darum geht: Die Vielfalt der Kulturen muss zueinander finden, im aufeinander Zugehen verändern wir uns und entwickeln wir uns. Das "auf-alten-Dogmen-hockenbleiben" wird uns nicht weiterführen und keine Fortschritte bringen.
In meiner Gruppenarbeit konnte ich dann meine Teilnehmer direkt spüren lassen, was es mit dem "Zwischen-Menschlichen Resonanzraum" auf sich hat und wie man in Beziehung kommt, auch wenn man sich kaum kennt.
Wunderbar war auch der Ort. Das Kloster Untermarchtal ist ja nicht weit von meinem Wohnort entfernt, aber ich kannte es nicht. Die moderne Kirche im Kontrast zum alten Kloster, der kleinen Marienkapelle, dem lichtdurchfluteten Friedhof, dem Kräuterlabyrinth und den romantisch verschlungenen Wegen, luden ein, auch Wahrnehmungsübungen draußen zu machen und in Resonanz zu treten mit Natur und Räumen.
In den Pausen und beim Essen ergaben sich viele wertvolle Begegnungen und Gespräche, die noch nachwirken und Nils und mich inspirierten für weitere Projekte.
Es ist immer wieder bewegend, wenn ich Menschen im Kurs habe, die 20 bis 30 Jahre älter sind als ich und die sich mir anvertrauen und gleichzeitig auf so fruchtbare Weise ihre Lebenserfahrung einbringen. Auch dieses Phänomen ist Inklusion.
Danke, Doris, Helga, Manfred, Elisabeth, Anna-Brigitta, Mirjam, Gertraud und Christel. Ich bin sicher, ihr hört eure Namen noch klingen ;-)

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