Hilfe, das Telefon klingelt nicht mehr!

Im Netz las ich kürzlich, es sei unhöflich, jemanden ohne vorherige Anmeldung einfach am Telefon anzurufen. Man muss das vorher per mail ankündigen.
Zugegeben: Ab und zu "verabrede" ich mich auch mit meinen Freundinnen am Telefon und das tun wir per email. Das aber nur, weil wir wissen, die Gespräche können bis zu einer Stunde dauern. So schauen wir, wann wir beide Zeit haben für ein ausführliches Gespräch. Wohnt die Freundin nur 20 km weiter, treffen wir uns im Cafe oder Zuhause.
Nun gibt es aber auch Leute, die schauen sich ihre emails einmal die Woche an. Da kann ich also schlecht ein dringendes Telefonat per mail ankündigen. Rausgefunden habe ich, dass das dann per Whatsapp geht. Wobei ich selber Whatsapp nicht bräuchte. Den Account habe ich nur angelegt, um auch die MailphobikerInnen zu erreichen.
Was aber wirklich nervig ist und wahnsinnig viel Zeit in Anspruch nimmt ist, dass emails, sms, whatsapp - all das kurz geschriebene Zeug -  oft dermaßen missverständlich rüberkommt, dass man zig mal hin und her mailen muss, um eine Sache zu klären. Dabei hätte man es in einem Telefongespräch oder face to face so schnell geklärt. In einer email kannst du nicht lesen, mit welcher Gemütsverfassung es geschrieben ist. Du liest die Nachricht in deiner eigenen Verfassung. Bist du gerade schlecht gelaunt, wirst du die mail auch im schlecht gelaunten Ton "hören".
Da habe ich neulich so viel Energie in eine funktionierende Telefonleitung gesteckt und muss feststellen, dass ich eigentlich kaum noch angerufen werde. Doch, fast hätte ich es vergessen: Die Marketingumfragen, die Call-Center, die sind begeisterte Telefonierer.
Eine Lebendige Kommunikation ist die alleinige Email-Kommunikation jedenfalls nicht. Kurze Informationen weitergeben, mal ein Gruss, um sich in Erinnerung zu rufen, eine Verabredung treffen, eine geschäftliche Anfrage, das finde ich per mail in Ordnung.
Probleme und Konflikte lösen, eine Meinung erfragen oder zu diskutieren - das geht nie und nimmer per mail. Ich lasse mich darauf nicht mehr ein.
Wem ich es nicht wert bin, dass er oder sie mich persönlich anspricht, der ist meiner nicht wert.

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