Ist es wahr? Ist es wirklich wahr?


Das Leben ist ein Labyrinth. Jeder hat seine eigene Wirklichkeit, lebt in einem eigenen Universum, das von den Mitmenschen mehr oder weniger berührt, geteilt und seltener wahrgenommen wird. Wir alle schöpfen aus bereits Erlebtem, übertragen die alten Erfahrungen auf neue Situationen und geraten dadurch oft in einen Dschungel der Missverständnisse.
Was ist nun wahr? Dan Theander sagt: "Die Wahrheit hat zwei Seiten: deine und meine", aber eigentlich müsste es heißen: "Deine, meine und eine, die wir beide nicht sehen können." (Zitat hier gefunden).
Wenn sich irgendwer komisch verhält, dann interpretiert man es meist gegen sich. Man wertet also negativ. Typisches Beispiel ist, wenn mir beim Autofahren ein anderes Fahrzeug hupend zu dicht auffährt. Sofort denke ich: Was für ein Idiot! Möglich, dass ich recht habe, aber weiss ich es wirklich? Nein. Es könnte ja auch sein, dass jemand dringend zum Krankenhaus fahren muss, oder sonst eine Notlage vorliegt. Wie auch immer, die bessere Wahl wäre, ich würde cool bleiben, statt mich über diesen (vermeintlichen) Idioten aufzuregen und einfach Platz machen, damit er überholen kann.
Byron Katie fragt dieses "Ist es wirklich wahr? Kannst du es mit Sicherheit wissen, dass es wahr ist?" in ihrer Methode "The Work" ständig. Man kann hundertmal trotzig antworten: "Natürlich ist X ein Depp, weil er mich nie grüßt." aber irgendwann muss man sich eingestehen, dass man es eben nicht mit Bestimmtheit weiss und schon gar nicht, ob es die Wahrheit ist.
Es wird ja oft gesagt, man solle nicht werten. Ich würde eher sagen, dass es keinen Sinn macht, etwas zu interpretieren. Man muss jedoch hin und wieder werten, aber damit meine ich, man muss unterscheiden: Tut mir das gut, oder nicht? Etwas so zu interpretieren, dass es sich gegen mich richtet und mich abwertet, ohne dass ich mit Bestimmtheit weiss, ob es auch so gemeint war, ist schlichtweg nicht gut für mich.

Keine Kommentare: