rückblickend

Bild mit freundlicher Genehmigung von Lone Bech

Manche Dinge, die geschehen, werden einem erst rückblickend verständlich. Wenn ich auf das (fast) vergangene Jahr schaue, dann muss ich sagen, hat sehr viel ineinander gegriffen, als ob ein Plan dahinter gewesen wäre, dabei war ich anfang des Jahres ziemlich planlos gewesen. Ich hatte mir vorgenommen, alles so zu nehmen, wie es kommt. Begonnen hat es mit einem Frauenfrühstück. Die Referentin war ausgefallen und man fragte mich am Abend vorher, ob ich nicht einspringen könnte, das Thema sei Afrika. Da ich eigentlich auf Besuch war und keinerlei Dinge dabei hatte, die ich sonst so verwende, nicht mal eine Trommel ;-), musste ich auf mich selbst vertrauen. Es war ein spannender Vormittag, spannend auch für mich, weil ich mich meiner Intuiton hingab. So wurde nicht getrommelt - wie ursprünglich den Frauen versprochen worden war - dafür getönt und gesungen und ich erzählte von meinen persönlichen Erlebnissen in Namibia und was ich dort bei den Himba-Frauen beobachtet hatte, als ich mich mit ihnen versuchte zu verständigen.
Die mit Ocker eingeölten Himba-Frauen mit ihren Rastazöpfen und Kuhlederröcken scheinen erstmal so fremd und aus einer völlig anderen Welt. Und doch spürt man sehr bald, dass Menschen im Grunde überall nur eine Sprache sprechen - wenn sie aus dem Herzen kommt, offen und frei.
So verging der Frauenfrühstücksvormittag in Windeseile. Ich konnte den Funken so überspringen lassen, dass ich prompt zu einer anderen, größeren Veranstaltung im Herbst eingeladen wurde.
Als ich dazwischen mal für zwei Monate ausgebremst wurde, weil ich meinen rechten Arm überhaupt nicht mehr bewegen konnte, war ich ziemlich sauer. Ich konnte nicht mal Auto fahren und musste ständig um Hilfe bitten! Doch auch hier sehe ich rückblickend, wie wichtig das war. Zum einen, weil ich in dieser Zeit wirklich viel Ruhe brauchte, zum anderen, weil ich die Erfahrung machte, wie hilflos und klein man sich fühlt, wenn man auf Hilfe angewiesen ist.
Dass mein Arm nach 8 Wochen plötzlich wieder voll funktionsfähig war und bis heute geblieben ist, das scheint mir noch jetzt wie ein Wunder und ich bin wirklich dankbar dafür.
So war ich fit für Portugal, ein weiteres Highlight in diesem Jahr.
Immer wieder gab es auch kleine oder größere Dämpfer, Enttäuschungen, Ratlosigkeit und auch Befürchtungen. Doch habe ich das inzwischen als notwendige Prozesse erkannt, um herauszufinden, wo ich im Leben stehe und wofür es sich lohnt, den ureigenen Weg zu gehen.
Bei einem großen Kongress zum Thema Inklusion hielten Nils Jent und ich einen Vortrag "Im Miteinander stark. Der Weg zur Inklusion". Die Botschaft des Miteinander ist nicht so honigsüß wie wir uns das (vor allem zur Weihnachtszeit) vorstellen. Zusammen sein, in Gemeinschaft - das alles ist noch kein Miteinander. Das Miteinander fordert uns heraus, ehrlich mit uns und anderen zu sein, in Selbstverantwortung zu handeln und die Einzigartigkeit eines jeden Menschen zu respektieren. Nur dann kann jeder Teil eines großen Ganzen sein.
Gerade an Weihnachten sind die Erwartungen an andere sehr groß. Viel mehr als die materiellen Wünsche, sollen die emotionalen Wünsche erfüllt werden. Hier ist Enttäuschung vorprogrammiert. Das Jahr hat mich gelehrt, die verschiedenen Zeitqualitäten zu nehmen, wie sie sind und auf den Sinn zu vertrauen, der sich, wenn ich es mit Ruhe angehe, immer erschließt. Nicht zu erwarten, dass andere für mich da sein müssen, macht mich frei. Und in dieser Freiheit kann ich dann mit Leichtigkeit auf jemanden zugehen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

... Nicht zu erwarten, dass andere für mich da sein müssen, macht mich frei. Und in dieser Freiheit kann ich dann mit Leichtigkeit auf jemanden zugehen ...

Als ich diesen Satz las, hielt ich inne und lächelte. So viel Weisheit liegt in ihm, er öffnet längst verschlossene Türen zum Miteinander.
Es sollte nicht zu spät sein für eine Umkehr und ich nehme diesen Satz mit auf einen Weg, den ich gerne gehen möchte, nicht gegangen bin aus Enttäuschung, da meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Vielleicht ist so ein Neuanfang möglich.

Lieben Dank dafür.
sissi