Müde vom Kämpfen


Zur Zeit höre ich es von verschiedenen Seiten: "Warum muss ich soviel kämpfen? Ich bin müde davon!" Und ich selbst ertappe mich ebenfalls oft bei diesem Gedanken. Meistens geht es um die gesellschaftliche Anerkennung. Behinderte Menschen und Menschen anderer Kulturen und Religionen kämpfen um Gleichberechtigung und um Teilhabe. Künstler kämpfen um die Anerkennung und den Wert ihrer Arbeit. Arbeitslose, bzw. Erwerbslose kämpfen gegen ihr Gefühl an, in dieser Gesellschaft keinen Wert mehr zu haben. Erfolg, Wertschätzung bekommst du nämlich bei uns nur, wenn du etwas einbringst. Du sollst nichts kosten, du sollst erwirtschaften. Dann gehörst du dazu. Alles was du tust, was kein Geld einbringt, wird nicht gesehen. Angst vor dem Amt, das uns den Stempel gibt, den Stempel der Nutzlosigkeit.
Wie werden das die Menschen, die jetzt Zuflucht bei uns suchen, verkraften? Der Wohlstand, den wir haben, ist teuer erkauft. Kein Tag, ohne die Frage: Werde ich es schaffen? Denn wenn du es geschafft hast, ist es nicht genug. Der Kampf geht weiter. Du musst täglich darum kämpfen, dass dir erhalten bleibt, was du erkämpft hast.
In manchen anderen Kulturen ist das anders. Könnten wir von ihnen lernen, statt ihnen unsere Denk- und Handelsweise aufzudrücken, wäre die Welt vielleicht eines Tages entspannter, friedlicher, gerechter.

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