Achtsamkeit - was ist das eigentlich?


 
Herbstzeit ist Kurszeit. Ich werde also wieder auf Reisen sein und Tagesworkshops geben.
Dieses Mal wurde mir unter anderem das Thema "Achtsamkeit" angetragen. Das Wort wirkt auf mich immer leicht provozierend. Es ist inzwischen ein Modethema geworden und für manche, wie mir scheint, eine neue Art, legitim den Egoismus und Narzissmus zu feiern. Achtsamkeit ist für mich jedoch nicht das Kreisen um die eigene Befindlichkeit, sondern der Weg vom Selbst zum Gegenüber. Natürlich muss ich erstmal zu mir selbst finden, aber nicht, um da zu verharren, sondern vom Selbstgefühl in ein Mitgefühl zu finden, also fähig zu werden, in ein lebendiges Miteinander zu treten. Dies ist im Grunde das 1 mal 1 der Schauspielausbildung.
Mit der Feinwahrnehmung meiner fünf Sinne finde ich letztlich zu einem sechsten Sinn, nämlich dem, der zum Empfinden von zwischenmenschlicher Resonanz führt. Es geht immer um die Balance zwischen bei mir sein und beim Anderen sein. Eigentlich ist es ein sowohl als auch. In diesem Zustand der Balance wird einem dann auch bewusst, dass der Andere meist ein Spiegel ist: Indem ich auf den Anderen zugehe, gehe ich also auch auf mich zu.
Und so bekommt der Satz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" nochmal eine ganz neue Dimension: Indem ich den anderen liebe, liebe ich auch mich selbst...

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