Ungehindert reisen Teil 2 - Lissabon im Taxi


Dass es ausgesprochen schwierig sein würde, mit dem Rollstuhl durch Lissabon zu gurken, war uns von vornherein klar. Obwohl wir vor längerem schon bei Reha Mühleisen den absolut genialen snollon gekauft haben, ein Vorrad, das man an den Rollstuhl anschnallen kann, damit er besser über Unebenheiten, also auch Kopfsteinpflaster rollt, sind die Steigungen in dieser traumhaften Stadt doch beachtlich. Somit suchte ich schon Anfang des Jahres einen Taxifahrer, möglichst deutschsprechend, möglichst flexibel, möglichst vorurteilsfrei, der uns zu einem fairen Preis chauffieren würde. Candido Morais war unser Kanditat :-)
Am Flughafen wurden wir pünktlich und freundlich von seinem Kollegen abgeholt und zum Hotel gefahren. Dort angekommen staunten wir nicht schlecht über das exklusive, feine Interieur des Hotels, das im Feng Shui Stil gebaut war und wirklich sehr angenehm wirkte. Die Räume groß und mit allem Komfort, was in unserem Fall schwellenlos bedeutet und mit Griffen an den richtigen Stellen. Ganz toll fand ich, dass wir keinen Aufpreis zahlen mussten für das opulente Frühstück auf dem Zimmer!
Meine ersten Erkundungen draußen zeigten, dass es die richtige Entscheidung war, Herrn Morais für den nächsten Tag gebucht zu haben.
Freundlich lächelnd und ohne Hektik stand er vor uns und ließ sich zeigen, wie wir das mit dem Ein- und Aussteigen in und aus dem Taxi managen und wie der Rollstuhl zusammengeklappt wird. Herr Morais war nach zwei drei Aktionen dieser Art schon Profi. Gekonnt rollte er den Rollstuhl samt blindem Passagier über das Kopfsteinpflaster, was mein Freund N. breit grinsend kommentierte.
Eine Stadtrundfahrt zeigt natürlich nur einen Bruchteil dessen, was möglich wäre, könnte man ungehindert zu Fuß gehen. So eingeschränkt eröffnen sich aber andere Perspektiven. Unser Taxifahrer fuhr sehr langsam auch durch die engsten und abgelegensten Gassen, sodass ich die kunstvoll bemalten Kacheln an den Häusern ganz aus der Nähe bewundern konnte. Keine Karten lesen zu müssen, sich nicht orientieren zu müssen, lässt Zeit, Menschen zu beobachten, Düfte einzuatmen, Geräusche wahrzunehmen. Wir erlebten eine helle, leuchtende Stadt, quirlig und lebendig, wenig hektisch und irgendwie "lebenskünstlerisch".
Unserem Taxifahrer wurde erst nach und nach das Ausmaß der Behinderung von N. klar, nämlich, als wir im lauten Café Kuchen aßen und er nicht darauf gefasst war, dass N. gefüttert werden musste. Danach wurde er sehr schweigsam. Dass N. berufstätig ist und seine Behinderung lediglich als ein Anderssein empfindet, (zugegeben, ein manchmal beschwerliches Anderssein) ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Jedenfalls verabschiedete sich unser Chauffeur von meinem Freund mit den Worten: "Kopf hoch! Das Leben geht weiter!" woraufhin dieser ihm antwortete: "Ja, und für Sie auch!" ;-)

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