Ungehindert reisen Teil 3 - unter Orangen und Zitrusbäumen


Am dritten Tag holten wir unseren Mietwagen am Flughafen ab. Das war hektisch und trieb mir den Schweiß aus den Poren. Man sollte eigentlich portugiesisch sprechen, denn mit englisch kommt man nur bedingt weiter. Wir bekamen den Rollstuhl grade mal so mit umgeklappter Rückbank ins Auto. Bei meinem Toyota Yaris, auch nur ein Kleinwagen, kann ich ihn normalerweise hinter den Sitz klemmen, was wesentlich leichter für mich ist. Wir ratterten also nach Süden. Die Autobahnen sind in Portugal wenig befahren, was wohl an der Maut liegt, jedenfalls waren wir in knapp drei Stunden ganz unten im Süden, zweigten ab in Richtung Hinterland und folgten erstmal dem TomTom, dann, als es off-road wurde, der genauen Beschreibung mit Fotos, die uns unsere Vermieter gemailt hatten.
In einer ursprünglichen und ländlichen Umgebung eröffnete sich uns ein traumhafter Blick auf die Monchique Berge, den wir ab jetzt jeden Tag von unserem Haus aus genießen konnten! Der Geruch in der Luft war ein herzhafter Kräuterduft, Eukalyptus, Salbei, Thymian, erdig, warm. Wir wurden herzlich begrüßt und auf dem Tisch stand eine Schale Obst, Wein, Honig - alles für uns! Als wir ins Haus traten fühlte ich gleich, dass man sich hier wie Zuhause fühlen kann. Liebevoll eingerichtet, geräumig, ohne SchnickSchnack, großzügig. Auch N. war begeistert und navigierte sich erstmal durch sämtliche Räume. Wenn er das einige Male tut, hat er bald eine innere Vorstellung der Räumlichkeiten und kann sich problemlos orientieren. Auch die Rampen von drinnen nach draußen konnte er schnell selbst bewältigen, es war perfekt!
Orangen, die direkt von den Bäumen kamen, pressten wir aus und tranken den süßen, fruchtigen Saft. Ich konnte am nächsten Morgen gleich Nachschub kaufen bei der kleinen Frau vom Café Rosa, unterhalb unseres Hauses, da wo die Teerstrasse zur Schotterstrasse wird. Sie saß jeden Tag in ihrem weißen Auto an der Straße und verkaufte Orangen, Zitronen und Tangerinen. Weder sprach sie englisch und schon gar nicht deutsch, sodass ich ihr immer nur den Geldbeutel hinhielt und sie in den Münzen kramte, bis sie die 50 Cent nahm, die ein Kilo kosteten.
N. musste sich erstmal an die ungewohnten Geräusche gewöhnen. Als ich vom Einkauf zurückkam meinte er, irgendetwas sei während ich weg war hereingekommen - es hätte sich angehört wie ein Riesenhamster! Ich durchsuchte alle Räume, aber kein Riesenhamster war zu finden ;-) Es muss der Vorhang gewesen sein, den der Wind durch die Tür blies und ein Geräusch machte, als huschte etwas um die Ecke.

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