Ungehindert reisen - Schlussbemerkung


Wir waren insgesamt 16 Tage unterwegs. Am Heimatflughafen fragte uns der Mann, der uns zum Gepäck brachte, ob wir Sintra gesehen hätten, ob wir dies und das und noch viel mehr gesehen hätten. Zu allem musste ich den Kopf schütteln. Oh! Dann hätten wir Lissabon und Portugal ja gar nicht gesehen.
Vielleicht stimmt das. Vielleicht aber stimmt das überhaupt nicht. Möglicherweise haben wir Portugal einfach ganz anders gesehen und erlebt und vielleicht war das, was wir erlebt haben viel mehr an der Wahrheit.
Heutzutage gibt es zwei Modebegriffe über die viele Bücher geschrieben und Workshops abgehalten werden: Entschleunigung und Achtsamkeit.
Wer ernsthaft diese beiden Disziplinen lernen will, der kann einmal einen Menschen mit Behinderung begleiten. Nirgends lernt man mehr darüber. Nirgends wird man mehr in seiner Persönlichkeitsentwicklung herausgefordert. Aber man wird diesen Weg auch nicht allein gehen müssen. Man geht miteinander. Konflikte werden gemeinsam durchgestanden. Gegenseitige Wertschätzung und Sinn für Humor, auch in brenzligen Situationen, sind wertvolle Erfahrungen.
Ich habe N. zu verdanken, dass ich erfahren konnte, dass es nicht die Menge an Erlebnissen ist, sondern die Intensität und Qualität des gemeinsamen Erlebens. Begegnungen mit Menschen, die uns freundlich und hilfsbereit entgegen kamen, bleiben unvergessen.
Menschen, die mit Menschen mit Behinderung zusammenleben oder reisen, sind oft co-behindert. Die vielen Einschränkungen wurden mir immer wieder bewusst und manchmal, wenn ich allein durch einen Ort gehen konnte, überkam mich ein rauschhaftes Gefühl der Freiheit. Auch dieses Gefühl verdanke ich N. Denn das Eine ist ohne das Andere nicht spürbar.
Manchmal war ich stolz auf mich selbst, wenn ich eine Hürde mit eigener Kraft geschafft hatte, einen Kopfsteinpflaster besiegt, eine steile Rampe erklommen, einen schiefen Bürgersteig gemeistert hatte. Dann rief ich laut: War ich jetzt nicht super? Applaus! Und N. grinste breit und applaudierte so gut er konnte.
Die Zeiten ändern sich. Wir werden alle immer älter. Wir werden alle einmal mehr oder weniger in unserer Körperlichkeit eingeschränkt sein, vielleicht auch in unserem Geist.
Es wird Zeit, dass wir uns Zeit geben, für uns selbst und für andere.

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