Größer, mehr, mehr und mehr - ist das besser?



Man mag auf anderen Blogs über das Weltgeschehen diskutieren, ich wende mich den Ereignissen meiner nahen Umgebung zu, und stelle fest: es ist im Kleinen, wie im Großen, wie oben so unten...
 
Als wir vor Jahren hierher nach Oberschwaben zogen, war ich ganz begeistert vom nahegelegenen Bauerngarten. Dort kann man Gemüse selbst ernten. Eine tolle Idee! Wir gingen oft hin, auch mit meinen Gruppen, denn das Gemüse wuchs unter der Sonne. Es gab, was es gab, also der Jahreszeit entsprechend. Alles war überschaubar, man wusste, das was man hier erntet und kauft, ist aus der Region und ohne Chemie.
Das Projekt war für mich ein echtes "Lebenskünstler-Projekt", weil es, wie mir schien, in erster Linie darum ging, gesundes, sonnengereiftes Gemüse und Obst zu ernten und den Menschen wieder einen Bezug zur Natur zu geben. Für uns war es auch deswegen so optimal, weil wir zum Gärtnern nicht genug Zeit und Kenntnis haben, oft verreist sind und somit aber trotzdem Gelegenheit hatten, zu ernten.
 
Der Wandel geschah allmählich. Wie sooft bei Projekten, bei denen am Anfang eine idealistische Vision steht (oder zumindest so nach außen getragen wird), siegt am Ende dann doch der Profit.
Je besser der Bauerngarten angenommen wurde, umso mehr wurde er ausgebaut. Es kamen größere Felder dazu, Gewächshäuser wurden gebaut, der Laden vergrößert, ausgebaut und mit Dingen angehäuft, die nur weitgehend noch mit Gemüse zu tun haben: Backmischungen, Geschenkartikel usw.
Die besondere Energie des Ortes schwand. Der Garten war nun weniger ein Garten, als eine Plantage. Wir hatten immer weniger Lust hinzugehen.  Anfangs verstand ich gar nicht, warum. Nachdem ich aus Portugal zurück war, wollte ich mal wieder echte Tomaten haben, so wie sie es dort gab: ein bisschen fleckig, ein bisschen mit Dellen hier und dort, aber saftig und voller Aroma. Und nicht den Knoblauch, den man im Supermarkt bekommt, groß, weiss und prall, aber sobald man ihn anfasst zerbröselt er und ist innen gelblich muffig. Statt dessen kleinen, festen, etwas schrumpeligen mit schneeweißen Zehen.
Das alles hatte der Bauerngarten früher gehabt. Es war dort, wie wenn man Zuhause einen Gemüsegarten hat. Als ich nun im Laden ankam, staunte ich über die kerzengeraden Karotten, knallorange, neben den Paprika, die wie aus Plastik aussahen. Ich griff zum Knoblauch und spürte sofort: dies alles ist nicht aus dem Garten. Auf meine Frage, stellte sich heraus, dass das Gemüse im Laden und auch das Obst gekauft war. Doch kein Schild informierte darüber.
Ich war enttäuscht. Größer, mehr, mehr, mehr - ist das immer besser? Plötzlich ist alles nur noch eine Mogelpackung, so jedenfalls empfand ich es. Die Leute kaufen trotzdem dort ein, doch es sind nun andere. Zum Teil ist es ein bisschen eine Touristenattraktion geworden, seit das Fernsehen dort war. Ist das jetzt ein Erfolg?
Sind wir tatsächlich immernoch auf dem Stand, dass wir Erfolg ausschließlich in materiellem Ertrag messen? Sieht keiner im Weniger einen Mehrwert? Lebensqualität, was ist das?
Und wieder fällt mir der Spruch von Dan Theander ein:
Ja, es ist herrlich Geld zu haben! Aber kann man davon leben?

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