Warum wir das Miteinander brauchen



Im Wort Kommunikation steckt Communio, was Gemeinschaft bedeutet. Wir brauchen Gemeinschaft. Der Mensch ist ein Wesen, das Gemeinschaft braucht, er möchte sich einbringen in diese Gemeinschaft. Selbst diejenigen unter uns, die sich gern zurückziehen, tun in ihrer Zurückgezogenheit trotzdem etwas, das letztlich mit dem Gedanken der Gemeinschaft zu tun hat: lesen, schreiben, träumen, beten...
Der Mensch möchte dazugehören, ein bedeutender Teil des Ganzen sein. Seine Bedeutung innerhalb der Gemeinschaft erkennen und zu verwirklichen, das ist wohl der Grund seines Daseins. Anerkennung, Wertschätzung und in letzter Konsequenz Liebe, sind die Schlüsselworte. Menschen tun alles, um das zu erhalten, dafür begehen sie sogar Morde. Wenn jemand keine Aufmerksamkeit bekommt, keine Wertschätzung, dann versucht er das oft mit Gewalt zu erzwingen.
 
Deshalb ist es wichtig, von Grund auf etwas zu ändern. Mein Konzept der Lebendigen Kommunikation setzt auf die sogenannten weiblichen Fähigkeiten, Gemeinschaft zu leben. Damit meine ich nicht, dass nur Frauen das können und Männer nicht, vielmehr ist es die patriarchale Erziehung, die uns diesen weiblichen Aspekt der Gemeinschaft vergessen ließ, der aber in den meisten von uns noch schlummert und auch gerade von Frauen gelebt wird, wenn auch in den meisten Fällen eher versteckt in Familie und Ehrenämtern. Ich möchte diese Fähigkeiten aus ihrem Versteck holen, möchte, dass wir lernen, sie selbstbewusst einzusetzen, ohne uns weiter von der patriarchalen Sicht einschüchtern zu lassen.
Kurz gesagt geht es um dieses: vom ICH zum WIR.
Da jeder sogenannte männliche und weibliche Anteile hat, betrifft es uns alle. Ein Beispiel, was ich mit der männlichen, patriarchalen Sicht meine: Immer wird dazu angehalten, man solle sein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Was dabei geschieht ist doch ziemlich offensichtlich: Man vergisst nach rechts und links, nach oben und unten zu schauen. Man erkennt die Blumen am Wegrand nicht. Man verliert kostbare Zusammenhänge und Verbindungen aus den Augen. Vielleicht ist man irgendwann an dem Ziel, das man sich mal vorgestellt hat, aber was dann? Manche Ziele sind, bis man sie erreicht hat, längst schal geworden, veraltet. Und über der ganzen Zielanstreberei habe ich womöglich meine Freunde verloren.
Natürlich stelle ich mir vor, was ich gern erreichen möchte. Aber mir wird immer mehr bewusst, dass der Weg dahin viel spannender ist. Das weibliche Prinzip folgt weniger einem konkreten Ziel das in weiter Ferne liegt, sondern fragt, was JETZT ist, was in diesem Augenblick notwendig ist, ohne dabei auf das entfernte Ziel zu schielen. Ganz wie eine Mutter versucht, alle Kinder zufrieden zu stellen oder zum wohl der Gemeinschaft beizutragen. Symbolisch, bzw bildlich gesprochen ist der weibliche Weg ein spiralförmiger, der immer wieder das Gesamte umkreist und viele Möglichkeiten einbezieht, während der männliche Weg dem Ziel auf dem kürzesten und schnellsten Weg entgegensteuert, ohne vielseitige andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und in erster Linie sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse im Auge hat. Wettbewerb, Konkurrenz, Siegen sind seine Themen.
Man könnte also auch sagen, dass der männliche Weg wesentlich mehr kontrollierend ist, während der weibliche vertraut auf das was sich bietet. Mir scheint das weibliche Prinzip auch ein Flexibleres zu sein und vor allem ein Wertschätzenderes, da hier viel weniger von richtig und falsch gesprochen werden kann.
Was aber geschieht, wenn wir viel weniger konkrete Ziele haben und nur dem Leitfaden des Momentes, bzw der Kurzzeit folgen? Ich meine, dass es uns damit gelingen könnte, mehr authentisch zu leben, weniger in Ansprüchen und Zielen gefangen zu sein, die meist fremdbestimmt sind. Unser Lebensweg wird dann durch Eigenverantwortung, Vertrauen und Hingabe gesteuert, das Ziel bleibt offen, doch wird es mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit das richtige sein. Ankommen, wo man hingehört und sich wohl fühlt.

Keine Kommentare: