...und trotzdem


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Ich bekam ein email aus Hawai`i. In Big Island fließt die Lava durch Puna, durch Pahoa, streift all die vielen Plätze, die wir besucht haben, verschlingt Bäume und Landschaften, schneidet Ortschaften ab, indem Madame Pele, diese starke, kraftvolle und doch so unbarmherzige Feuergöttin, die Straßen überquert und mit ihrer glühenden Spur unpassierbar macht.
Wer hier sein Haus gebaut hat, ist nie sicher. Zwar ist die Lava langsam, man kann vor ihr flüchten, kann rechtzeitig sich selbst und seine Habseligkeiten retten, aber das Zuhause kann für immer niedergebrannt werden, verschwinden unter dem feurigen, heißen, rotschwarzen Brei, diese schwere leckende Zunge, die wie ein Drache gefräßig verschlingt, was ihr in die Quere kommt.
Den Einwohnern dieser wunderbaren, mystischen Insel, die gerade wegen dem lebendigen Vulkan so eindrucksvolle Landschaften und Klimazonen vorweisen kann, ist der Preis bewusst, den sie bereit sind zu zahlen, um hier leben zu dürfen. Anders als die Touristen, die sich nur aus einer Sensationslust bis auf wenige Meter dem gefährlichen Feuerfluss nähern, erkennen die Einheimischen, dass es Pele ist, also eine Wesenheit, die sich ausdrückt, sich zeigt, Aufmerksamkeit fordert.
Bei meinen Aufenthalten in Big Island habe ich mich nie nah an die Lava getraut. Viel zu groß ist mein Respekt. Es genügte mir, zu sehen, wie Pele gibt, indem sie neues Land schafft, die Insel immer wieder verändert, vergrößert und wie Pele nimmt - das große Lavafeld, das eine ganze Ortschaft verschlungen hat, und wo heute wieder Pflanzen wachsen und die Menschen ihre Häuser bauen. Ich hörte den Geschichten zu, die mir die Hawaiianer erzählten. Sie haben erfahren, dass man nicht für immer alles behalten kann, dass das Leben ein Fluss ist, der sich bewegt, verändert. Und dass wir gut daran tun, mit diesem Fluss zu gehen, den Moment zu leben. Dann können wir auch da leben, wo wir uns wohl fühlen, immer im Bewusstsein, dass nichts für die Ewigkeit ist.

1 Kommentar:

sissi hat gesagt…

Die eigene Vergänglichkeit im Auge... ich habe vor kurzem davon geschrieben. Ja, nichts ist für die Ewigkeit, man muß lernen, loszulassen und dabei erkennen, den Augenblick zu leben.
Ein Leben im Fluß der Zeit.
Da haben mir die Hawaiianer einiges voraus.
Dort bauen, in dem Bewusstsein, das Haus wieder verlieren zu können, würde mich ängstigen. Würde ich der Lava entfliehen können? Mein Sicherheitsdenken ist doch ein wenig zu groß.
Ich zolle der Natur Respekt und denke, ich wäre überfordert.
Ganz lieben Gruß von der sissi