Sprecherziehung - klingt irgendwie spassfrei


Ich bin weder Sprecherzieherin noch Theaterpädagogin. Das muss mal gesagt werden. Das ist so, wie wenn man einen Kunstmaler als Kunstlehrer bezeichnen würde, einen Opernsänger als Gesangslehrer. Denn vermutlich hat der Kunstlehrer selten seine Malereien ausgestellt und verkauft, der Gesangslehrer noch nie eine Arie gesungen und auch die Tanzpädagogin dürfte wohl kaum im Ensemble von Pina Bausch getanzt haben. Natürlich unterrichten auch viele Künstler in ihrem Metier, aber was sie vermitteln ist weit mehr, da es von praktischer Erfahrung geprägt ist. Doch nicht immer sind die Künstler auch die geeigneten Pädagogen, weil ihnen möglicherweise das Talent fehlt, etwas weiterzugeben.
Obwohl ich glaube, dass ich alles, was mit meinem Beruf als Schauspielerin zu tun hat, gut vermitteln kann und darüber hinaus sogar eine Persönlichkeitsentwicklung anregen kann, bin ich keine Pädagogin. Ich bin Künstlerin.

Natürlich werde ich oft gefragt, ob ich auch Sprecherziehung gebe. Dieses Wort klingt so spassfrei, so fernab vom Spielen, wie es doch ein Schau-Spieler gern möchte. Aber ja, das gute Sprechen gehört zu meinem Beruf. Und ich vermittle es auf meine Weise. Dazu gehört, dass ich niemandem etwas aufsetzen möchte, was er nicht ist. Dialekt zum Beispiel, ist oft ein Teil der Persönlichkeit. Er muss nicht gänzlich verschwinden, wenn man sich ohne ihn unwohl fühlt. Aber man kann sowas "einschleifen". Mit der Stimme, der Sprache, dem Sprechen zu arbeiten soll immer Freude bereiten. Nur so kann es gelingen.
In der Zeitung Universalis, Freiburg, fand ich dennoch einen ausgesprochen guten Artikel, der beschreibt, um was es denn bei Sprecherziehung so geht und weshalb es wenig mit Logopädie zu tun hat.

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