Bist du etwa bescheiden, sittsam und rein?


Sei wie das Veilchen im Moose
bescheiden, sittsam und rein.
Und nicht wie die stolze Rose
die immer bewundert will sein.

Das fiel mir gestern wieder während eines Gespräches ein, in dem es darum ging, dass, wenn wir es schonmal wagen, uns ganz vorne hinzustellen und unsere Meinung kundzutun, sofort jemand zur Stelle ist, der uns auf die Finger klopft: "Spiel dich nicht auf!  Halte dich mal mehr zurück! Gib nicht so an!"
Aber wer hat hier eigentlich ein Problem? Wir sind fast alle so geprägt, dass es negativ bewertet wird, wenn jemand im Mittelpunkt steht und es womöglich auch noch genießt! Aber wie sähe die Welt aus mit lauter bescheidenen, sittsamen Veilchen, die sich im Hintergrund ducken? Die, die uns in die Schranken verweisen, kämpfen wohl mit einem gewissen Neid auf all diejenigen, die sich den Raum der Aufmerksamkeit nehmen.
Ich merke in meiner Arbeit oft, wie die Ausdruckskraft schamhaft zurückgehalten wird. Das finde ich so schade, weil dann einfach die Möglichkeit des lebendigen Wechselspiels innerhalb eines Gespräches wegfällt.
Und wer sagt denn, dass die Rose bewundert sein will? Sie zeigt sich einfach und indem sie das tut, öffnet sie sich sowohl der Bewunderung ihres Betrachters - als auch dem Neid.

1 Kommentar:

sissi hat gesagt…

Da fällt mir der Spruch ein: Neid muss man sich erkaufen, Mitleid bekommt man umsonst...
Ich mag Rosen, besonders Pfingstrosen, die in ihrer Schönheit für mich unübertroffen sind. Ihr Duft, ihr Aussehen... wunderbar.
Bescheidenheit ist eine Zier, es geht auch ganz wunderbar ohne ihr... lächel.
Nun müßte ich schaun, aus welcher Zeit der von Spruch kommt... aus einer Zeit, in der die Männerwelt regierte und eine Dame nur schicklich war, wenn sie genau den Vorgaben entsprach... sittsam, bescheiden und rein...
Das Brautkleid in Weiß ... es verkörpert Reinheit, Sittlichkeit ... habe ich genau deswegen nicht in Weiß geheiratet...lächel.

Zum Punkt: Stolzes Auftreten, wortgewand sein ... ein Atribut, das Neider auf den Plan ruft, wären sie doch liebend gerne ganau das, was der Vortragende verkörpert. Nichts hasst man so sehr, wie das, was man selbst nicht erreichen kann.

Auf die Rosen, mögen sie duften, strahlen und ihren Stolz in die Welt tragen...

Lächelnde Grüße von sissi