Warum eigentlich Inklusion?




In den letzten Monaten habe ich viele neue Erfahrungen sammeln dürfen, die mich mit Sicherheit verändert und für mein Leben eine große Bereicherung und Vertiefung bewirkt haben. Bis vor Kurzem wusste ich mit dem Wort Inklusion nichts anzufangen. Nun aber ist Inklusion („die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter“, Zitat aus Aktion Mensch) zu einem viel diskutierten Thema geworden. Wie mir scheint, gibt es dazu zwar jede Menge Lippenbekenntnisse, aber wie ist es mit der praktischen Umsetzung? 
Vor zwei Jahren lernte ich Prof. Dr. Nils Jent bei einer Tagung kennen. Mit unermüdlicher Ausdauer und Geduld setzt er sich dafür ein, dass Menschen in ihrer Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit wahrgenommen, wertgeschätzt und gleichwertig in unserer Gesellschaft wirken können. Nils Jent selbst ist mehrfach körperlich behindert und weiß, wovon er spricht. Nach seinem Unfall als 18jähriger begann ein mühevoller Weg, der bis heute kein leichter ist, wenngleich viele Hürden bewältigt wurden, Dank seiner Eltern und Mitmenschen, die an ihn glaubten.
Durch meine Freundschaft mit ihm und unseren verschiedenen gemeinsamen Unternehmungen, bekam ich mehr den je einen Eindruck davon, was es in unserer Gesellschaft heißt „anders“ zu sein und wie stark wir doch von Vorurteilen geprägt sind, egal, für wie sozial, hilfsbereit, tolerant und human wir uns halten. Letztlich begreifen wir gar nichts, wenn wir nicht selbst betroffen sind.
Meine Arbeit „Lebendige Kommunikation“ ist schon immer dahingehend ausgerichtet, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und gerade dies als Bereicherung erfahren. Denn die Menschheit ist vielfältig. Doch es ist nicht einfach, sich den eigenen Unzulänglichkeiten zu stellen. Ich selbst musste in den vergangen Monaten oft meine Schwächen anschauen, mein Unvermögen, meiner Idealvorstellung von einem toleranten, sozialen Menschen, der ich glaubte zu sein, gerecht zu werden.
Für die Zukunft wünsche ich mir, mehr Kurse, Workshops, Vorträge und Fortbildungen halten zu dürfen, von denen sich alle Menschen angesprochen fühlen, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Wir alle sind nämlich verschiedentlich behindert, vor allem im Kopf, wo veraltete Vorstellungen nicht losgelassen werden können.
Inklusion beginnt für mich da, wo wir anfangen, miteinander zu reden und uns gegenseitig teilhaben lassen an unserem Erleben. Nur dann lassen sich die Verhältnisse ändern und verbessern.

Es freut mich daher sehr, dass Nils Jent und ich sowohl am 27.07. im Atelierhaus Terra bei Angelika Karoly in Rottweil, sowie am 08.09. im Spuren-Salon bei Martin Frischknecht in Winterthur die Gelegenheit haben, das Buch "Essenzen des Wahrnehmens" von Nils Jent vorzustellen, ins Gespräch zu kommen und Fragen zu beantworten.

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