Selbstinszenierung - wenn das Ego platzt


Eine Talkshow im WDR. Eingeladen waren unter anderen eine inzwischen hochbetagte sehr beliebte deutsche Schauspielerin, bekannt aus Serien, Fernsehspielen und neuerdings auch Kino. Daneben ein Moderator, dessen Name jeder kennt, sogar dann,  wenn man nie seine Talkshows gesehen hat. Und Deutschlands prominentester Liedermacher. So unterschiedlich die drei Personen waren, eines hatten sie gemeinsam: Sie inszenierten sich selbst. Ein Schauspiel künstlicher Scheinauthentizität wurde geboten, wie ich es ausgereifter selten gesehen hatte. Man spielte sich selbst - sofern dieses "Selbst" überhaupt als ein solches bezeichnet werden darf, denn es ist doch nur eine Rolle, ein "Scheinselbst". Bagatellen wurden da dramatisiert und ich wunderte mich, dass die anderen Gäste so ruhig zuhören konnten, denn sie hatten nachher wirklich Themen, die von Bedeutung waren und die sie schlicht und ohne Allüren vortrugen.
Vielleicht ist das der einzige Sinn solcher Talkshows, dass man die Unterschiede sieht. Selbstinszenierung und Narzissmus auf der einen Seite und Selbstausdruck und Engagement auf der anderen.
Mir fiel dabei Marilyn Monroe ein. Sie wollte sich ein Leben lang zum Ausdruck bringen und war doch immer wieder zur Selbstinszenierung gezwungen. Warum ich sie trotzdem bewundere ist, dass sie sich darüber bewusst war: Als sie mit einer Freundin einmal in New York unterwegs war, unscheinbar gekleidet, ganz sie selbst, nämlich Norma Jeane, wandte sie sich an die Freundin und fragte: "Soll ich SIE sein?" Im Nu schlüpfte sie in die Rolle Marilyn. Und schon erkannte man sie auf der Straße, wo sich vorher keiner nach ihr umgedreht hatte.
Um auf der Erfolgswelle weiterschwimmen zu können, sehen sich die meisten genötigt, sich und die Welt zu belügen. Den eigenen Lügen Glauben zu schenken ist dabei höchste Disziplin, so lange, bis das Ego platzt. Insofern frage ich mich immer wieder, ob der Erfolg tatsächlich ein Erfolg ist...

1 Kommentar:

sissi hat gesagt…

Ich finde, sie haben es gut gemacht... sich selbst inszeniert. Dem Liedermacher bin ich zugetan, mag ihn einfach schon zu lange, so an die 40 Jahre. Die Schauspielerin ist mir im Leben wie in ihren Filmen zu gekünstelt... von Monaco Franze mal abgesehen, in der Rolle des Spatzi fand ich sie gut.
Den Moderator bring ich mit Wurst in Verbindung und mit Gewichtsabnahme, das wars dann schon.
Eine lockere Runde, unterhaltsam und auch informativ, so wie eine Talkschow sein sollte.
Ich denke, sobald man Künstlern eine Bühne gibt, spielen sie ihr Spiel. Was wären sie auch für graue Mäuse, täten sie das nicht. Frau K. im Besonderen, wie ich denke.
Ich schicke mal liebe Grüße in den Süden... sissi