unsterblich verliebt

Vielleicht ist es ein bisschen wie im Märchen vom Froschkönig, nur dass es sich bei mir um eine Meeresschildkröte handelt, genauer gesagt um einen Meeresschildkrötenmann, in den ich mich unsterblich verliebt habe.
Wie ich weiss, dass er männlich ist? Nun ja, als ich ins Wasser stieg, schoss er geradewegs auf mich zu, umrundete mich mehrmals und streichelte mir dabei immer wieder mit der Flosse das Bein. Sowas tun doch nur Männer, oder? ;-)


Die Meeresschildkröten auf Hawai´i sind geschützt und man darf  ihnen nicht näher kommen als bis zu  5 Metern. Es war mir nicht möglich, diesen Abstand zu halten, denn das Tier kam immer wieder zu mir, streckte den Kopf aus dem Wasser, und es sah aus, als lächelte es mich verschmitzt an.
Ich setzte mich auf einen Felsen und sang ihm meine Schamanengesänge vor. Jetzt wollte er noch näher kommen. Geduldig suchte er sich den Weg an der schorfigen Lava vorbei, näher zu mir. Wenn es auf die eine Weise nicht ging, navigierte er elegant und in vollkommener Gelassenheit in die andere Richtung, präzise, fast tänzerisch gleitete er durchs Wasser mit seinen flügelartigen Flossen. Ganz ruhig wurde ich dabei. Der Schildkrötenmann strahlte eine unendliche Vertrautheit aus und eine Fürsorglichkeit. Das ganze Wissen der Urmeere in sich tragend vermittelte er mir Urvertrauen.


Normalerweise hätte ich Angst vor so großen, fremden Tieren. Mein Schildkrötenmann ist sicher 1,50 m groß und stark, mit einem Panzer in Herzform. Ja, ein großes Herz hat er. Nun habe ich, wie jede Verliebte, schreckliche Sehnsucht nach ihm, nach den Stunden am Strand, die wir zusammen verbrachten in einer solchen Ruhe und Selbstvergessenheit. Mein Ipo Honu ist weit weg, tummelt sich im warmen Meer und sonnt sich auf den schwarzen Lavafelsen, wärend ich mich hier an die Kälte und den Schnee gewöhnen muss...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ach eine Herzenswärmergeschichte, toll! Schön! Damit lässt sich die heutige kälte gut ertragen ;-)
LG Regenfrau