unser verlorenes Paradies

Seit ich aus Hawai´i zurück bin, nehme ich manches hier bei uns ganz anders wahr, und leider nichts Gutes. Es gibt so viele Menschen, die eigentlich alles hätten zum Glücklichsein, die sich jedoch aus dem lebenslustigen Dasein von Vampiren aussaugen lassen, bis nichts mehr übrig bleibt, als ein jeglicher Sinne beraubtes Wesen. Mal ist es die Arbeit, der, gepeitscht vom Geltungsdrang, alle Zeit für Vergnügen geopfert wird, mal sind es Menschen, die sich nur stark fühlen können, wenn sie andere Menschen schwächen und ihnen ein schlechtes Gewissen einträufeln wie Gift, oder in subtiler Manipulation sich als Opfer darstellen und damit den anderen unter Druck setzen.
Fragt man sich, was wohl der tiefere Grund dafür ist, so kommt man doch immer wieder nur auf eine Antwort: Wir sehnen uns alle nach Liebe.


Doch bei uns scheint mir, hat die Gier und der Geltungsdrang der Liebe den Rang abgerungen. Das hektische Leben, die Angst, nie genug zu haben (Geld, Geld, Geld) nimmt den Menschen die Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit, und somit die Würde. Außer Angst bleibt kein Raum mehr für Gefühl. Man nennt das dann Depression. Und dafür gibt es Tabletten. Tabletten als Ersatz für Empfindung, Wahrnehmung. Ich weine darüber bittere Tränen, das dürft ihr mir glauben. Am schlimmsten ist es für mich, wenn ich auf Menschen treffe, die sensibel und wahrnehmungsfähig sind, aber in unserer erkalteten Gesellschaft keinen Raum haben, als krank eingestuft werden, wo vielleicht gerade sie die Gesunden sind!

Auf Hawai´í gibt es drei Worte, die die Insel prägen: Aloha (Liebe) Mahalo (Danke) Ohana (Familie, Gemeinschaft). Ich habe noch nie so oft das Wort Danke gehört. Selbst in einem Laden, wo ich nichts gekauft habe, aber geschaut und probiert habe, wurde beim Abschied Danke gesagt. Und vielleicht war es dieses Danke, das mich später wiederkommen ließ. Liebe, Aloha, findet sich überall. Sie ist in der Natur genauso präsent, wie in jeder einzelnen Begegnung. Die Insel öffnet deine Sinne und macht dich durchlässig - sofern du es erlaubst.
Auffällig war, dass die Menschen dir immer in die Augen sehen und niemals deine Kleidung, also dein Äußeres taxieren. Wer du bist, wollen sie wissen, wer du wirklich bist, und ob du Aloha in dir trägst. Und wenn sie dann dieses Aloha erkennen, strahlt etwas auf. Dann  hast du die Chance, Teil der Ohana zu werden, aufgenommen zu werden in die Familie.

Bei uns wird viel diskutiert über Wohngemeinschaften, gerade im Hinblick auf das Alter (und wieder ist es die Angst, die uns leitet). Man überlegt, wie das wirtschaftlich, finanziell und rechtlich aussehen kann. Wie lächerlich und kleinkariert kommt mir das nun vor! Aber wie sollte es auch anders gehen, wenn jegliche Beziehungsfähigkeit verloren gegangen ist? Wenn wir glauben, Beziehung und Gemeinschaft sei eine Sache, die man bürokratisch regeln und absichern kann?

Mir ist klar geworden: Wer seiner Sinne beraubt ist, seinen Körper und seine Seele der Geltungssucht opfert, wer sich keine Zeit mehr gönnt, die Natur zu erleben, wer gejagt ist von Angst um das Geld, wer die Wahrnehmung für die feinen Schwingungen zwischen uns Menschen verloren hat, nicht mehr sehen kann, dass wir Menschen für das Leben als fruchtbar pulsierendes Dasein gemacht sind, der ist nicht beziehungsfähig, nicht liebesfähig, nicht gemeinschaftsfähig und hat keinerlei Chance, seiner innerlichen Vereinsamung zu entrinnen.
Wir brauchen nicht mehr Geld, wir brauchen unsere Wahrnehmungsfähigkeit, unsere Empfindungsfähigkeit, denn nur die lassen uns Verbundenheit spüren, und somit die Essenz, die das Leben ausmacht: LIEBE

Kommentare:

Gabriela hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Gabriela hat gesagt…

Dein Post berührt mich zu Tränen. Mehr kann ich hier nicht schreiben, aber ich danke dir für dein Teilen, von Herzen.
Gabriela
(und nächstes mal korrigiere ich vor dem Veröffentlichen!)

Lebenskünstler hat gesagt…

Danke, Gabriela!
Dann weisst du, wie es mir gerade geht...

sissi hat gesagt…

Da ist erst einmal Stille, die Suche nach den rechten Worten.
Die Zeit auf Erden ist so kurz und auch ich vertue sie oft mit... sich sorgen, den Gedanken, ob es im Alter reicht, zu viel Arbeit... vergesse dabei oft, wie schön das Leben sein kann, wenn man es mit allen Sinnen lebt und erspürt.
Danke für Teilhaben deiner Gedanken... ich bleibe zurück, sinniere mit Blick aus dem Fenster zum Hof.
Einen schönen Sonntag mit guten Gedanken
sissi


Anonym hat gesagt…

<3 Hat mir sehr gut getan, das alles zu lesen. Gerade heute, jetzt. Danke.

Bianca hat gesagt…

Liebe Petra,
vielen Dank, dass du deine Gedanken mit uns teilst - mahalo!
Dein Text berührt mich sehr, er bringt in mir etwas zum vibrieren, und ich bete, dass sich dieses "Etwas" Bahn bricht, bevor es wieder vom mitteleuropäischen Verstand gedeckelt wird.
Nochmals Danke für deinen treffenden, seelenberührenden Berichte und Gedanken.