Das Wunder von Klagenfurt


Auf den drei "Wegen zum See" wollte ich den Spuren von Ingeborg Bachmann folgen. Doch die ersten Tage am Wörthersee waren kalt und verregnet. Klagenfurt zeigte sich ziemlich kläglich, vor allem das Literatur Museum war eine große Enttäuschung. Ich hatte mir mehr davon versprochen, als ein paar Tafeln mit Lebensdaten und ein kurzes Filmportrait.
Im strömenden Regen spazierten Lone und ich noch zum Wohnhaus, wo die Bachmanns einst gelebt hatten.
Als am Mittwoch dann das Wetter besser wurde, konnten wir zum ersten Mal die schöne Landschaft genießen und kamen am Ende von einem der "Wege zum See" wieder zum Parkplatz, wo wir das Auto stehen gelassen hatten.
Mitten auf dem Weg lag etwas. Ein Hund? Nein, eine Jacke. Das nächste Auto wäre darüber gefahren, also hob ich sie auf. Niemand war in der Nähe. Ich dachte, ich hänge sie an ein Verkehrsschild, dann findet der Besitzer sie wieder, wenn er sie sucht. Wir wollten schon weiter, da sagt Lone zu mir: "Wir sollten sie nicht hängen lassen, da ist Geld drin!"
Ich sah sie fragend an, nahm die Jacke und schaute in den Taschen nach. Tatsächlich! In einem Briefumschlag steckten sage und schreibe 9500 €!!
Eine Weile standen wir da, überlegten, was wir tun sollten. Wir beschlossen, zur Polizei zu gehen, denn in mir bauten sich schon alle möglichen abenteuerlichen Geschichten auf, wie zum Beispiel, dass das Geld geklaut, oder sowas wie Lösegeld sein könnte, oder....
Der Polizist auf der Dienststelle hingegen nahm es gelassen:
"Do samma nied zuständig! Dös müßt's ihrs aufs Fundomt bringen. Ihr seids ehrliche Menschen, do steht eich an Finderlohn zu."
Also, Jacke wieder eingepackt und das Fundamt aufgesucht, wo wir nur mit Müh und Not einen Parkplatz bekamen. Das Amt hatte aber schon zu! Es wird ehrlichen Findern wirklich nicht gerade leicht gemacht. So fuhren wir also erstmal in unsere Ferienwohnung (übrigens die "Pension Wunder") und nahmen unsere Privatermittlungen auf. Lone fragte "nach oben". Wir bekamen die Information, dass der Besitzer des Geldes schon ganz verzweifelt sei und das Geld dringend heute noch brauche. Ein paar wenige Anhaltspunkte zu seiner Identität konnten wir aus dem übrigen Inhalt der Jackentaschen finden. Und Dank unserer Erfahrungen durch viele Krimis haben wir in Miss Marple Manier und mit Hilfe des Internets eine Telefonnummer herausfinden können. Ich rief also an und fragte den Mann am Ende der Leitung, ob er etwas verloren habe. Es folgte ein Aufatmen, detaillierte Beschreibung der Jacke und ihres Inhaltes und eine überschwängliche Dankesrede mit den Worten, dass es solche ehrlichen Menschen noch gäbe, sei nicht zu fassen. Und tatsächlich war es so, dass das Geld schon am nächsten Morgen eingezahlt werden musste, es also ganz gut war, dass wir selbst ermittelt hatten ;-)
Die Jacke wurde noch am selben Abend abgeholt und wir bekamen einen satten Finderlohn, der uns die restlichen sonnigen Ferientage versüßte.

1 Kommentar:

Kessi hat gesagt…

...diese Summe würde viele meiner Probleme auf einen Schlag lösen und dennoch hätte ich es auch zurückgebracht! Wünsche Dir einen wonnigen sonnigen Mai und sende ganz liebe Grüße! :-)