In den Fußstapfen der Kindheit

Ich brauch ein Sauerstoffzelt!, sagte sie (klick)
Ich telefonierte gestern mit einer Freundin. Nein, nicht mit einer, sondern mit der Freundin die ich schon seit meiner Einschulung kenne, also über 40 Jahre! Damals, im Grundschulalter, trafen wir uns regelmäßig bei ihr Zuhause zum Rollenspiel. So wie heute die Kinder Serien im Fernsehen schauen, spielten wir unsere Spiele in Serie. Fortsetzung folgt. Meistens führte ich Regie und teilte ihr grundsätzlich die männlichen Rollen zu.

Beide hatten wir eine ausgeprägte Beobachtungsgabe. Wir liebten es, Leute zu imitieren, ihre Stimme, ihre Bewegungen nachzuahmen und uns in sie einzufühlen. Wie von selbst kamen dann auch die passenden Worte, die typischen Sätze - und brachten das Publikum zum Lachen, selbst die von uns Dargestellten.
Hinzu kam, dass meine Freundin damals schon wunderbar Cartoons zeichnen konnte. Mit wenigen Strichen auf ein Stück Löschpapier gekritzelt wanderte das Papier mit der Karikatur unserer Lehrerin unter dem Tisch durch die Reihen der Schüler.

Später schrieben wir gemeinsam Romane, dachten uns Geschichten aus über die Menschen, die wir zwar täglich trafen, aber von denen wir dennoch wenig wussten. Es entstanden Hörspiele und kabarettistische Einlagen.
Und wir lachten, wir lachten manchmal so viel, dass ich Muskelkater davon bekam.

In unserem Gespräch gestern stellten wir fest, dass unsere Berufe heute genau an dieses Spiel aus Kindertagen anknüpfen. Sie zeichnet und malt, ich führe Regie in meinen Gruppen, leite Rollenspiele an. Und immernoch beobachten wir. Immernoch bringen wir uns gegenseitig zum Lachen, vor allem dann, wenn uns unsere kreativen Berufe an der materialistischen, wenig originellen und zum großen Teil kulturfeindlichen Gesellschaft verzweifeln lassen.
Irgendwie wissen wir beide, dass es sich dennoch lohnt, den Nährboden der Kindheit zu betreten. Leicht und spielerisch setzen wir unseren Kinderfuß auf den oft schwankenden Boden. Was uns trägt ist Freundschaft und Fantasie.

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