Nein, ich möchte nicht!


Ich bewundere ihn schon lange, den Mann, der zwei wichtige Sätze so populär werden ließ, dass sie geflügelte Worte wurden.
"Ich bin dann mal weg" und "Nein, ich möchte nicht!"
Hape Kerkeling ist damit wohl etwas gelungen, was ich Minimalpsychotherapie nennen würde!
Unsere Gesellschaft ist schon eine merkwürdige Spezies. Immer mehr Menschen halten sich für psychisch krank, weil sie Ängste haben, Zweifel, Unsicherheiten, weil sie sich überfordert fühlen, reizüberflutet und lustlos. Ist man nur dann gesund, wenn man dies alles nicht hat? Oder ist es nicht viel mehr so, dass solche Symptome eigentlich einen gesunden Menschen zeigen, der auf ein krankes Gesellschaftssystem reagiert?
"Ich bin dann mal weg" - Ich glaube, das hat in den letzten Jahren jeder mal von uns gesagt, wenn er genug hatte. Tür zu und weg. Nicht erreichbar. Ausgestiegen. Nicht für immer, denn das "mal" in dem Satz drückt aus, es ist für den Moment genug. Man muss "mal" wieder zu sich selbst kommen.

Doch die Krönung ist doch "Nein ich möchte nicht". Sozusagen der Satz für Fortgeschrittene. Solche, die sich entschlossen haben, nicht einfach mal weg zu gehen, wenn es brenzlig wird, sondern klar und deutlich eine Grenze zu ziehen: "Nein, ich möchte nicht!"
Hape, alias Gisela, sagt das so klar, so unmissverständlich kühl und sachlich in dieser zweimal unterstrichenen Absage. Es braucht keine Erklärung mehr, keine Rechtfertigung. Stumm war dann auch das Publikum, als Hape diesen Satz bei "Wetten dass..." diesmal nicht als Gisela, sondern als er selbst aussprach.
Hape Kerkeling ist ein toller Typ. Er hat Intelligenz, Herz und eine riesige Portion Humor. Mit der Moderation einer Dokuserie über die Geschichte Europas, bewies er, wie fähig er ist, alle seine Talente zu verknüpfen. Ernsthaftigkeit und Tiefsinn sind ebenso seine Stärken wie die Leichtigkeit und Komik, die nie verletzend wirkt. Immer spürt man, dass er Menschen mag und sich deshalb gern in sie hineinversetzt.
Gut ist es, wenn er sich das alles bewahrt, wenn er nicht zu allem, was Ruhm und Ehr bringen könnte, ja sagt.
"Nein, ich möchte nicht." ist eine klare Absage an Fremdbestimmung und ein großes JA zu sich selbst.
Vorbildlich für uns alle.

(c)petrakopf

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