Ich habe nichts zu verschenken

Etwas, worüber ich mir schon seit einiger Zeit Gedanken mache, ist die Sache mit der Werbung. Wenn man, wie ich, etwas anzubieten hat, muss man das auch kundtun. Doch wie?

Ich beobachte mich selbst in meinem Verhalten auf Werbung. Marktschreierisches landet meistens sofort im Papierkorb, sowohl im virtuellen, wie im realen.
Mails mit einem Riesenanhang öffne ich erst gar nicht. Am allerschlimmsten sind die Geschenke, die Gratis-Versprechungen: Du bekommst garantiert das und das geschenkt, WENN du mindestens für soundsoviel bei mir kaufst. - Was bitte ist da geschenkt???
Aufgrund dieser fiesen Verkaufstricks ist es nämlich schon soweit gekommen, dass wir ganz allgemein misstrauisch werden, wenn uns was geschenkt wird. Man ist sich sicher, da gibt es einen Pferdefuß!
Was wiederum auch Weihnachten mit seinem Geschenkekult so kompliziert und stressig macht: Wenn der mir was schenkt, muss ich ihm wohl auch...? Oder: Ist der Geldschein von Tante Martha nicht doch an bestimmte Erwartungen gebunden?
Da kommt man ins Schwitzen!

Was mich angeht: Ich habe nichts zu verschenken (jedenfalls nichts, was an eine Bedingung geknüpft ist!), ich muss von meiner selbständigen, künstlerischen Arbeit leben. Doch ich bin überzeugt, dass das, was man bei mir bekommt, sein Geld wert ist.
Um sich im Dschungel der Werbeangebote zurechtzufinden, ist man meiner Meinung nach am besten damit beraten, dem Unauffälligen mehr Beachtung zu schenken und ansonsten auf die eigene Intuition zu hören.

Kommentare:

GG hat gesagt…

Ich habe mal von einem Marketing-Menschen den Satz gelesen: "Wenn Werbung so wirken würde, wie der Laie glaubt, dass sie wirkt, würde sie nicht wirken". Als erste These habe ich bei bestimmten Werbe"tricks", die ich für mich selbst nicht verstehe, daher seither immer erstmal den Gedanken "wenn das Unsinn wäre, warum würde der (erfahrene) Werber das dann machen?". Es ist am Ende so, dass es natürlich von mindestens drei Dingen abhängt: Werbeweg/medium, Zielgruppe und Produkt/Dienstleistung. Was in der Zeitung funktioniert, funktioniert nicht im Radio. Was für Joghurt funktioniert, nicht automatisch für Autos, was "Senioren" anspricht ist nichts für arbeitslose Jugendliche usw. Das macht Werben unübersichtlich. Aber zurück zum "Verschenken": wer zu einer Lesung geht, der möchte auch das Buch signiert haben. Darum kauft er es. Vielleicht will er es gar nicht lesen, nur sammeln oder verschenken. Aber diese (für den Autor angesichts der verbrachten Zeit fast kostenlose) Unterschrift sieht dieser Kunde als "Wert". Vielleicht kann auch ein bildender Künstler so was analoges machen?

Promotion mit Herz hat gesagt…

Ich habe einen Platz für Dich zu verschenken! :-) Auf Promotion mit Herz! (-; Melde mich die Tage mal bei Dir, ganz liebe Grüße Kessi

Lebenskünstler hat gesagt…

@GG: Nun ja, ein Autogramm bekommt jeder von mir automatisch mit der Quittung:-)) Das ist dann geschenkt! Und:
Ich habe noch nie ein Buch signieren lassen, das ich nicht auch gelesen habe und mich interessieren Inhalt und Autor bei weitem mehr, als seine Unterschrift.

@Kessi: Das ist aber nett! In deinem Fall bin ich da kein bisschen misstrauisch;-)

Petra hat gesagt…

Signierte Bücher sind tatsächlich auch Sammelware, mit wachsender Bekanntheit des Autors steigt ihr Wiederverkaufswert. Für mich ist es deshalb völlig normal, auch Bücher zu signieren, die Menschen einfach nur verschenken, aber nicht selbst lesen wollen. Bei denen, die das Buch tatsächlich auch lesen, macht es natürlich besonderen Spaß!

Promotion mit Herz hat gesagt…

Haha, Du meinst, weil ich immer so wenig Zeit finde? :-) Die nehm ich mir dann! Ganz liebe Grüße und bis bald, Kessi

sissi hat gesagt…

...ich habe nichts zu verschenken....
Ich muss gestehen, ich habe wahnsinnig viel zu verschenken...ich schenke Zeit und Aufmerksamkeit ... und ich erwarte nichts zurück.
Materielles zu Weihnachten hat für mich keinen Nährwert, Werbung landet immer im Papierkorb.
Angebote von Discountern nehme ich gerne an...Lebensmittel am Verfallsdatum zum halben Preis, doch das ist was anderes.
Mein erstes signiertes Buch ist schon uralt und von Conrad Cortin. Das hüte ich wie einen Schatz... ich durfte nach Jahren den Autor meines Lieblingsgedichtes näher kennenlernen.
Damit Geld verdienen käme mir nicht in den Sinn....
Doch der Mensch ist unterschiedlich in allen Belangen.... ces`t la vie....
Einen lieben Gruss
sissi

Lebenskünstler hat gesagt…

ja, liebe Sissi, meine signierten Bücher würde ich auch um nichts in der Welt hergeben: Hilde Domin, Ulla Hahn, Christa Wolf und Galsan Tschinag.
Die Überschrift meines Posts sollte etwas provozieren :-)
Denn zunehmend sehe ich mich vor das Problem gestellt, dass viele Menschen glauben, Kunst, Kultur und soziales sei automatisch geschenkt. So ist es nicht verwunderlich, wenn ich mir manchmal wie ein "brotloser Künstler" vorkomme...