Herbstgedanken


Fünf schöne, anstrengende Tage. Kein Stinkbolle in der Gruppe, aber nichts desto Trotz eine Herausforderung nach der anderen. Wo sich fast 700 Menschen treffen, schwappen die Gemüter über. Psychotherapeuten sind eben auch "nur" Menschen.
In meiner Gruppenarbeit wünsche ich mir manchmal, einfach zaubern zu können, so wie der junge Mann draußen auf der Wiese mit seiner magischen Kugel. Er sagte: "Das beruhigt. Ich werde ganz still innerlich und will gar nicht mehr aufhören."
Viele sprechen von Burnout. Manche mit schweren, müden Augen, andere wie feurige kleine Kraftpakete, die kurz vor dem Explodieren sind. Wenige, die den herbstlichen Himmel, das Plätschern des Wassers, die knorrigen alten Bäume genießen können. Keine Zeit. Der nächste Kurs beginnt gleich.
"Bis zum nächsten Jahr", rufen wir uns am Ende der Tagung immer zu. Doch in mir ist auch jedesmal ein erschöpftes Fragezeichen. Ich kehre nach Hause zurück und habe das Gefühl, auf einem anderen Planeten gewesen zu sein. Lichtjahre entfernt von da, wo meine Heimat ist.
Nur eine jugendliche alte Seele weiss, wie es in mir aussieht:
Auf dem belaubten Weg hält die zierliche kleine Frau mit dem weißen Zopf, meine Hand. Ihre Augen leuchten. In ihr ist viel Ruhe und gleichzeitig große Leidenschaft.
"Petra, ich muss dir was erzählen: Ich bin dieses Jahr 80 geworden und jetzt hab ich auch noch geheiratet!"
Wir lachen. Sie holt aus ihrer Hosentasche einen der kleinen Kieselsteine, die ich im letzten Jahr in der Gruppe austeilte. Den hat sie sich aufgehoben.

Verbundenheit - ich wünschte, es gäbe mehr davon.

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