Selbstdarstellung


Nun habe ich doch das Buch angefangen zu lesen: "Stadt der Engel - oder The Overcoat of Dr. Freud" von Christa Wolf. Was mich daran besonders betroffen macht, ist, wie angreifbar man ist, wenn man schreibt, wenn man öffentlich ist. Wie weh es tut, wenn man nach Wahrhaftigkeit ringt und sich deswegen zermürbt, hinterfragt und dennoch keine Antwort weiss. Wie alles, was man hinausträgt, in bestem Gewissen formuliert, falsch ausgelegt wird. Wie man gezwungen wird, sich verteidigen oder rechtfertigen zu müssen, wo es nichts zu rechtfertigen gibt. Man könnte sagen, das ist das Problem der anderen. Denn wenn ich nach bestem Wissen und Gewissen handle, hab ich alles mir mögliche getan. Das Gift des Misstrauens und des Hohns, das andere auf mich projizieren, ist ihr eigenes. Aber so einfach ist es eben nicht. Es trifft und tut weh.

Ob zwischen Schriftstellern oder Schauspielern so viel Unterschied ist, weiss ich nicht. Doch beide stellen sich der Öffentlichkeit, entblößen ein Stück ihrer Seele. Diese "Selbstdarstellung" wird nicht nur bewundert. Allzu oft wird sie falsch verstanden als Eitelkeit und Selbstgefälligkeit. In unserer Welt des Scheins ist das kein Wunder. Doch es fehlt an Unterscheidungsvermögen.

Christa Wolf sagt in einem Interview, dass das Schreiben heilsam wirkt. Es in Worte zu fassen, was da in einem gärt. Es zur Sprache zu bringen.
Ich glaube, Künstler schreiben, malen, musizieren, schauspielern in erster Linie für sich selbst. Vielleicht kann man das egoistisch nennen. Es ist heilsam. Sobald ich anfange, nur für andere zu schreiben, malen usw. verfange ich mich in Lügen und Selbstverleugnung. Also bleibe ich bei mir. Mache mich weiter verletzbar. Werde angegriffen und abgelehnt.
Aber einige bleiben, sehen mich wie ich bin und sind da.

Kommentare:

RUDHI - Chance hat gesagt…
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Beate Knappe hat gesagt…
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