Lebenskünstler H. C. Andersen

Ich sitze hier im Hotelzimmer und draußen schreit eine Möwe unerbittlich. Meine "rauchenden Colts" (Ausdruck meiner Mutter für Füße, die heißgelaufen
sind) habe ich von den  Schuhen befreit. Es war ein schöner Tag! Erstmal viel, viel Sonne und Wind und Sonne. Wir sind in Odense, der Geburtsstadt von Hans Christian Andersen. Und kein Wunder, ist alles ein wenig märchenhaft.
Der Gang durch das Museum und das Haus hat mich sehr berührt. Vielleicht spielen die Erinnerungen an die Märchen eine große Rolle, dass  mir H.C. Andersen wie ein alter Bekannter vorkam. Dann sieht er auch noch ein wenig aus wie A. Kluth, ein ehemaliger Kollege von mir. Jedenfalls waren meine Lieblingsmärchen wie "Die kleine Meerjungfaru", "Das hässliche junge Entlein" und "Die wilden Schwäne" wieder ganz präsent. Ich tauchte ein in eine andere Welt, die dennoch sehr vertraut war. Andersen war ja ein vielseitiger Mann und Künstler. Die Märchen sind nur ein Bruchteil seines Talents. Beeindruckend seine Scherenschnitte, Zeichnungen, Skizzen und vieles mehr! Daneben schrieb er Romane, Theaterstücke, auch Gedichte.
Überall in der Stadt ist der Dichter präsent. Seinen Märchenfiguren begegnet man an den Straßen. Die kleinen, geduckten Häuser sind bunt und "hüggelig" wie man hier sagt, was soviel wie gemütlich heißt. Es hat großen Spass gemacht, durchzuschlendern und die Läden mit teilweise kuriosen Sachen zu bestaunen. Amüsiert habe ich mich auch über die etwas merkwürdige Mode. Jedes Jahr, wenn ich in Dänemark bin, witzle ich über die zeltartigen, kurzen Kleidchen, die aussehen wie Umstandsmode. Und darunter werden Leggings getragen. Teilweise sieht das wirklich bemerkenswert aus, muss ich schon sagen. Und nein, das tragen nicht die 14jährigen, das tragen auch Frauen in meinem Alter und darüber und in jeder Gewichtsklasse! Kaum zu glauben, aber wahr! Die Mentalität der Dänen ist völlig unkompliziert und frei von Konventionen. Egal, mit wem man spricht, immer reden sie frei von der Leber weg, als ob man sich schon kennte, redet sich beim Vornamen an, sagt DU.
Das macht vieles so einfach, finde ich.
Richtig gut gegessen haben wir in einem mongolischen Restaurant. Dort gab es ein Buffet mit allen möglichen Köstlichkeiten. Das Fleisch und Gemüse war noch roh. Man legte sich davon auf den Teller, ging zum Koch, der es dann vor unseren Augen in der großen Pfanne garte. Am Schluss durften wir uns dann noch an der Eisbar bedienen - da ging ich gleich zweimal hin. Det hvar lekker!
Ich reise ja zusammen mit einer Hellseherin. Das ist nicht nur sehr praktisch für die Quartier und Parkplatzsuche (wir haben den einzigen, nicht kostenpflichtigen Parkplatz bekommen!), sondern ich bekomme auch jede Menge "Hintergrundinformation", die in keinem Reiseführer nachzulesen ist. Das ist immer eine spannende Angelegenheit und ich bin sicher, die kommenden Tage werden wieder einige Überraschungen bereithalten.

Kommentare:

RUDHI - Chance hat gesagt…

Sagte, dass ich da gerne inkognito dabei wäre im alten Wikingerland Andersens, das süße Antidot zum etwas säuerlichen Kierkegaard...

Lebenskünstler hat gesagt…

Stimmt, Rudhi ;-)
Süß-sauer ist hier übrigens auch eine beliebte Geschmacksrichtung :-)

Marcel hat gesagt…

Richtig schön ist dieses Foto vom Wasser, beruhigend, entspannend und so sehr intensiv...