Ich bin sehr gut im Verbessern!

Vor einigen Jahren hatte ich in einem meiner Kurse eine Lehrerin, die ständig sagte: "Ich bin sehr gut im Verbessern!" Damit meinte sie natürlich immer die anderen. Fehler bei anderen aufdecken, entlarven und sofort verbessern. Wobei "verbessern" selbstverständlich nur ihrem Wertemaßstab entsprach. Am Ende vom Kurs, konnte sie das erkennen und über sich selbst lachen.
Es ist schwierig, den eigenen Maßstab nicht als den allein gültigen anzusehen.
Meistens versuche ich, das, was meiner Meinung nach jemandem besonders gut gelungen ist, hervorzuheben und zu ermutigen, es auch auf andere Bereiche zu übertragen. Es ist ermüdend und entmutigend, wenn man ständig auf seine Fehler hingewiesen wird. Leider geschieht das in den Schulen noch viel zu oft.
Mir erzählte jemand, dass mittlerweile schon in der Grundschule von den Kindern Präsentationen verlangt werden, die dann beurteilt werden. Und nach dem Beispiel von Dieter Bohlen, fällt die Bewertung der Mitschüler oft sehr menschenunwürdig aus.
Es ist so einfach, mit einem Satz etwas abzuwerten und sich schadenfroh zurückzulehnen, in dem Glauben, dass man selbst ein besserer Mensch wäre. Abwertende Kritik gilt in unserern Breitengraden immernoch als intelligent. Dabei empfinde ich sie meistens ausgesprochen dumm.
Wenn wir mehr fähig wären, das, was gelungen ist, anzuerkennen und zu benennen, würde sich viel schneller etwas zum Guten bewegen. Davon bin ich überzeugt.

Kleine Ergänzung:
Vor rund 40 Jahren erlebt: In der 1. Klasse Grundschule sollten wir ein Ferienerlebnis erzählen. Ich meldete mich begeistert, denn ich wusste Aufregendes zu berichten. Mit glänzenden Augen stand ich auf und fing an.
"Ich und meine Schwester waren..." Die Lehrerin unterbrach mich sofort mit dem Satz: "Der Esel nennt sich immer zuerst." Mit hochrotem Kopf setzte ich mich und verstummte für sehr lange Zeit.
Danke Frau Pietsch! Dieses Erlebnis hat mich bis heute geprägt - auf meine Weise.

Kommentare:

zwergwerk2000 hat gesagt…

Ja, so hat jeder seine Meinung und die Akzeptanz ist Toleranz!?

Die Präsentation in der Grundschule, das hatten wir gerade...
Ein Plakat sollte gestaltet und präsentiert werden, ohne zu wissen, was das ist, worauf es ankommt und wie man sowas macht...und die wirklich gut sichtbare und erfolgreiche Mühe der Kinder wurde mit fadenscheinigen Begründungen grottenschlecht bewertet!
Das Schlimmer: der Spaß an einer angenehmen Tätigkeit wurde gleich genommen...So schade!

GLG
Peggy

RUDHI - Chance hat gesagt…

Ich auch, liebe Petra! Denn konstruktive Kritik ist freundschaftlich und verstärkt die Liebe zum Lernen... Ungerechtfertigtes Niedermachen verrät nur die eigene Minderwertigkeit!

M. Sigl hat gesagt…

Ja wa sich erlebe und warum ich auch genügend Therapie Kinder um mich habe, aus eben diesem Grunde..so traurig aber wahr.
Verena Kast hat zum Thema Annerkennung einen Text verfasst, derzu meinem Leitbild geworden ist. Liest du gern hier im Therapieblog
http://manuelasigl.blogspot.com/search/label/Mein%20Leitbild

Lebenskünstler hat gesagt…

Vor allem bei Kindern finde ich es ganz schlimm. Aber auch in manchen Internetforen ist es leider gang und gebe, jemanden schlecht zu machen, damit man selber besser dasteht. Die Frage ist nur - steht man dann wirklich besser da???