Das Muttersprachliche

Am ersten August bin ich eingeladen, anlässlich des Johann-Peter-Hebel Gedenktages einen Vortrag zu halten "Die Kraft des gesprochenen Wortes - Wahre Worte finden". So habe ich mich ein bisschen mit dem Mundartdichter befasst, dessen Sprache mir aus der Kindheit noch deutlich in den Ohren klingt.
Wenn ich die Gedichte laut rezitiere, ist es fast, als hörte ich meinen Vater. Er hat sehr gern heimatsprachliche Gedichte vorgetragen. Beim Antiquariat Krull habe ich ein wunderschönes Buch erstanden aus dem Jahr 1835 mit Lederrücken und noch fast wie neu! Am Ende findet sich dort ein Register mit Worterklärungen, die mir weiterhelfen, wenn ich ratlos bin. Was ein "Chaib" ist, weiss ich noch: ein frecher Kerl. Beim "Büsli" musste ich dann schonmal nachschauen: Kätzchen.
Mundartliches kann man nicht anders sprechen, als aus der Mitte. Es ist eben die Sprache unserer Kindheit, das Muttersprachliche (in meinem Fall das "Vatersprachliche"), die Worte, die wir als erstes gehört haben, die wir mit unserem sinnlichen Erleben verbinden. Das ist genau der Grund, warum ich Dialekte mag und finde, dass man sie pflegen sollte. In ihnen finden wir das Unverfälschte, Unverbildete. Dort gibt es wenig Abstraktes. Mundart ist eine Sprache von Mensch zu Mensch.
Zugegeben: Nicht jeder Dialekt schmeichelt dem musikalischen Ohr eines feinfühligen Menschen. Aber das Allemannische hat für mich eine große Wärme, Gemütlichkeit und Sinnenfreude.
Hier nur ein kleines, kurzes Beispiel:

Trost
Bald denki, 's isch e bösi Zit,
und weger 's End isch nümme wit;
bald denki wieder: loß es goh,
wenn's gnug isch, wird's schon anderst cho.
Doch wenni näumen ane gang
und 's tönt mer Lied und Vogelsang,
so meini fast, i hör e Stimm:
»Bis z'fride! 's isch jo nit so schlimm.«


Von mir zu hören gibt es dann mehr am 1. August in Karlsruhe. Der Tag wird veranstaltet von der WIRKSTATT.

Keine Kommentare: