Romy, wir sind noch nicht so weit!

Wer bin ich? Wer sind die anderen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Schauspieler ein Leben lang. Wenige erreichen eine Dimension, die über die bloße Darstellung einer Rolle hinaus geht. Romy Schneiders Leben wurde jetzt mit Jessica Schwarz verfilmt, zu sehen am nächsten Mittwoch im 1.
Romy war eine der ganz wenigen begnadeten Schauspielerinnen, deren Sensitivität es zuließ, nicht nur eine Rolle zu spielen, sondern sie auch zu sein. Das bedeutet, in Resonanz zu treten mit der Figur, die man spielt. Es bedeutet, nicht zu wissen, was geschehen wird. Es bedeutet, offen zu sein für eine Erfahrung, die einem möglicherweise bisher fremd war. Die Qualität dieser großartigen Schauspielerin lag darin, dass sie ihre Rollen durchdrungen hat mit ihrer vielschichtigen Persönlichkeit, dass sie erspüren konnte, was jenseits unseres Verstehens liegt.
Romy ist nicht an sich selbst zerbrochen, sondern an ihrer Umwelt, ganz so, wie Marilyn Monroe in den 60er Jahren. Ich glaube, unsere Welt (und ganz besonders die Film-, Theater- und Showbusinesswelt) war und ist immernoch nicht so weit, hochsensible Menschen anzuerkennen und ihnen den Platz einzuräumen, der ihnen zusteht.
So lange wir "cool" bleiben müssen, Tränen nur als Schwäche abgetan werden und unsere Themen Mord und Totschlag sind, Gewalt und Verbrechen, und die Verantwortung abgeschoben wird auf Menschen, von denen wir meinen, sie hätten die Macht, so lange werden sie weiter zerbrechen, die Hochsensiblen, von denen wir doch so viel lernen könnten....

1 Kommentar:

RUDHI - Chance hat gesagt…

Je nach dem die Fiktion die Oberhand gewinnt, verliert die Realität an Boden; wenn die innerste Neutralität verloren geht, und die multiple Persönlichkeit das Selbst verdrängt... Vielleicht sind die 'Verunglückten' zu wenig *Lebenskünstler* gewesen?