Bestseller erklären die Welt - Irrtum ausgeschlossen

"Hunderttausende können sich nicht irren!" Merkwürdig, dass ich diesen Satz in letzter Zeit immer mal wieder höre. Nein, nicht nur in der Werbung, auch im ganz normalen Gespräch, wenn ich es z. B. wage, einen Bestsellerratgeber in Frage zu stellen. Wenn ich es wage zu sagen: "Das ist in meinen Augen falsch! Die sind auf dem Holzweg!"
"Hunderttausende können sich nicht irren!" Irritierend. Unheimlich geradezu, wenn man an die deutsche (allerdings nicht nur die) Vergangenheit denkt. Ein kritischer Gedanke wird mit einem solchen Satz niedergestampft. Weil Hunderttausende ein bestimmtes Buch kaufen, ist es gut? Neulich in der ZEIT gab es einen bemerkenswerten Beitrag dazu, wie ein Buch heutzutage verkauft wird: Der Titel ist alles. Erfinde einen provokativen Titel, dazu eine entsprechende Verpackung, und das Buch wird verkauft. Hunderttausendfach und mehr. Inhalt? Zweitrangig. Aber eines ist doch klar: Hunderttausende können sich nicht irren!
Aus meiner Sicht gilt das nur für die Tierwelt. Denn, wie heißt es doch sonst so schön: "Irren ist menschlich." und "Der Teufel scheißt auf den größten Haufen."
Etwas mehr Unterscheidungskraft wünsche ich mir. Etwas mehr Qualität.
Noch ein anderer Post zum Thema, hier

Kommentare:

RUDHI - Chance hat gesagt…

Da redest Du gewiss vielen BücherfreundInnen aus der Seele, Lebenskünstler! "An der Dummheit (der Vielen) geht die Welt zugrunde!", stellte schon G.Flaubert fest. Der häufige 'Irrtum der Hunderttausend' hängt heute(?) meist vom Geschmack der LektorInnen sowie dem Werbe-Etat der Verlage ab. Wahre BücherfreundInnen entwickeln jedoch eine eigenständige Intuition, was ihre Seele und ihren Geist beflügeln wird! Ein Blick auf den letzten Absatz, oder/und auf den ersten sagt mehr als alle Werbe-Empfehlungen der Hersteller, Kritiker und Händler. Logisch! Bücher riechen sogar individuell.

RUDHI - Chance hat gesagt…

Übrigens herrlicher Krähenschwarm überm Acker; wenn mich nicht alles täuscht!

Karin hat gesagt…

Deinem Blogbeitrag und RUDHIs Kommentar möchte ich zustimmen! Ja, um Qualität geht es in der Buchbranche primär nur noch sehr selten. Auch diejenigen, die Bücher für kostenpflichtige Print- und Onlinemagazine besprechen, stehen unter Druck!?...

Dafür können wir als BücherfreundInnen entscheiden, was wir lesen wollen, und - wie RUDHI in seinem Kommentar schreibt - unsere "eigenständige Intuition" entwickeln!

Ich muss gestehen, dass ich manchmal ein Buch "erwähle", ohne ausführlichst die Inhaltsangabe oder einen Textabschnitt vorab gelesen zu haben. Der Titel bewegt etwas in mir an. Und während der Lektüre spüre ich, dass es "mein" Buch ist...

Lebenskünstler hat gesagt…

Karin und Rudhi - euch trau ich die feinsinnige Kunst zu, ein Buch als echtes, inspirierendes Werk zu erkennen!
Allerdings muss man manchmal schon Glück haben, unter all dem Kram was gescheites zu finden. Ich gehe sehr häufig enttäuscht aus dem Buchladen.
Bücher, dei mich interessieren, muss ich fast immer bestellen.

Augenblicke und Wortgeschenke hat gesagt…

Ja es macht unglaubliche Mühe - zu filtern. Aber genau das ist die Herausforderung in dieser Zeit. Filtern - ganz besondere eigene Filterkriterien finden um nicht von irgendeiner "Flut" überrollt zu werden. Ich lese auch Tage lang Bücher Rezensionen und so weiter ...vor allem kann ich mich auf manche Büchertipps von zwei Freundinnen (Bücherliebhaberinnen)verlassen, einer Bibliothekarin und meinem sorgsamen Menschenverstand. Ich schütze mich selbst, mit der Langsamkeit der Auswahl. liebe Grüße Manuela

Fabelhaft hat gesagt…

Mit den Buchtiteln ist das bei uns in Deutschland so eine Sache. Da liest man zum Beispiel »Wie ich mich einmal in alles verliebte«. Der Originaltitel lautet jedoch: »The story of forgetting« und erzählt eine Geschichte, die mit einer besonderen Form der Alzheimer-Erkrankung zu tun hat. Wäre das auch nur annähernd aus dem deutschen Titel zu ersehen gewesen? Würde Intuition ausreichen, dies aus dem Titel zu entnehmen? Ich hoffe nur, dass dieses lesenswerte Buch von Stefan Merrill Block nicht an zu vielen »vorbeigegangen« ist weil sie auf Grund des Titels einen Teenie-Roman erwartet haben (was auch das Cover suggeriert).

Eine Rezension gibt es hier: http://forum.42erautoren.de/wbb2/thread.php?threadid=3110&hilight=Stefan+Merrill+Block