Folge dem Beispiel einer alten Kuh


Ich mag Kühe. Seit wir auf dem Lande wohnen, treffe ich fast jeden Tag eine oder mehrere, und wenn ich sie nicht sehe, höre ich sie. Es sind freundliche Tiere, jedenfalls habe ich bisher keine andere Erfahrung gemacht, denn s
obald ich in ihre Nähe komme, sehen sie mich mit großen Augen an, manchmal springen sie mir sogar leichtfüßig entgegen, oft drängt sich die ganze Kuhschar dicht zu mir hin und nur der dünne Drahtzaun trennt uns – Gott sei Dank!

Sollten mir zum nächsten Ersten alle meine Freundinnen die Freundschaft gekündigt haben, die Kühe werden es nicht tun.
Doch eine bestimmte Kuhschar hier in der Nähe auf einer Weide ist nach meiner Beobachtung nicht wirklich glücklich. Die Wiese, auf der sie grasen, bietet nur einen kleinen Schatten, wo sie bei der Hitze dicht gedrängt stehen, knöcheltief im eigenen Mist, der auch an ihren Hintern festklebt. Es stinkt zum Himmel! Die Tiere sehen vernachlässigt aus. Wenn ich vorbeikomme, schauen sie mich fast beschämt an und muhklagen mir entgegen: „Mach doch was!“
Aber was kann ich tun? Manchmal singe ich ihnen was vor, das mögen sie, sie vergessen dadurch ein bisschen ihre schmutzigen Hintern, ihr Blick wird wacher und interessiert und auch die eine Million Fliegen auf ihrem Körper, scheinen sie dann leichter ertragen zu können.Wenn ich für sie eine Rede halte – was ich besonders gern tu, denn wo findet man heutzutage noch solche aufmerksamen, geduldigen Zuhörerinnen? – kommen sie ganz nah, als wollten sie jedes Wort verstehen.
„Folge dem Beispiel einer alten Kuh…“, sagt Sigi oft zu mir, wenn ich ungeduldig werde. Denn Kühe nehmen das Leben so hin, wie es ist. Sie scheinen sehr viel Gelassenheit zu haben, nicht umsonst sagt man: „Leg dir eine Kuhhaut zu!“
Doch diesen Kühen wird zuviel Gelassenheit zugemutet! Sie sind nicht glücklich. Irgendwann muss Schluss sein. Soviel Mist auf einem Haufen hält nicht mal eine Kuh aus!
Ich fordere angemessene sanitäre Anlagen für Kühe, sowie ein anspruchvolles Ku(h)lturprogramm für dieselben! Bei der Programmgestaltung stehe ich gern mit Rat und Tat zur Seite!

Kommentare:

Karin hat gesagt…

Der Ausspruch "Das geht auf keine Kuhhaut!" stimmt mich jetzt sehr nachdenklich...

Heiterer denke ich beim Lesen Deines Beitrages an den Verlag für Kunst, Kühe und Kultur im Allgäu; im Web besser bekannt auch als "Allgäuer Schneckenpost". Schnecken und Kühe? Nun gut. Jedenfalls können in der Fotogalerie der Verlagshofseite Weideschönheiten von ganz klein bis ganz groß betrachtet werden. Sehr niedliche und liebe Tiere mit seligen Kuhaugen, die mein Herz zum Überlaufen bringen. Ich habe den Eindruck, hier muhen glückliche Kühe, sozusagen mit Familienanschluss, bis sich ihr Schicksal auf einem "Schlachthof" (was für ein fürchterlicher Ausdruck!) besiegelt, seufz!? Vielleicht wird ihnen vorgesungen, vorgetanzt, Gedanken und Gedichte vorgetragen... Täte uns Menschen auch gut, in vielerlei Hinsicht.

chrissi hat gesagt…

Oh wie schön, dass du dich um die Kühe kümmerst und ich stimme dir voll zu. Wenn ich in deiner Nähe wohnen würde, würde ich mitsingen. Leider kenne ich nur eine Kuhweide. Sie liegt an einer Strasse und ich muss täglich daran vorbei. Da sehe ich dann, wie sehr Kühe den Menschen lieben. Wenn der Bauer auf der Weide ist, wird er umringt von seinen Kühen. Sieht einfach nur süß aus. Die Weide liegt nicht direkt an der Strasse, sondern etwas weiter zurück und ich glaube, es sind glückliche Kühe. So soll es eigentlich bei jeder einzelnen Kuh sein. Da sie doch zum Wohle der Menschheit sehr früh ihr Leben lassen müssen.
Liebe Grüße Chrissi

Lebenskünstler hat gesagt…

Schön, ihr zwei, dass ihr mir zustimmt :)
www.schneckenpost.net hab ich gefunden, worauf Karin hingewiesen hat. Heißt zwar Schneckenpost, ist aber voller Ku(h)ltur!