Frechheit siegt

Man kann kaum über mich sagen, ich sei ein braves Kind gewesen. Meine Eltern waren stolz darauf, dass ich es nicht war. Nichts hätte sie mehr gelangweilt, als brave Kinder. Angepasst sein, Ja und Amen sagen – nein, das war nicht das, wofür wir auf die Welt gesetzt wurden.„Oma, schwätz doch nicht so dumm“ oder „Des kannsch glei wieder mitnehme“, wenn ein Geschenk nicht das richtige war, oder „Halt dei Gosch und geh in dei Wirtschaft!“.Du bisch so fett“ war ein Satz, den mir meine Kindergartentante noch 40 Jahre später als verbliebene Erinnerung servierte. Und als im Chor die Opernsängerin schließlich ihr Solo sang, meinte mein Bruder danach ganz trocken zu ihr: „Schön war's, aber du hasch alles verdorbe!“ Meine Geschwister und ich geizten nie mit der eigenen Meinung. Und wenn meine Mutter darunter auch oft gelitten haben muss und es ihr so manche Peinlichkeit nicht ersparte, wird sie zugeben müssen, dass sie stolz ist, ihre Kinder zu selbständig denkenden Wesen erzogen zu haben, die fähig sind, ihre eigene Meinung kundzutun.
Frechheit siegt, heißt es so schön. Im Grunde ist damit doch Wahrhaftigkeit gemeint, nämlich zu dem stehen, was man denkt und fühlt. Es ist ein unbequemer Weg, weil die Mehrheit der Menschen die Angepaßten lieber hat und nur im Verborgenen die Quertreiber bewundert. Sich immer wieder herauszuschälen aus dem Umfeld, das uns so gerne angepasst formen möchte, das ist eine Kunst. Wir möchten doch alle geliebt werden, am allerliebsten natürlich für das, was wir im tiefsten Inneren sind.

Kommentare:

Kessi hat gesagt…

Klasse, genau. Zu sich selbst stehen, das ist ganz wichtig und genau DU zu sein, Dich nicht verformen zu lassen zum Wohle anderer. Es ist schliesslich DEIN Leben und nicht das von anderen. :) Und ich finde, Du bist ganz PRIMA geworden! Du bist eben DU und das macht Dich so besonders. Schön, dass es Dich gibt!

kathrin hat gesagt…

habe den blog grad zufällig gefunden, durch Kessis room, ist ja ganz wunderbar, was du so machst und der blog, klasse ! herzliche Grüße aus Bremen von Kathrin

RUDHI - Chance hat gesagt…

"KünstlerInnen werden oft wie Kometen bewundert und gefürchtet zugleich!" (Rudhi-Erkenntnis auf der Top-Art-Kunstmesse in Lindau.)