Eros - wo die Liebe hinfällt

Eigentlich dachte ich, ich fahre dieses Wochenende einfach nur in die Schweiz! Interlaken, Wilderswil, hinter Bern - eine Ecke, in der ich noch nie war, und die wunderschön ist. Die Reise da hin ist von uns aus nicht weit - aber wer hätte gedacht, dass in Wahrheit meine Reise viel, viel weiter führte! Ich landete im alten Griechenland, in der Zeit vor 2500 Jahren! Ich wurde Zeugin eines Gelages von homosexuellen Männern in unterschiedlichen Altersstufen, die, nachdem sie so richtig gefeiert hatten, sich in Schöngeistigem üben wollten und nacheinander Reden hielten, dass es sich gewaschen hat. Obwohl sich keine einzige Dame in ihrer Gesellschaft befand, meinten sie über "Eros" philosophieren zu können. Ich konnte manchmal nur noch den Kopf schütteln und war froh, als endlich eine rettende Gestalt auftrat, die in das Ganze Seriösität und Klarheit brachte. Die Dame hieß Diotima und hatte eine enorme Präsenz. Sie machte den Herren klar, dass Eros der ist, der JA zum Leben sagt, der uns das Leben leidenschaftlich macht, der das Gute und Schöne sucht und dass gut und schön jenseits von allem Begrifflichen und Materiellen liegt. Eros, der den Funken entzündet, der uns kreativ sein läßt, der uns schöpferisch macht. Eros, der bedürftig ist, aber in gereiftem Zustand nicht mehr begehrt. Eros, der verliebt ist in das Leben, der erotisch durch´s Leben geht, ohne zu begehren. Eros, der kleine Dämon, Mittler zwischen Himmel und Erde, der uns den Himmel auf Erden beschert, wenn wir uns dafür entscheiden, ihm die Tür zu öffnen. Er öffnet uns den Blick dafür, dass wir den Sinn entdecken, dass wir die werden, die wir sind. Er entflammt uns in Liebe für alle Menschen und für alles, was Leben ist.
So kompliziert mir die Ausführungen der intelligenten Dame erschienen, jetzt, wo ich wieder Zuhause bin, sehe ich den Eros ein bisschen koboldhaft vor mir sitzen. Sich die Flügel putzend grinst er mich verschmitzt an, und alles erscheint mir so einfach.
Christoph Quarch, der unsere kleine Reisegruppe begeisternd und inspirierend anführte, hat uns so leidenschaftlich Platons "Gastmahl" serviert, dass ich den Verdacht hege, er selbst sei ein Verwandter dieses beflügelnden Geistes Eros.

1 Kommentar:

Kessi hat gesagt…

...jetzt wo ich das hier gelesen habe, grinst er auch mich an... :), toll geschrieben!!! Wünsche Dir eine beflügelnde neue Woche, alles Liebe - Kessi