Mysterium Buch

Die Zukunft des Lesens liegt im Netz - habe ich heute in der ZEIT gelesen. Was Zeitungen angeht, glaube ich das gern. Doch Bücher sind noch immer etwas, das durch keine noch so ausgefeilte Technik überboten werden kann. Egal, wann ein Buch geschrieben wurde: In dem Moment, wo du es in der Hand hältst, ist es aktuell. Im Netz wird zwar alles mögliche lange gespeichert, aber wen interessiert das noch? Die digitale Welt ist kurzlebig und schnell. Flotte Unterhaltung und Information stehen auf dem Programm. Ein Buch ist, wenn es gut geschrieben ist, für die Ewigkeit. Etwas, das man anfassen kann, das man riechen kann, spricht ganz anders zu dir. Ein Buch musst du nicht erst aufrufen, es ist schon da. Im Netz muss man immer schon wissen, was man will, Stichwort eingeben, dann kommt's. Das Buch ist in seiner Gesamtheit da, jede Seite jederzeit aufzuschlagen, ganz ohne Technik, ohne Strom. Auf dem Nachttisch neben dem Bett, begleitet es uns in unsere Träume. Die Schriften von und über Hildegard von Bingen haben sich mir erst durch die Bücher so vermittelt, dass ich wirklich etwas begreifen konnte von dem, was sie zu sagen hat. Für sie war das Schreiben das Tor zur Welt. Doch nicht allein als Medium zur reinen Information, sondern der lange Prozess bis etwas auf dem Papier war, bis es gedruckt war, bis es die Menschen in Händen hielten, war Teil ihrer Botschaft und verlieh ihrem Wirken die Bedeutung, die nötig war. Möglicherweise würde sie heute auch bloggen, um mehr Menschen schneller zu erreichen, aber das würde das Schreiben von Büchern niemals ersetzen. Bücher sind Kunst, sind symbolhafte Überbringer von Botschaften, die uns auf einer Ebene erreichen können, wie es die digitale Welt niemals vermag. Kann sein, dass das viele Menschen noch nicht begriffen haben, einige nie begreifen werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass Bücher in Zukunft teurer und hochwertiger hergestellt werden. Aber sie werden niemals ersetzt werden.

1 Kommentar:

Wolle Natur Farben hat gesagt…

Also liebe Petra da sprichst bzw. schreibst du mir aus der Seele ! Zum Zeitungslesen nutze ich ja auch mehr und mehr das Netz, da ich die Fernsehberichterstattung nicht mehr ertragen kann und im Netz gezielter nach Nachrichten suchen kann. Doch was Bücher angeht, war ich schon immer skeptisch hinsichtlich der Vermutung von Vielen, es gäbe jetzt alle Bücher bald als Minicomputer. Auch habe ich hier Bücher von Vorfahren geerbt und es ist sicher sinnlich etwas ganz anderes, ob ich ein Buch in der Hand halte, das meine verstorbene Oma in der Hand hielt und ihre handgeschriebenen Anmerkungen lesen kann oder ob ich ein "Computerbuch" von ihr vererbt bekommen hätte. Deswegen bin ich auch ein Fan von Büchern aus dem Wagenbachverlag. Da nehme ich ein Buch in die Hand und es ist schon das sinnliche Erlebnis schlechthin, vom Material und vom Layout, auch wenn ich es noch nicht mal geöffnet habe.
So bin ich mit dir einer Meinung, dass Bücher durch Computer nicht ersetzt werden können.
viele liebe Grüße
Anke