Wahre Sätze finden

Ich bin ganz glücklich, dass ich im Antiquariat ein längst vergriffenes Buch von Ingeborg Bachmann ergattern konnte: "Wir müssen wahre Sätze finden". Allein der Titel ist schon so, dass es anfängt in mir zu kribbeln. In diesen Interviews wird ihre Stimme nochmal anders lebendig, als in der Dichtung oder der Prosa. So sagt sie beispielsweise: "Die meisten Frauen brauchen eine Hoffnung, etwas, was man ihnen noch nie gesagt hat. Ich brauche es nicht, ich weiß es schon lange, nämlich, dass sie fähig sind, genau so zu denken, genau so scharf zu denken, wie die Männer. (...) dass sie zu größeren Leistungen imstande sind als Männer. (...) Frauen können genau so viel wie Männer, man muss ihnen nur die Chance geben, man hat sie ihnen nur so selten gegeben."
Ja, diese Sätze wurden vor über 30 Jahren geschrieben und noch immer finde ich, dass den Frauen viel zu selten die Chance gegeben wird. Noch immer ist das Augenmerk auf die Leistungen der Männer viel stärker gerichtet, noch immer dominieren in fast allen Branchen die Männer - außer vielleicht in den schlecht bezahlten sozialen Berufen. Bei Kongressen und Tagungen halten immernoch in der Überzahl die Männer Vorträge - obwohl die Frauen sicher einiges neues beitragen könnten. Es muss immernoch gesonderte Frauentagungen geben, damit Frauen auch zu Wort kommen... Ach Ingeborg, was würdest du heute dazu sagen? Vielleicht: "Ein Tag wird kommen..."?

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