Auf der Straße der Würde

Es war eine intensive Tagung in Lindau. Mit meiner Gruppe habe ich eine Straße der Würde eröffnet, die im Laufe der Tage immer bunter und reichhaltiger wurde. Mit dem Begriff "Würde" wurde natürlich ganz schön was ausgelöst. Die meisten konnten zunächst nur zum Ausdruck bringen, wo und wann ihre Würde verletzt wurde, und nicht, wann sie gewürdigt wurden, und wen sie würdigen. So waren auch die meisten Vorträge voller Beispiele für Entwürdigung. Das war starker Tobak und ging so manchen an die Nieren. Ich vermisste ein wenig das Positive, an dem wir uns stärken können, wo wir wieder Hoffnung und Mut schöpfen können. Deshalb, finde ich, kann ich mir (und meiner Gruppe) auf die Schultern klopfen, denn wir haben alle unsere positiven Quellen der Würde gesammelt. Von der kindlichen Würde über die weibliche Würde, die männliche Würde bis zur Würdigung der weisen Alten.
Mit Tanz und Rollenspiel, Bewegungsimprovisation und Malen, lockten wir alles aus uns heraus. Es war einfach schön.
Da aus organisatorischen Gründen dieses Mal das "Junge Forum" sozusagen nicht gewürdigt wurde, hatte ich Zeit, mich in anderer Weise um den Nachwuchs zu kümmern, als "Tagungsmutter" für die kleine Mirjam. Bei einer Tagung, wo von Würde gesprochen wird und auch davon, was Kinder brauchen, finde ich es wichtig, dass das nicht nur in großen Worten zum Ausdruck gebracht wird, theoretisch gut ausformuliert, referiert von Menschen, die eine außergewöhnlich ausgefeilte "Papiersprache" haben und statt "Mensch" zum Beispiel das Wort "Subjekt" benutzen. Man kann viel reden. Das wichtige ist aber dennoch das Tun.
Kinderbetreuung zu organisieren, damit jüngere TeilnehmerInnen auch bei der Tagung dabei sein können, wäre schonmal ein kleiner Schritt - abgesehen von vielen weiteren. Ich bin froh über all die schönen Begegnungen, die ich hatte und in denen ich die Bestätigung für meine Überzeugung bekommen habe, dass es viele Menschen gibt, die ihr bestes tun, und sei der Wirkungskreis auch noch so klein. Das ist nur scheinbar so. Denn was wir aus Liebe und Mitmenschlichkeit tun, hat mehr Kraft und Wirkung als jede gut gehaltene Rede.

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