Gestern wie heute

Bei meinen Über- legungen, was genau eigentlich eine gute Bildung ausmacht, stieß ich auf ein altes Schulbuch von mir aus dem Jahr 1980. Damals war ich 17 und hatte Deutsch und Literatur als Leistungsfach. In diesem Buch sind genau die Stellen angestrichen, die ich heute wieder unterstreichen würde. Hier einige Beispiele:
"Kunst ist kein Beruf, Kunst ist kein Schicksal. Kunst ist Liebe. Darum Künstler, tritt ins Volk und zeige ihm dein großes Herz! Du hast das äußerste Mittel der Liebe zur Verfügung: Du hast Gott." (Ivan Goll)
"Viele Leute sind gegen den Enthusiasmus eingenommen; sie verwechseln ihn mit dem Fanatismus, und das ist ein grober Irrtum. Der Fanatismus ist eine exklusive Leidenschaft, deren Gegenstand eine Meinung ist, der Enthusiasmus schließt sich der Weltharmonie an: Er ist Liebe zum Schönen, Erhebung des Gemüts, Freude an der Hingebung, alles zu einem einzigen Gefühl verschmolzen, das erhaben und ruhig ist." (Madame de Stael)
Damals habe ich diese Stellen intuitiv unterstrichen. Heute würde ich sie bewusst anstreichen. Vielleicht ist echte Bildung gar nicht etwas, das man lernen und sich aneignen kann? Möglicherweise kann man sie nur durch Bewusstheit erreichen, Bewusstsein über etwas, das bereits angelegt ist.

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