Geduld, Frau Kopf!

Ja, es ist schon so: Ich bin gern unter Menschen, am liebsten in überschaubarer Anzahl und mit Lone in der Nähe, die mir durch diskrete nonverbale Hinweise rechtzeitig signalisiert, wenn ich auch mal die anderen zu Wort kommen lassen sollte. Aber meine Begeisterung für Hildegard von Bingen hat mich zu einem längeren Vortrag hinreißen lassen. Immerhin habe ich einen Heilerfolg zu verzeichnen: Meine alljährliche Sommerallergie scheint wie weggezaubert mit einem Gebräu aus in Wein gekochtem Flohsamen!
Nun lese ich etwas über die "Psychotherapie" der Hildegard. Sie sagt ja, dass fast alle Krankheiten seelische Ursachen haben (jaja, das wurde nicht von Rüdiger Dahlke erfunden!) und zählt die 35 Hauptlaster auf, die den Menschen krank machen. Öffentlich möchte ich mich nur zu einem Laster bekennen: Meine Ungeduld. Sie fordert mich täglich heraus. Meine Seminarteilnehmerinnen ahnen vielleicht gar nicht, dass ich zeitweise in ein Stuhlbein beißen könnte vor Ungeduld. Nach außen also kann ich es sehr gut im Griff halten, aber innerlich rauft sich Rumpelstilz die Haare. Hildegard empfiehlt (wie in den meisten Fällen) fasten, schwitzen und beten. Ich habe da ein paar andere Rezepte und bin überzeugt, sie hätte überhaupt nichts dagegen einzuwenden: Tanzen, statt fasten, am besten zu Musik die ganz schnelle Rhythmen hat. Dazu bewegt man sich aber unendlich langsam, also slow motion. Da wird man wirklich ruhig und erlebt die "Entschleunigung". Ich schwitze überhaupt nicht gern. Es kann die größte Hitze sein, mein Körper weigert sich strikt gegen Abgabe von Flüssigkeit in Form von Schweiß. Was bleibt also anderes übrig, als Tee zu trinken, abzuwarten und, mein nächster Tipp, auf das Maisfeld vor dem Haus zu gucken, das in der Minute etwa gefühlte 20 cm wächst! Diese grüne Wand, die höher und höher wird, gibt mir mehr und mehr das Gefühl, dass vieles von ganz allein wächst und anderes eben nicht. Ich kann in den meisten Fällen nur das Beste tun und dann däumchendrehend zuschauen. Und das mit dem Beten ist immer eine gute Idee - wenn man es kann. Hilde Domin sagt, man hat drei Möglichkeiten: Zum Psychiater gehen, beten oder ein Gedicht schreiben. Ich habe außerdem das Glück, einen sehr geduldigen Ehemann an meiner Seite zu haben. Wenn meine Emotionen aufkochen bleibt er ruhig und sagt: "Es ist nicht gut, es ist nicht schlecht, es ist." - So kann man´s auch sehen.

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