Hilde und Hilde

Die Post brachte mir vor ein paar Tagen die DVD mit dem Film über Hilde Domin. Ich war bestimmt die Erste, die den Film bestellt hatte ;-)
Gestern Abend haben wir drei ihn dann nochmal angesehen - und es war nicht weniger berührend, als beim ersten Mal im Kino. Es ist einer der wenigen Filme, die man immer wieder sehen kann, da so viele Blickwinkel möglich sind: Mal versetzte ich mich in die junge Hilde, die ihr Leben als Dichterin noch vor sich hat, den Holocaust grade überlebt hatte, dann sah ich alles aus der Perspektive von Anna Ditges, der Regisseurin, die Fragen stellt, manchmal vorsichtig, dann wieder beharrlich. Ich fragte mich, wie es ist, so alt zu werden wie Hilde Domin, so viel erlebt zu haben, so wach zu sein und doch irgendwie schon mit einem Fuß im Jenseits, da wo Erwin ist, der verstorbene Ehemann. Wie schön es ist, wenn etwas bleibt: Die Worte und Gedanken dieser Dichterin sind so lebendig wie sie selbst, der Film ein Vermächtnis.
Und all die Tage begleitet mich ja auch Hildegard von Bingen. Ihre Schriften, Briefe (die fast 1000 Jahre alt sind!!) sind faszinierend und vieles davon sehr aktuell. Sie sagt, jede Krankheit ist zu 70% seelisch bedingt. Wenn also die Seele geheilt wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper geheilt wird, sehr groß. Und als Heilmittel Nummer eins rät sie zu Wahrhaftigkeit - na bitte!

PS: Der Film "Ich will dich - Begegnungen mit Hilde Domin" läuft zur Zeit in der Linse in Weingarten.

Keine Kommentare: