Papierworte

Ich hab einen Prospekt zugeschickt bekommen: "So lernen Frauen führen - praxisorientierte Methoden und Techniken" und "Konflikte lösen, leicht gemacht." Das hört sich immer so an, als könnte man da mal ein Wochenende hin und dann weiß man schon, welche Methode man in welcher Situation anwendet: Schublade auf, Methode rausholen, anwenden - fertig! So stellen sich jedenfalls die meisten das vor. Leider funktioniert das gar nicht. Methoden und Techniken sind nur für unseren Kopf, damit wir meinen, wir hätten was, an dem wir uns festhalten können. Das Problem Nummer eins ist, dass die meisten Menschen, die führen wollen und nicht können, gar nicht wissen, wohin sie denn wollen. Nur wenn ich weiß, was ich will und es ausdrücken kann, kann ich andere (und vor allem mich selbst) führen und auch "Konflikte" lösen. Das Wort "Konflikt" ist auch wieder so ein Papierwort. Wenn man Streit, Auseinandersetzung, Spannung sagt, ist es plötzlich kein Papier mehr, sondern Wirklichkeit, etwas, das meine Gefühle anspricht und mich tatsächlich an meine Wahrheit führt. Der ständige Gebrauch von Fremdworten ist ein Abwehren der wahren Gefühle - und ohne meine wahren Gefühle und die Verbindung zu mir selbst kann ich auch mit den tollsten Methoden gar nichts bewirken. Übrigens: "Methode" könnte man auch so übersetzen: meine Art und Weise, zu handeln. Plötzlich bin ich auf mich selbst gestellt, auf meine eigenen Werte. Keiner kann mir vorschreiben, wie ich zu handeln habe. Ich muss mich auf meine ureigensten Werte verlassen. Was sind deine Werte?
Oder das Wort "praxisorientiert" wird zu: Erfahrungen ordnen und angemessen anwenden. Um das zu tun, musst du deine eigenen Erfahrungen zu Rate ziehen. Aus dem Schatz der eigenen Erfahrung zu schöpfen, führt zu mehr Selbstbewusstsein, Stärke und Eigenverantwortung im Umgang mit Menschen.

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