Theater ohne Gott?

Hin und wieder gebe ich Kurse für PredigerInnen, PfarrerInnen und andere kirchliche Mitarbeiter. Sie lesen in der Ausschreibung, dass ich Schauspielerin bin, und einige von ihnen hoffen auf ein paar "Tricks", die ihnen helfen könnten, glaubwürdig zu erscheinen. "Glaubwürdig erscheinen" ist aber gar nicht mein Ding!
Glatt geschliffene Sprechtechnik, körpersprachliche Kniffe für Präsenz - all das sind langweilige Dinge, die mich schon beim Theater genervt haben: schlechte Schauspieler täuschen mit guter Technik - und alle fallen drauf rein! Dennoch: Lange hält so ein Erfolg nicht an! Und so ist es auch in der Kirche: Theater ohne Gott wird der Predigt keine Kraft geben. Kirche ist kein Ort für Unterhaltung oder Seifenoper. Auch nicht für Pathos und rhetorische Glanzlichter. Daher meine erste Frage an die Pfarrer: Was willst du? Wo kannst du deinen Glauben fühlen? Wie geschieht deine Anbindung an Gott? Wo genau ist Gott, wenn du predigst? - Stille-. Alle schauen mich fragend an.
Es ist erstaunlich, was solche Fragen bewirken: Verwirrung, Ratlosigkeit, aber irgendwann, wenn wir auf die Suche gehen (und hier genau beginnt meine eigentliche Arbeit), entsteht Freude, Begeisterung (im wahrsten Sinne des Wortes) und ein Verständnis für das, was ich vermitteln möchte: Gottes Anwesenheit ist die Basis für die Kraft deines Ausdrucks.
Bevor du nicht Liebe spürst, brauchst du nicht mal den Mund zu öffnen. Indem wir lernen, Vertrauen leibhaftig wahrzunehmen, gelingt es mehr und mehr, einen authentischen Ausdruck zu finden. Dass sie sich selbst sein dürfen und sich nicht verstellen müssen, das ist für die meisten die größte Freude. Die "Tricks" sind dann nur Nebensache, meistens gar nicht nötig. Niemand braucht Superstar zu werden oder in einer Talkshow aufzutreten um Gottes Wort glaubhaft zu verkünden.

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