Gesang des Himmels

Amélie Schenk las aus ihrem eben er-
schienenen Buch "Gesang des Himmels".
Sie beschreibt dort, wie eine junge Frau vor 12 Jahren zur Schamanin wurde.
Es war sehr beeindruckend. Sie hat eine wunderbare Art zu erzählen, das war ja schon für mich vor zwei Jahren ein Erlebnis, als sie uns auf dem Kongress vom Leben der Menschen im Altai berichtete. Ich hab mich gefragt, was es eigentlich ist, was ihre Art des Erzählens ausmacht. Man spürt, dass sie alles miterlebt und in großer Verbundenheit zu Land und Leuten ist. Diese Liebe und Authentizität vermittelt und überträgt sich ganz unmittelbar. Man wird angezogen, hineingezogen und steht plötzlich mittendrin im Geschehen. So ging es mir jedenfalls. Sie beschrieb, wie die Menschen in der Mongolei alle miteinander verbunden sind – es muss auch so sein, denn die Macht der Natur ist stärker als alles, sodass jeder auf jeden angewiesen ist.
Wir haben das verlernt. Wir denken, wir müssen alles allein schaffen, dabei ginge es in Gemeinschaft um so viel leichter!

Was tut ein Schamane? Kann er heilen? Sind Schamanen wirklich auch Heiler? So wurde aus dem Publikum gefragt. Wenn ich alles zusammenfasse, was Amélie sagte, dann habe ich es so verstanden, dass der Schamane ein Mensch ist, der Verbindung aufnehmen kann: zum Universum, zu den Ahnen, zu Bäumen und Tieren, zu kranken und gesunden Menschen. Er hat eine übersinnliche Wahrnehmung, bis zum Verrücktwerden. Daher ist so eine schamanische Persönlichkeit manchmal launisch, unwirsch, weil sie eben alle Energien wahrnimmt und verarbeiten muss.
Meine weiteren Gedanken waren, dass die Heilung dann geschieht, wenn sich der Kranke mit dem Schamanen verbindet. Jesus hat geheilt, indem er sich in Liebe den Menschen zuwandte. Wer sich dieser Liebe hingab, wurde geheilt.
Amélie erzählte auch, dass sehr kritische Menschen eine ungute Energie verbreiten, die es dem Schamanen unmöglich machen, wirklich zu heilen.
Die Art und Weise, wie Amélie Schenk erzählte, ihre Worte wählte, ihren Blick über uns schweifen ließ, den Blicken standhielt, hatte für mich auch etwas schamanisches. Wer mit Worten oder Taten Menschen erreichen kann, sie im tiefsten berühren kann, schafft Heilung, Wandlung, Bewusstheit. Das tun alle wirklich guten DichterInnen, SchauspielerInnen, MusikerInnen. Und eben auch Amélie Schenk.


Mir wurde an diesem Abend bewusst, dass es sich lohnt, dafür einzusetzen, dass wir in unserer Kultur wieder lernen aus der Reizüberflutung in eine echte wahrhaftige Wahrnehmung und Sensibilität zu kommen. Hier in Ingenhardt ist die Natur und die Ruhe so gross, dass wir immer mehr zu uns selbst finden und auch das Leben eine andere Wertigkeit bekommt. Der Vortrag gestern hat mich in meiner ganzen Arbeit, meinem Engagement und meiner Leidenschaftlichkeit bestätigt, dafür bin ich dankbar.
Sigi, ein Mann mit viel Ruhe und Sensibilität und Lone, als eine moderne Schamanin und Kollegin neben mir zu haben, ist mehr, als man sich wünschen kann.

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