Warum ist das Buch besser als der Film?


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Jeder kennt das: Wenn das Lieblingsbuch verfilmt wird, ist man meist enttäuscht. Warum?
Beim Lesen arbeitet unsere eigene Fantasie mit. Wir gehen in Resonanz mit der Handlung, mit den Personen, gestalten mit, erweitern das Geschehen mit unserem eigenen Erfahrungsschatz. So wird das Buch zu "unserem" Buch, individuell und einzigartig. Im Laufe unseres Lebens gewinnen wir an Erfahrung dazu. So kann es sein, dass dasselbe Buch, wenn wir es nach Jahren erneut lesen, völlig anders bei uns anklingt. Plötzlich können wir Erkenntnisse daraus gewinnen, die vorher nicht da waren. Lesen ist ein schöpferischer, sehr kreativer Akt, während das Filmegucken einfach konsumieren bedeutet, Zeitvertreib, Zerstreuung und Amüsement. Etwas Fertiges wird uns serviert, aufbereitet mit der Fantasie Anderer. Klar, es kann inspirieren, faszinieren und es ist nichts dagegen zu sagen, auch mal nur das zu wollen, aber du selbst bist nicht schöpferisch beteiligt.
Wenn also jemand zu mir sagt: Stell doch ein Video ein, um deine Arbeit zu dokumentieren, dann muss ich genauso antworten: Lebendige Kommunikation ist immer so individuell wie die Menschen, die sich daran schöpferisch beteiligen. Ich kann daraus keinen Film machen und möchte es auch nicht. Meine Worte hier im Blog und auf meiner Webseite, sowie die dazu eingestellten Bilder geben genug Einblick. Was es wirklich ist und wie ich dabei wirke und Impulse gebe, das wird jede/r individuell erfahren und umsetzen, wenn er/sie dabei ist. Jede/r Teilnehmer/in wird schöpferisch und kreativ seine eigenen Erfahrungen hinzufügen und dadurch alle Mitbeteiligten bereichern. Am Ende gibt es soviel verschiedene "Filme" wie Teilnehmer.
Statt einem YouTube Video biete ich für alle Interssierte ein kostenloses persönliches Vorgespräch an.
 

Wo Schmutz nichts extra kostet



Ich lebe gern hier bei den Schwaben. Wo sonst ist der Himmel schöner?
Und ab heute bin ich noch beruhigter: Man wird niemals über den Tisch gezogen, Schwaben sind ehrliche, rechtschaffene Menschen.
Schon vor Weihnachten haben Lone und ich alle Gästedeckbetten samt Kopfkissen in die Reinigung gebracht und waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Deshalb kamen wir heute mit Sofa- und Kissenbezügen aus feinster isländischer Wolle. Lone wollte den Preis wissen, da doch sicher die großen Kissenbezüge teurer wären, als die kleinen.
"Nein, nein, das wird alles nach Gewicht berechnet".
"Ah, sehr gut. Ich möchte dann gleich im Voraus zahlen."
"Das geht leider nicht, da wir alles nach der Reinigung wiegen. Der Schmutz soll ja nicht mitgewogen werden." Das Gesicht des Mannes blieb ernst.
Ich lachte, über soviel trockenen Humor, und wollte gerade noch vorschlagen, dass es doch dann sinnvoller und logischer wäre, die Sachen vorher und nachher zu wiegen und die Differenz des Gewichtes zu zahlen, also nur für den entfernten Schmutz. Aber Lones Blick sagte mir, hier war alles ganz ernst gemeint. Und man zahlt nicht für Schmutz, sondern für Sauberkeit.
 
Meine Erfahrungen zu den kulturellen und mentalen Unterschieden zwischen Schwaben und Badenern habe ich ja hier schon vor einigen Jahren hörbar gemacht. Klick

Das Leben kann auch amüsant, lustig und kurios sein! Wie schön!

Ich bin... immernoch ich

Ein merkwürdiges, unangenehmes Gefühl macht sich in mir breit, wenn vorschnell gewisse Slogans einfach übernommen werden. Nicht mal der Bundespräsident macht davor Halt. Es ist ja auch so einfach.
Meine Betroffenheit über die Vorgänge in Paris war nicht in einen Satz zu quetschen. Zu komplex sind meine Gedanken und Gefühle dazu.
Ich bin Petra.
Ich wünsche mir eine Welt, wo die verschiedenen Meinungen und Ansichten frei geäußert werden können, und wertschätzend und respektvoll damit umgegangen wird. Die Würde des Menschen will ich geachtet wissen. Gewalt gibt es in vielen verschiedenen Formen und Auswüchsen. Es gibt sie in brutalen Taten genauso wie in Worten und Bildern. Das ist es, was ich mir immer wieder versuche bewusst zu machen und mich jeden Tag neu frage:
Wo gehöre ich hin? Ich, Petra.
 

... und viel Erfolg im neuen Jahr!


Mir fällt immer wieder auf, dass gar nicht mehr so oft gefragt wird: "Und, wie geht es dir?" sondern stattdessen "Na, wie läuft´s?" oder "Und, was geht?" Dann wird erwartet, dass man von irgendwelchen tollen Projekten erzählt, von Erfolgen und Zielen, die man erreicht hat. Auch die Familienweihnachtsbriefe berichten immer wieder zuverlässig von hochbegabten Kindern, die mustergültig die Stufen der gesellschaftlichen Ordnung erklimmen, um eben eines zu sein: erfolgreich. Oder hat jemand schonmal einen Weihnachtsjahresrückblicksbrief bekommen, wo drin stand, dass man sich scheiden ließ, dass der Sohn beim Klauen erwischt wurde, die Tochter nun doch die Klasse wiederholen muss, oder dass man faul auf der Couch gelegen hat und einfach nur gelesen oder im Internet gedaddelt hat?
Bei einem Besuch bei Bekannten bekam ich zu hören, was alles notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Man muss eine top Webseite haben, bei Facebook sein und man muss bei YouTube Videos einstellen und sich selbstdarstellen. Ist das dann Erfolg, wenn Tausende mich anklicken? Ist Erfolg das, wenn man die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen bekommt? Wenn man damit viel Geld verdient? Was ist eigentlich Erfolg?? Ja, es gibt jetzt sogar Kurse, die lehren, wie man "erfolgreich scheitert"! Da bekomme ich schon Atemnot bei soviel Leistungsdruck!
Natürlich möchte ich etwas bewegen, Teil der Gesellschaft sein, mich einbringen können und das Geld verdienen, das ich zum Leben brauche. Aber für mich liegt der wahre Erfolg darin, mich einlassen zu können auf das Leben selbst. Die wertvollsten Erfahrungen sind meist die, die ich nicht gesucht, nicht gesteuert habe. In diesem Sinne war das vergangene Jahr ein Riesenerfolg für mich.
Es gibt nicht allzu viele Menschen, die Mut haben und sich auf das Abenteuer "Lebe dein Leben" einlassen, aus Angst, sie könnten dann nicht so erfolgreich sein, wie andere es ihnen vorschreiben.
Irgendwie tragisch.

Friedliche Festtage


Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.


Rilke

Wir wissen was ihr braucht


Ich konnte mich in diesem Jahr ausgiebig damit auseinandersetzen, was "Behinderung" bedeutet und bin zu dem Schluss gekommen, dass die meisten Menschen unter der schwerwiegendsten Behinderung leiden, nämlich die "Ich-weiss-genau-was-du-brauchst-Behinderung". Mit dieser Einstellung versuchen sie, dem vermeintlichen Problem eine sofortige Lösung zu bieten. Es ist diese Einstellung, alles Unangenehme durch eine schnelle Sofortmaßnahme zu beseitigen.
Als ich mit meinem Freund neulich eine Veranstaltung besuchen wollte, zu der er ausdrücklich geladen war und wo man wusste, dass er sowohl blind als auch Rollstuhlfahrer ist, standen wir vor einer steilen Treppe und wussten nicht weiter. Ich ging erstmal ins Gebäude und fragte nach dem Fahrstuhl oder einem Eingang für Rollstuhlfahrer. "Oh, einen Fahrstuhl gibt es, aber dazu haben wir grad keinen Schlüssel. Doch alles kein Problem, wir tragen ihn hoch!"
Und noch ehe ich was sagen konnte, umkreisten etwa 5 Leute den Rollstuhl mit meinem Freund und versuchten ihn hochzuhieven. Ich sah seinen irritierten Gesichtsausdruck, denn sehen konnte er ja nichts, war also nicht darauf vorbereitet, was wohl um ihn vor sich ging. Keiner fragte ihn, wie das Ganze vonstatten gehen sollte. Klar, blind und bewegungsunfähig wie er ist, weiss er es ohnehin nicht - oder? Energisch griff ich ein. "Ihr müsst ihn fragen, nur er weiss, wie es am besten geht!" Verständnislose Gesichter. Aber sie fragten. Gut, es ging. Aber macht sich irgendwer Gedanken darüber, wie es für einen selbst wohl wäre, wenn man blind im Rollstuhl säße und aus heiterem Himmel hochgehoben würde?

Es ist Weihnachtszeit und wir alle sind in Geber- und Helferstimmung. Wir wollen ja so gute Menschen sein. Helfen tut ja auch unendlich gut, man fühlt sich als ein besserer Mensch. "Ich kümmere mich gern um behinderte Menschen, das gibt mir so viel", hörte ich neulich jemanden sagen. Es geht aber nicht darum, dass es mir was gibt! Ich muss erstmal nachfragen, was meine Hilfe geben kann und ob sie überhaupt sinnvoll ist.
Es ist toll, wenn ihr einem Rollstuhlfahrer die Tür aufhaltet. Aber ungefragt den Rollstuhl anpacken oder jemanden anfassen, das ist übergriffig und ohne Achtung.
Man kann das Thema ausweiten auf alle möglichen "Hilfsaktionen". Wo wird eigentlich gefragt, ob diejenigen, die wir als bedürftig einstufen, das alles wirklich brauchen und wollen? Ich bin kein besserer Mensch, wenn ich meine sogenannten guten Taten ungefragt meinem Gegenüber aufstülpe und dann auch noch Dankbarkeit erwarte.
Sich beim Helfen demütig zeigen, das ist wohl die schwierigste Übung! Helfen heisst dienen. Aber das haben die meisten vergessen.

Ein verwandelter Delfin


Heute beginnt in Berlin der Zukunftskongress Inklusion 2025 der Aktion Mensch. Nils Jent wird auch dabei sein und am Mittwoch, 10:15h einen Vortrag und Workshop halten über Inklusion im Arbeitsleben und in der Unternehmensentwicklung.
Eigentlich ist Nils ein verwandelter Delfin. Vor seinem Unfall war er ein sportlicher Schwimmer, sprang von den höchsten Türmen mit akrobatischen Drehungen, tauchte unter, verschwand in den Tiefen des Meeres, um unerwartet an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Er sagt von sich, er sei zweimal geboren, denn nach seinem Unfall begann ein neues Leben unter anderen Voraussetzungen. Heute identifiziert er sich eher mit einer Schildkröte. Alles ist langsamer, bedächtiger. Seine Entwicklungsstufen in diesem zweiten Leben beschreibt er eindrücklich in seinem Buch Essenzen des Wahrnehmens, das vor einem Jahr bei uns im Bech Verlag herausgegeben wurde und das zur Zeit unser "Bestseller" ist!
Nils Jent ist ein außergewöhnlicher Mensch mit einer hochsensiblen Begabung, Menschen in ihrem innersten Wesen zu erkennen. Die akrobatischen Sprünge des Delfins sind immernoch in ihm präsent: Blitzschnelle Gedankensprünge, enorme Vorstellungskraft verbunden mit Ausdauer, Geduld und Einfühlungsvermögen.

Mut zu Entscheidungen


Voraussetzung zum Wachsen, ist der Mut zu Entscheidungen, so ein Spruch von Dan Theander.
Als Waage-Geborene würde man mir ja nachsagen, ich sei nicht gerade entscheidungsfreudig. Das ist auf jeden Fall bei materiellen Dingen so, weil ich mich immer frage: "Brauche ich das wirklich?" Zuviel häuft sich im Lauf der Jahre an Dingen an, die mich eher blockieren, als dass sie mir nutzen würden.
Was mein inneres Wachstum betrifft, da bin ich relativ schnell in meinen Entscheidungen, ja, es ist sogar so, dass es mir dann ganz dringend wird, ich auf keinen Fall, das, was ich fühle, was ansteht, verpassen möchte. So ist es momentan eine Reise, die ich zwar erst in einem halben Jahr antreten werde, aber damit sie stattfinden kann, jetzt schon gebucht werden muss. 
Im Überangebot der Möglichkeiten meinen wir immer, uns auch noch in letzter Sekunde entscheiden zu können. Aber so ist es nicht. Alles, was Qualität hat, muss sorgfältig geplant werden, weil es sonst einfach nicht machbar ist.
Unzählige Fortbildungsinstitutionen, wie auch wir Freiberufler, müssen derzeit damit zurechtkommen, dass Anmeldungen für Kurse, Konzerte, Veranstaltungen im Bildungs- und Kunstbereich, außergewöhnliche Reisen, usw. erst im letzten Augenblick gebucht werden. Doch oft ist das dann zu spät. Die Entscheidungsunfähigkeit der Menschen führt dazu, dass nicht mehr sinnvoll organisiert werden kann, somit die Angebote dann beliebig bleiben, weil unmotiviert.
Man kann das auch an all den Läden sehen, die schließen: Da war so ein wirklich besonderes Geschäft, in dem du irgendwann mal sehr gern was kaufen wolltest, hast es aber verschoben auf später, und wenn du hinkommst, gibt es den Laden nicht mehr.
Wir selber bestimmen also auch die Qualität der Angebote, indem wir sie wahrnehmen und uns dafür entscheiden. Auch das kann ein Beitrag zu einer "besseren Welt" sein.

Begeisterung als Lebenselixier


Was begeistert mich? Wann bin ich zur Begeisterung fähig? Gerald Hüther hält die Begeisterung und die Beziehungsfähigkeit für die wichtigsten Elemente eines erfüllten Lebens. Wir lernen durch die Begeisterung. Das Gespräch gestern im Jungen Kunsthaus Bad Saulgau war anregend und hat nachdenklich gestimmt. Anscheinend braucht es Mut, aus vorhandenen Strukturen auszubrechen, seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, die Werte für das eigene Leben selbst zu bestimmen.
Gemeinsam könnten wir diesen Mut viel eher aufbringen. Statt zu sagen, es müsste, es sollte, es könnte, und alles auf die Gesellschaft zu schieben, müssen wir es einfach tun, denn wir sind die Gesellschaft. Es einfach tun, bedeutet auch, anzuecken und gesetzte Grenzen zu überschreiten. Sich Zeit nehmen. Was ist wirklich wichtig? Um diese Frage für mich beantworten zu können, brauche ich Zeit.

Die Schule ist nicht das Leben - zum Glück

Ich kann immer die Leute nicht verstehen, die sagen: "Meine Schulzeit war die schönste Zeit in meinem Leben."
Für mich war diese Zeit zum großen Teil sinnentleert. Die Grundschule hätte genügt: Lesen Schreiben, Kopfrechnen. Alles andere, was ich später brauchen konnte,  habe ich mir sowieso selbst beigebracht. Interessen entwickelten sich durch Anregungen meiner Eltern oder Menschen, die ich als Vorbilder empfand.
Nun war ich in einem Vortrag der Agenda "Schule neu denken" - "Was brauchen Kinder?". Ob es genügt, Schule nur neu zu denken, sei mal dahin gestellt. Das Problem für den Referenten, der ganz im Sinne von Gerald Hüther viel Interessantes mitzuteilen hatte, war, dass sein Publikum vorwiegend aus Lehrern und Lehrerinnen bestand. Statt sich inspirieren zu lassen, klebte die Frage förmlich in ihren stirngerunzelten Gesichtern: Ja, aber wie soll ich den Stoff bis Schuljahresende den Kindern einpauken? Man erwartete vom Referenten schnelle Tricks und Tipps. Er aber setzte auf Persönlichkeitsentfaltung (Hilfe, was ist das??)!
Während des Vortrags ging mir ein Gedanke durch den Kopf: Jemand geht 13 Jahre zur Schule. Danach studiert er oder sie ein Fach, worin man schon immer gute Noten hatte, und weil es am sichersten ist, studiert man auf Lehramt. Danach geht es wieder ab in die Schule. Und dort unterrichtet man jetzt, hat also lediglich die Seiten gewechselt, aber alles ist wie immer. 
Wie kann man also von den Lehrern erwarten, dass sie nun Schule neu denken sollen, geschweige denn neu gestalten? Das Problem ist also nicht die Frage, was Kinder brauchen, sondern eher, was Lehrer brauchen. In meinen Kursen sind sie oft schwierige Klienten (wobei ich fast immer höre: Ich bin kein typischer Lehrer! - Aber: es gibt keine untypischen Lehrer, sonst wären sie es nicht) Warum? Weil sie Übungen, die nicht eins zu eins zu einem klar definierten Ziel führen, hinterfragen, statt sich einfach mal einzulassen und sich überraschen zu lassen. Weil sie das Gefühl bekommen, sie machen sich lächerlich, sobald sie etwas spielerisch angehen. Weil ihnen das Spielerische längst abhanden gekommen ist, weil lernen Arbeit sein soll, weil überhaupt nur das hart Erarbeitete einen Wert hat...
So sind wir alle erzogen (im Übrigen zum größten Teil von der Schule), das dauert Jahre, bis wir da wieder raus sind.
Nur KünstlerInnen und kreative VerweigerInnen, die den Mut hatten, aus der Sicherheit, der finanziellen sowie der gesellschaftlichen, auszubrechen, könnten uns heute Beispiel sein. Wollen  wir also Schule nicht nur neu denken, sondern auch neu machen, dann wäre es sicher hilfreich, sich von ihnen "belehren" zu lassen.
Tatsache bleibt: Es ist nicht ein Problem der Schule an sich und des Bildungssystems. Es ist das Problem einer ganzen Gesellschaft.

Am nächsten Mittwoch, 19.11., 19 Uhr wird im Jungen Kunsthaus Bad Saulgau ein Film zum Thema gezeigt. Ich moderiere die anschließende Diskussion.

Sprecherziehung - klingt irgendwie spassfrei


Ich bin weder Sprecherzieherin noch Theaterpädagogin. Das muss mal gesagt werden. Das ist so, wie wenn man einen Kunstmaler als Kunstlehrer bezeichnen würde, einen Opernsänger als Gesangslehrer. Denn vermutlich hat der Kunstlehrer selten seine Malereien ausgestellt und verkauft, der Gesangslehrer noch nie eine Arie gesungen und auch die Tanzpädagogin dürfte wohl kaum im Ensemble von Pina Bausch getanzt haben. Natürlich unterrichten auch viele Künstler in ihrem Metier, aber was sie vermitteln ist weit mehr, da es von praktischer Erfahrung geprägt ist. Doch nicht immer sind die Künstler auch die geeigneten Pädagogen, weil ihnen möglicherweise das Talent fehlt, etwas weiterzugeben.
Obwohl ich glaube, dass ich alles, was mit meinem Beruf als Schauspielerin zu tun hat, gut vermitteln kann und darüber hinaus sogar eine Persönlichkeitsentwicklung anregen kann, bin ich keine Pädagogin. Ich bin Künstlerin.

Natürlich werde ich oft gefragt, ob ich auch Sprecherziehung gebe. Dieses Wort klingt so spassfrei, so fernab vom Spielen, wie es doch ein Schau-Spieler gern möchte. Aber ja, das gute Sprechen gehört zu meinem Beruf. Und ich vermittle es auf meine Weise. Dazu gehört, dass ich niemandem etwas aufsetzen möchte, was er nicht ist. Dialekt zum Beispiel, ist oft ein Teil der Persönlichkeit. Er muss nicht gänzlich verschwinden, wenn man sich ohne ihn unwohl fühlt. Aber man kann sowas "einschleifen". Mit der Stimme, der Sprache, dem Sprechen zu arbeiten soll immer Freude bereiten. Nur so kann es gelingen.
In der Zeitung Universalis, Freiburg, fand ich dennoch einen ausgesprochen guten Artikel, der beschreibt, um was es denn bei Sprecherziehung so geht und weshalb es wenig mit Logopädie zu tun hat.

Wahre Geschichten in Wort und Bild

Big Island, Hawaii 2014
http://www.amazon.de/Brasilien-mit-Hanf-Herz-Geschichten/dp/3936603219/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1415607880&sr=8-1&keywords=Tomas+Belsky


Ich mag ihn. Ich mag ihn sehr: Tomas Belsky, den Maler und Autor aus Hawaii, dessen Buch wir in diesem Frühjahr herausgeben konnten. Ein Jahr lang haben wir gebraucht, um es so zu übersetzen, dass wir zufrieden waren mit unserem Ergebnis.
Nun denke ich in diesen Tagen oft an unsere Begegnungen, an seinen Humor, seine Geschichten, seine Fragen an mich. Ich erinnere mich an unseren Abschied, wir waren alle etwas wortkarg, der Kloß im Hals zu dick, es gab nicht mehr viel zu sagen. Dann sein müder, trauriger Gang, als er davonging, ich hinter ihm herschaute.
Belsky ist ein Künstler aus dem Herzen. Er malt und erzählt Geschichten, weil er nicht anders kann. Das Buch ist nicht nur eine Liebeserklärung an Brasilien, sondern auch eine Liebeserklärung an das Leben selbst.