Bist du etwa bescheiden, sittsam und rein?


Sei wie das Veilchen im Moose
bescheiden, sittsam und rein.
Und nicht wie die stolze Rose
die immer bewundert will sein.

Das fiel mir gestern wieder während eines Gespräches ein, in dem es darum ging, dass, wenn wir es schonmal wagen, uns ganz vorne hinzustellen und unsere Meinung kundzutun, sofort jemand zur Stelle ist, der uns auf die Finger klopft: "Spiel dich nicht auf!  Halte dich mal mehr zurück! Gib nicht so an!"
Aber wer hat hier eigentlich ein Problem? Wir sind fast alle so geprägt, dass es negativ bewertet wird, wenn jemand im Mittelpunkt steht und es womöglich auch noch genießt! Aber wie sähe die Welt aus mit lauter bescheidenen, sittsamen Veilchen, die sich im Hintergrund ducken? Die, die uns in die Schranken verweisen, kämpfen wohl mit einem gewissen Neid auf all diejenigen, die sich den Raum der Aufmerksamkeit nehmen.
Ich merke in meiner Arbeit oft, wie die Ausdruckskraft schamhaft zurückgehalten wird. Das finde ich so schade, weil dann einfach die Möglichkeit des lebendigen Wechselspiels innerhalb eines Gespräches wegfällt.
Und wer sagt denn, dass die Rose bewundert sein will? Sie zeigt sich einfach und indem sie das tut, öffnet sie sich sowohl der Bewunderung ihres Betrachters - als auch dem Neid.

Ohne Beziehungsfähigkeit geht nichts

Hinter mir liegt eine ziemlich aufregende Woche, man könnte auch sagen anregend. Es begann letzten Mittwoch mit einem Vortrag zur Eröffnung der Frauenwirtschaftstage. Antje Schrupp sprach zum Thema Netzwerken. Wer gedacht hatte, hier würden ein paar schnelle Tipps und Tricks verraten, wie man sich Kunden angelt, der war sicher enttäuscht. Für mich war es einfach nur Genuss pur, von dieser sprachgewandten Frau das zu hören, was schon lange meine Meinung ist, was aber im allgemeinen "Erfolgs - und Leistungswahn" wenig populär scheint. 
Es geht nämlich nicht darum, nach Geld, Macht und Ansehen zu streben und dabei letztlich nur Kontakte zu pflegen, die einem von Nutzen sein könnten. Der wahre Erfolg, so sagt sie, besteht darin, dass wir etwas bewegen können, etwas bewirken können. Ein gutes Beispiel ist, wenn ich manchmal etwas frustriert bin, weil mein Blog nicht die tausend LeserInnen pro Tag hat, wie ich es mir wünsche und Kommentare auch nur spärlich sind. Heißt das, ich habe also keinen Erfolg mit Bloggen? Antje Schrupp sieht das anders. Sie meint, was nützt es, wenn tausend Leser begeistert "liken", und Jaja rufen, aber es bei keinem etwas wirklich bewegt? Ich erlebe es hin und wieder, dass mir jemand persönlich schreibt, wie und was der Lebenskünstler-Blog bei ihm oder ihr angestoßen hat. Das ist der Erfolg.
Um wirklich etwas bewirken zu können, müssen wir uns zusammenschließen, miteinander in Beziehung gehen. Gerade das zeichnet uns Frauen ja aus, dass wir beziehungsfähig sind, dass es uns Freude macht, Beziehungen zu pflegen. Doch echte Beziehungen brauchen Zeit. Und die wenigsten nehmen sich diese Zeit heutzutage noch. Im Gespräch nach dem Vortrag erzählte mir Antje Schrupp, dass sie sich seit Jahren mehrmals im Jahr mit einer Gruppe von Frauen trifft, die von überall her kommen. Sie nehmen sich Zeit, ein Wochenende miteinander zu verbringen. Es steht zunächst gar nicht mal ein bestimmtes Projekt vor Augen. Es geht einfach um das Treffen selbst, um den Austausch, um den "Mehr-Wert" den jede Frau mit ihrem Können, mit ihren Talenten, mit ihrer Inspiration, einbringt. Daraus entsteht dann etwas. Die Vielfalt des Austausches regt an, wirkt schöpferisch und entfaltet das wahre Potenzial von Miteinander.
Ja, das war Wasser auf meine Mühlen! Schon am nächsten Tag kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die sich für die Jahresfortbildungsgruppe "Lebendige Kommunikation" interessierte und die fragte, was nun besser sei, diese Gruppe oder mein anderes Angebot "12 Schritte zu dir selbst".
Für mich ist und bleibt das Kernstück meiner Arbeit die Jahresgruppe. Sie ist der wichtigste Baustein für ein Miteinander. Einige meiner Teilnehmerinnen  haben danach die 12 Schritte belegt, einfach um noch ein paar sehr persönliche Themen abzuklären, oder Themen aus der Jahresgruppe nach einiger Zeit wieder aufzufrischen.
Es ist wichtig, dass wir voneinander lernen, dass wir in Resonanz gehen miteinander. Nur so erfahren wir uns selbst in Bezug zu unseren Mitmenschen und lernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede wahrzunehmen und damit fruchtbar umzugehen. Verschiedene Sichtweisen erweitern den Horizont. Sich dahin zu bewegen, das macht Spaß!
Antje Schrupps Vortrag hat mich im Sinn meiner Arbeit bestätigt und mir neue Inspiration gegeben.

...und das sagen meine Kursteilnehmerinnen über die Jahresgruppe klick hier

Selbst-Bewusst-Sein

Ich arbeite mit Menschen am Selbstbewusstsein, indem ich Körperarbeit mit ihnen mache.
Festgestellt habe ich, dass Menschen mit körperlicher Behinderung ein anderes Selbstbewusstsein haben, als Menschen ohne körperliche Behinderung. 
Und das ist spannend!
Sie können nämlich voneinander lernen! Menschen ohne akute körperliche Behinderung sind sich ihres Körpers fast gar nicht bewusst, egal wieviel Fitness-Programme sie durchziehen. Sie sind im Kopf. Menschen mit körperlicher Behinderung setzen sich jedoch jeden Tag mit ihrem Körper auseinander. Sie wissen haargenau was geht und was nicht. Sie sind Spezialisten im Einschätzen ihrer Funktionen und wir sollten sie darin absolut ernst nehmen.
Leider tun das viele nicht. Das sollte sich ändern. Ich würde sehr gerne gemischte Kurse geben, aber die körperlich Behinderten trauen sich offenbar nicht, da sie nicht wissen, sich also selbst nicht bewusst sind, dass sie unglaublich wertvolle Kompetenzen mitbringen! 
Mein Freund ist blind und tetraspastisch gelähmt. Wo immer wir miteinander sind und ich ihm helfe, höre ich genau zu, was er mir sagt, welche Anweisungen er mir gibt. Manche Menschen um uns herum reagieren oft zutiefst befremdet, da sie meinen, ich müsste es doch besser wissen, weil ich sehen kann. Eben nicht. Wenn er sich beispielsweise mühevoll eine Treppe hocharbeiten will, dann weiss nur er allein, wo und wie er seinen Fuß aufsetzen muss, und er allein bestimmt, wann ich ihm helfe und wie.
Und so lerne ich täglich etwas über Selbst-bewusst-sein.

Von der Rührung zur Entschlossenheit und Tatkraft

Das Konzert und die Lesung am letzten Sonntag in der alten Synagoge Kippenheim hat offensichtlich viele der Zuhörer bewegt. Eine knisternde Spannung im Raum war deutlich spürbar. Die Auswahl unserer Lieder und Texte berührte die Menschen so sehr, dass sogar einige Männer Tränen in den Augen hatten.
Ich wurde zweimal darauf angesprochen, wie es mir möglich war, die Briefe und Gedichte Ilse Webers so vorlesen zu können, ohne dass mir selbst die Stimme versagte, bei all dem Leid.
Als Schauspielerin versetze ich mich in die Zeit und in den Menschen, den ich verkörpere oder dessen Worte ich durch mich sprechen lasse. Ich versuche es zumindest. Ilse Weber war kein Mensch, der sich selbst bemitleidete. Sie schrieb keine Briefe des Jammerns und Wehklagens, auch wenn ihr Schmerz und ihr Leid durchklingt. Doch wie die meisten Menschen von uns, die in einer schlimmen Krise stecken, war sie vor allem damit beschäftigt, alles zu tun, damit es für sie und ihre Angehörigen besser auszuhalten war und auch die Hoffnung auf bessere Zeiten war ja da.
Nur wir wissen, wie es letztlich ausgegangen ist und deshalb sind wir erschüttert, gerührt, betroffen.
Natürlich freut man sich als Künstler, wenn sich die Zuschauer betreffen lassen. Dennoch finde ich gerade in diesem Fall ein "Zu-Tränen-Gerührt-Sein" nicht angemessen.
Wir alle möchten so eine Zeit nie wieder erleben. NEIN! Und doch geschieht es. Im selben Moment, in dem wir die Lieder vortragen, werden Menschen gedemütigt, gefoltert, hingerichtet, entwürdigt! Wir dürfen nicht in Rührseligkeit und Bedauern der alten Zeiten wegen verharren, sondern entschlossen dem entgegen treten, was heute ist. Haltung beziehen, statt sich in Tränen aufzulösen! Dass Menschen ausgegrenzt werden, misshandelt werden, das geschieht nicht nur weit weg von uns. Das geschieht auch in Schulen, in Familien, überall dort, wo Macht und Ohnmacht aufeinander treffen, wo Andersartigkeit als Bedrohung empfunden wird.
Schau bei dir im Umfeld nach. Und tu etwas dagegen.

Gedenkkonzert mit Lesung


Zur Zeit bereite ich mich auf eine Lesung vor, die ich Anfang Oktober im Rahmen einer Gedenkfeier für Ilse Weber halten werde. Tobias Kopf, Barbara Höpler und ich haben schon einige Male in der Synagoge in Kippenheim Literatur, Musik und Lieder von jüdischen KünsterInnen vorgetragen.
Ilse Weber ist eine von ihnen. Sie schrieb und komponierte vor allem für Kinder, die sie in Theresienstadt betreute. Getrennt von ihrem Mann und ihrem ältesten Sohn Hanuš arbeitete sie als Kinderkrankenschwester im Konzentrationslager, wo sie zusammen mit ihrem jüngeren Sohn im Oktober 1944 ermordet wurde.
Ich werde aus Briefen lesen, die sie nach England schrieb, sowie einigen Gedichten, die vom Alltag und der Tragik der ganzen Situation in einer Art und Weise sprechen, die nicht wirklich zu fassen ist, jedoch tief unter die Haut geht.
Die Sängerin Barbara Höpler und der Gitarrist Tobias Kopf haben die meist nur mündlich überlieferten Lieder neu arrangiert und in der Ehemaligen Synagoge Kippenheim auf CD aufgenommen. Ein besonderes Lob und Dank erhielten sie dafür von Hanuš Weber.


So, 5.10. 17 Uhr, alte Synagoge Kippenheim/Ortenau, Eintritt auf Spendenbasis

Bilder oder Worte?


Wir waren gestern mal wieder im Kino. "Words and Pictures" wurde gezeigt. Ein Literaturlehrer und eine Kunstlehrerin streiten sich darüber, was mehr Macht und Wirkung hat: Worte oder Bilder?
Ein amüsanter Schlagabtausch, humorvoll und doch tiefgründig, regte zum Nachdenken an.
Ich glaube, dass kaum ein Satz entsteht, ohne dass nicht zuerst ein Bild vorhanden ist. Dazu muss man nicht einmal sehen können, denn die meisten Bilder sind innere Bilder, oftmals gar nicht visuell, sondern mehr gefühlt. So spricht im Film die Kunstlehrerin davon, dass das Bild erst dann Kunst wird, wenn es uns nicht nur im Kopf erreicht, sondern auch im Herz.
Mit Worten ist es ähnlich. Wir können sie einfach dazu benutzen um Informationen auszutauschen, oder aber Gefühle zu wecken, nachdenklich zu stimmen, zu inspirieren.
Für mich ist ein Bild immer wichtig, um überhaupt in meine Worte zu kommen. Bei einer Ausstellung neulich in Hasenweiler (dem Nabel der Welt!), wurden Stickereinen von Frauen aus Afghanistan gezeigt. Es sind wunderschöne Stickquadrate, die Bilder aus ihrem Alltag zeigen, wie in diesem Fall Utensilien aus der Küche. Die Frauen sprechen nicht unsere Sprache, aber mit ihren Bildern und Farben sprechen sie dennoch zu uns. So verbinden Bilder in ganz ursprünglicher Weise und unabhängig von Nationalität und Kultur. Worte können aber durch ihren Klang, durch den Rhythmus der Sprache und durch ihre Melodie, sowie durch die Stimme ebenso Bilder hervorzaubern und somit echte Kunst sein, Lyrik, Poesie, Literatur.

Nicht ärgern, nur wundern! - mit spitzer Feder

 
Sehr geehrte Frau Hörnli,
Als ich letztens in Ihrer Konditorei vorbeikam und all die leckeren Torten und Pralinen sah, war ich so angetan davon, dass ich spontan ein besonders schönes Törtchen mitgehen ließ.
Ja, ich gestehe es hiermit ganz ehrlich: Ich habe es einfach genommen, als Sie gerade nicht hinschauten. Es war ja auch nur ein kleines Törtchen, der Preis nicht der Rede wert, und, das müssen Sie unbedingt wissen, ich nahm es mir als Geschenk für eine Freundin. Ihre Mutter war ebenfalls eine Bäckerin, eine wahre Tortenkünstlerin und so weiß meine Freundin natürlich gutes Gebäck zu schätzen.
Ich wollte Sie, liebe Frau Hörnli, also wissen lassen, dass das gestohlene Törtchen in die besten Hände kommt und deshalb gehe ich davon aus, dass es Sie sehr freuen wird, das zu wissen.
Es ist mir immer wieder eine Genugtuung, wenn ich Dinge verschenken kann, die mir nicht gehören. Ich überlege, ob ich nicht jedes Mal noch ein kleines Kärtchen dazulegen sollte mit dem Aufdruck "gestohlen und verschenkt von Elsbeth Schnorr" – wüssten Sie vielleicht jemanden, der mir solche Visitenkärtchen einfach herstellt, ohne dass ich bezahlen muss?
Viele herzliche Grüße und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer wunderbaren Konditorei wünscht Ihnen

Ihre Elsbeth Schnorr

 
 
Geehrte Frau Schnorr

Es ist mir nicht entgangen, dass eines meiner schönsten Törtchen plötzlich verschwunden war. Selbstverständlich ehrt es mich, dass meine Kreationen so beliebt sind, dass man sie sogar klaut! Eine originelle Art der Wertschätzung, wenn auch befremdlich!
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich Ihre Lust am Verschenken von Gestohlenem als Selbstlosigkeit werten und Sie dafür bewundern soll , oder ob es nicht eher von einer inneren Armut zeugt, weil Sie selbst nichts zu verschenken haben, was ich außerordentlich bedauern würde.
In Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Lage freue ich mich über jeden Kunden, der meine Ware bezahlt und sei der Preis auch noch so klein. Nur so kann sichergestellt werden, dass meine Konditorei noch lange existiert. Deshalb ersuche ich Sie, künftig meinem Laden fern zu bleiben.
Hochachtungsvoll,
Beate Hörnli

Der letzte Eindruck zählt!


Entgegen der üblichen Meinung, dass es der erste Eindruck sei, der zählt, bin ich inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, dass der letzte Eindruck noch viel mehr Bedeutung hat. Denn dieser Eindruck ist entscheidend dafür verantwortlich, wie sich das nächste Treffen gestalten wird, wie man sich wiederbegegnen wird.
So wie du dich verabschiedest, wirst du in Erinnerung bleiben. Ganz deutlich merke ich das immer in meinen Kursen. Es gibt Teilnehmer, die stürmen nach dem Kurs gleich nach Hause, andere kommen noch einmal, geben mir die Hand, bedanken sich. Es ist dieser letzte Kontakt, dieses Lächeln zum Abschied, das bei mir hängen bleibt, manchmal viele Jahre und sich die Leute wundern, wenn ich mich auch noch nach Jahren an ihren Namen erinnere.
Umgekehrt kann ein Streitgespräch, eine ungute Stimmung, etwas Unausgesprochenes, das nicht bereinigt wurde, dazu führen, dass die nächste Begegnung unter einem schlechten Vorzeichen oder vielleicht sogar überhaupt nicht mehr stattfindet.
Vor kurzem erlebte ich das mit zwei Menschen. Es wurde auf subtile Art etwas von mir eingefordert, das ich eigentlich nicht bereit war zu geben. Ich tat es trotzdem und spürte erst im Nachhinein, dass da etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Beide Personen stehen mir nicht nah genug, dass es mir die Energie wert wäre, das Thema zu bereinigen. So haben die beiden ein Gefühl bei mir hinterlassen, das mich in Zukunft misstrauisch, vorsichtig und weniger großzügig ihnen gegenüber sein lässt - wenn ich denn überhaupt noch den Kontakt zulasse!

Wie überaus wichtig der letzte Eindruck ist, merken wir vor allem bei Menschen, die gestorben sind. Wir erinnern uns an die letzte Begegnung und meist prägt diese unsere Erinnerung sehr viel stärker, als alle anderen, früheren Begegnungen.
Es ist wichtig, wie wir uns verabschieden, welchen Ton wir anschlagen, welche Worte gesprochen werden. Wie möchtest du im Gedächtnis bleiben?

Auf der Suche nach den wahren Worten



Vom Goldkind mit der Silberlocke

Von der Sehnsucht nach der verlorenen Nähe

Vom Zauberklang einer Flöte

Von den Liebenden, die das flackernde Leuchten in der Dunkelheit sahen

Vom Mädchen, das um geschnittene Haare weinte

Wahre Worte erzählen das, was uns im Innersten bewegt - manchmal als Metapher ausgedrückt, poetisch oder märchenhaft, aber immer tief verbunden mit uns selbst. Es war ein inspirierender Kurs im wunderschönen, künstlerisch-kreativen Ambiente vom Atelierhaus Terra.
Schön, dass ihr da wart!

Hawaii ist eine Frau

Big Island - die große Insel von Hawaii

Hawaii ist eine Frau, so heisst ein Kapitel in meinem kürzlich erschienenen ebook „Big Island – die große Insel von Hawaii“, das meine Reiseerfahrungen beschreibt und zudem ein paar Insidertipps gibt, die sonst eher nicht in Reiseführern stehen. Aber vor allem ist dieses reich bebilderte Buch für jene entstanden, die nicht nach Hawaii fliegen können und trotzdem ein wenig Aloha-Spirit genießen wollen. Es gibt keinen Ort auf der Welt, der mir solch intensive Begegnungen und Naturerfahrungen beschert hat, wie diese Insel.
Ich schrieb neulich, dass es für die meisten von uns um das 50. Lebensjahr einen Umbruch gibt. Ich hatte das Glück, dass dieser Umbruch bei mir mit Hawaii begann und mir wertvolle Impulse gab für meinen neuen Lebensabschnitt. So möchte ich eigentlich jeder Frau wünschen, dass sie einmal im Leben diese Insel der Ursprünglichkeit, Vielfalt und spirituellen Kraft erleben kann - im grünen Osten von Big Island, over the Rainbow.

Warum eigentlich Inklusion?




In den letzten Monaten habe ich viele neue Erfahrungen sammeln dürfen, die mich mit Sicherheit verändert und für mein Leben eine große Bereicherung und Vertiefung bewirkt haben. Bis vor Kurzem wusste ich mit dem Wort Inklusion nichts anzufangen. Nun aber ist Inklusion („die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter“, Zitat aus Aktion Mensch) zu einem viel diskutierten Thema geworden. Wie mir scheint, gibt es dazu zwar jede Menge Lippenbekenntnisse, aber wie ist es mit der praktischen Umsetzung? 
Vor zwei Jahren lernte ich Prof. Dr. Nils Jent bei einer Tagung kennen. Mit unermüdlicher Ausdauer und Geduld setzt er sich dafür ein, dass Menschen in ihrer Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit wahrgenommen, wertgeschätzt und gleichwertig in unserer Gesellschaft wirken können. Nils Jent selbst ist mehrfach körperlich behindert und weiß, wovon er spricht. Nach seinem Unfall als 18jähriger begann ein mühevoller Weg, der bis heute kein leichter ist, wenngleich viele Hürden bewältigt wurden, Dank seiner Eltern und Mitmenschen, die an ihn glaubten.
Durch meine Freundschaft mit ihm und unseren verschiedenen gemeinsamen Unternehmungen, bekam ich mehr den je einen Eindruck davon, was es in unserer Gesellschaft heißt „anders“ zu sein und wie stark wir doch von Vorurteilen geprägt sind, egal, für wie sozial, hilfsbereit, tolerant und human wir uns halten. Letztlich begreifen wir gar nichts, wenn wir nicht selbst betroffen sind.
Meine Arbeit „Lebendige Kommunikation“ ist schon immer dahingehend ausgerichtet, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und gerade dies als Bereicherung erfahren. Denn die Menschheit ist vielfältig. Doch es ist nicht einfach, sich den eigenen Unzulänglichkeiten zu stellen. Ich selbst musste in den vergangen Monaten oft meine Schwächen anschauen, mein Unvermögen, meiner Idealvorstellung von einem toleranten, sozialen Menschen, der ich glaubte zu sein, gerecht zu werden.
Für die Zukunft wünsche ich mir, mehr Kurse, Workshops, Vorträge und Fortbildungen halten zu dürfen, von denen sich alle Menschen angesprochen fühlen, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Wir alle sind nämlich verschiedentlich behindert, vor allem im Kopf, wo veraltete Vorstellungen nicht losgelassen werden können.
Inklusion beginnt für mich da, wo wir anfangen, miteinander zu reden und uns gegenseitig teilhaben lassen an unserem Erleben. Nur dann lassen sich die Verhältnisse ändern und verbessern.

Es freut mich daher sehr, dass Nils Jent und ich sowohl am 27.07. im Atelierhaus Terra bei Angelika Karoly in Rottweil, sowie am 08.09. im Spuren-Salon bei Martin Frischknecht in Winterthur die Gelegenheit haben, das Buch "Essenzen des Wahrnehmens" von Nils Jent vorzustellen, ins Gespräch zu kommen und Fragen zu beantworten.