Nicht ärgern, nur wundern! - mit spitzer Feder

 
Sehr geehrte Frau Hörnli,
Als ich letztens in Ihrer Konditorei vorbeikam und all die leckeren Torten und Pralinen sah, war ich so angetan davon, dass ich spontan ein besonders schönes Törtchen mitgehen ließ.
Ja, ich gestehe es hiermit ganz ehrlich: Ich habe es einfach genommen, als Sie gerade nicht hinschauten. Es war ja auch nur ein kleines Törtchen, der Preis nicht der Rede wert, und, das müssen Sie unbedingt wissen, ich nahm es mir als Geschenk für eine Freundin. Ihre Mutter war ebenfalls eine Bäckerin, eine wahre Tortenkünstlerin und so weiß meine Freundin natürlich gutes Gebäck zu schätzen.
Ich wollte Sie, liebe Frau Hörnli, also wissen lassen, dass das gestohlene Törtchen in die besten Hände kommt und deshalb gehe ich davon aus, dass es Sie sehr freuen wird, das zu wissen.
Es ist mir immer wieder eine Genugtuung, wenn ich Dinge verschenken kann, die mir nicht gehören. Ich überlege, ob ich nicht jedes Mal noch ein kleines Kärtchen dazulegen sollte mit dem Aufdruck "gestohlen und verschenkt von Elsbeth Schnorr" – wüssten Sie vielleicht jemanden, der mir solche Visitenkärtchen einfach herstellt, ohne dass ich bezahlen muss?
Viele herzliche Grüße und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer wunderbaren Konditorei wünscht Ihnen

Ihre Elsbeth Schnorr

 
 
Geehrte Frau Schnorr

Es ist mir nicht entgangen, dass eines meiner schönsten Törtchen plötzlich verschwunden war. Selbstverständlich ehrt es mich, dass meine Kreationen so beliebt sind, dass man sie sogar klaut! Eine originelle Art der Wertschätzung, wenn auch befremdlich!
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich Ihre Lust am Verschenken von Gestohlenem als Selbstlosigkeit werten und Sie dafür bewundern soll , oder ob es nicht eher von einer inneren Armut zeugt, weil Sie selbst nichts zu verschenken haben, was ich außerordentlich bedauern würde.
In Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Lage freue ich mich über jeden Kunden, der meine Ware bezahlt und sei der Preis auch noch so klein. Nur so kann sichergestellt werden, dass meine Konditorei noch lange existiert. Deshalb ersuche ich Sie, künftig meinem Laden fern zu bleiben.
Hochachtungsvoll,
Beate Hörnli

Der letzte Eindruck zählt!


Entgegen der üblichen Meinung, dass es der erste Eindruck sei, der zählt, bin ich inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, dass der letzte Eindruck noch viel mehr Bedeutung hat. Denn dieser Eindruck ist entscheidend dafür verantwortlich, wie sich das nächste Treffen gestalten wird, wie man sich wiederbegegnen wird.
So wie du dich verabschiedest, wirst du in Erinnerung bleiben. Ganz deutlich merke ich das immer in meinen Kursen. Es gibt Teilnehmer, die stürmen nach dem Kurs gleich nach Hause, andere kommen noch einmal, geben mir die Hand, bedanken sich. Es ist dieser letzte Kontakt, dieses Lächeln zum Abschied, das bei mir hängen bleibt, manchmal viele Jahre und sich die Leute wundern, wenn ich mich auch noch nach Jahren an ihren Namen erinnere.
Umgekehrt kann ein Streitgespräch, eine ungute Stimmung, etwas Unausgesprochenes, das nicht bereinigt wurde, dazu führen, dass die nächste Begegnung unter einem schlechten Vorzeichen oder vielleicht sogar überhaupt nicht mehr stattfindet.
Vor kurzem erlebte ich das mit zwei Menschen. Es wurde auf subtile Art etwas von mir eingefordert, das ich eigentlich nicht bereit war zu geben. Ich tat es trotzdem und spürte erst im Nachhinein, dass da etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Beide Personen stehen mir nicht nah genug, dass es mir die Energie wert wäre, das Thema zu bereinigen. So haben die beiden ein Gefühl bei mir hinterlassen, das mich in Zukunft misstrauisch, vorsichtig und weniger großzügig ihnen gegenüber sein lässt - wenn ich denn überhaupt noch den Kontakt zulasse!

Wie überaus wichtig der letzte Eindruck ist, merken wir vor allem bei Menschen, die gestorben sind. Wir erinnern uns an die letzte Begegnung und meist prägt diese unsere Erinnerung sehr viel stärker, als alle anderen, früheren Begegnungen.
Es ist wichtig, wie wir uns verabschieden, welchen Ton wir anschlagen, welche Worte gesprochen werden. Wie möchtest du im Gedächtnis bleiben?

Auf der Suche nach den wahren Worten



Vom Goldkind mit der Silberlocke

Von der Sehnsucht nach der verlorenen Nähe

Vom Zauberklang einer Flöte

Von den Liebenden, die das flackernde Leuchten in der Dunkelheit sahen

Vom Mädchen, das um geschnittene Haare weinte

Wahre Worte erzählen das, was uns im Innersten bewegt - manchmal als Metapher ausgedrückt, poetisch oder märchenhaft, aber immer tief verbunden mit uns selbst. Es war ein inspirierender Kurs im wunderschönen, künstlerisch-kreativen Ambiente vom Atelierhaus Terra.
Schön, dass ihr da wart!

Hawaii ist eine Frau

Big Island - die große Insel von Hawaii

Hawaii ist eine Frau, so heisst ein Kapitel in meinem kürzlich erschienenen ebook „Big Island – die große Insel von Hawaii“, das meine Reiseerfahrungen beschreibt und zudem ein paar Insidertipps gibt, die sonst eher nicht in Reiseführern stehen. Aber vor allem ist dieses reich bebilderte Buch für jene entstanden, die nicht nach Hawaii fliegen können und trotzdem ein wenig Aloha-Spirit genießen wollen. Es gibt keinen Ort auf der Welt, der mir solch intensive Begegnungen und Naturerfahrungen beschert hat, wie diese Insel.
Ich schrieb neulich, dass es für die meisten von uns um das 50. Lebensjahr einen Umbruch gibt. Ich hatte das Glück, dass dieser Umbruch bei mir mit Hawaii begann und mir wertvolle Impulse gab für meinen neuen Lebensabschnitt. So möchte ich eigentlich jeder Frau wünschen, dass sie einmal im Leben diese Insel der Ursprünglichkeit, Vielfalt und spirituellen Kraft erleben kann - im grünen Osten von Big Island, over the Rainbow.

Warum eigentlich Inklusion?




In den letzten Monaten habe ich viele neue Erfahrungen sammeln dürfen, die mich mit Sicherheit verändert und für mein Leben eine große Bereicherung und Vertiefung bewirkt haben. Bis vor Kurzem wusste ich mit dem Wort Inklusion nichts anzufangen. Nun aber ist Inklusion („die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter“, Zitat aus Aktion Mensch) zu einem viel diskutierten Thema geworden. Wie mir scheint, gibt es dazu zwar jede Menge Lippenbekenntnisse, aber wie ist es mit der praktischen Umsetzung? 
Vor zwei Jahren lernte ich Prof. Dr. Nils Jent bei einer Tagung kennen. Mit unermüdlicher Ausdauer und Geduld setzt er sich dafür ein, dass Menschen in ihrer Verschiedenheit und Unterschiedlichkeit wahrgenommen, wertgeschätzt und gleichwertig in unserer Gesellschaft wirken können. Nils Jent selbst ist mehrfach körperlich behindert und weiß, wovon er spricht. Nach seinem Unfall als 18jähriger begann ein mühevoller Weg, der bis heute kein leichter ist, wenngleich viele Hürden bewältigt wurden, Dank seiner Eltern und Mitmenschen, die an ihn glaubten.
Durch meine Freundschaft mit ihm und unseren verschiedenen gemeinsamen Unternehmungen, bekam ich mehr den je einen Eindruck davon, was es in unserer Gesellschaft heißt „anders“ zu sein und wie stark wir doch von Vorurteilen geprägt sind, egal, für wie sozial, hilfsbereit, tolerant und human wir uns halten. Letztlich begreifen wir gar nichts, wenn wir nicht selbst betroffen sind.
Meine Arbeit „Lebendige Kommunikation“ ist schon immer dahingehend ausgerichtet, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und gerade dies als Bereicherung erfahren. Denn die Menschheit ist vielfältig. Doch es ist nicht einfach, sich den eigenen Unzulänglichkeiten zu stellen. Ich selbst musste in den vergangen Monaten oft meine Schwächen anschauen, mein Unvermögen, meiner Idealvorstellung von einem toleranten, sozialen Menschen, der ich glaubte zu sein, gerecht zu werden.
Für die Zukunft wünsche ich mir, mehr Kurse, Workshops, Vorträge und Fortbildungen halten zu dürfen, von denen sich alle Menschen angesprochen fühlen, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Wir alle sind nämlich verschiedentlich behindert, vor allem im Kopf, wo veraltete Vorstellungen nicht losgelassen werden können.
Inklusion beginnt für mich da, wo wir anfangen, miteinander zu reden und uns gegenseitig teilhaben lassen an unserem Erleben. Nur dann lassen sich die Verhältnisse ändern und verbessern.

Es freut mich daher sehr, dass Nils Jent und ich sowohl am 27.07. im Atelierhaus Terra bei Angelika Karoly in Rottweil, sowie am 08.09. im Spuren-Salon bei Martin Frischknecht in Winterthur die Gelegenheit haben, das Buch "Essenzen des Wahrnehmens" von Nils Jent vorzustellen, ins Gespräch zu kommen und Fragen zu beantworten.

fifty-fifty - In der Lebensmitte liegt die Chance einer Wiedergeburt


Zwischen dem 49. und 51. Lebensjahr erfahren die meisten von uns einen Umbruch. Aus Sicht der Astrologie kann man das mit der Wiederkehr des Chiron erklären, der dann einmal den Zyklus durchwandert hat und nun an der selben Stelle angekommen ist, den er bei unserer Geburt hatte. 
Weche symbolische Bedeutung hat Chiron? Er ist der verletzte Heiler, steht für Krise und Bestimmung. Er zeigt uns, wo wir am verletzlichsten sind, aber auch, wo unsere größte Stärke liegt. Angekommen an seiner ursprünglichen Stellung im Horoskop, gibt er uns nun die Chance, neu zu beginnen. Manchmal ist es so gravierend, dass wir sogar eine völlige Neugeburt erleben können, mit allen Schmerzen der Wandlung, aber letztlich mit einem heilenden Effekt.
Mit Chiron ist es nie einfach. Oft kündigt sich seine Zeitqualität mit einer heftigen Krise an. Es können Verluste im mitmenschlichen Bereich sein, man wird verlassen oder Angehörige sterben, Kinder gehen aus dem Haus. Oder berufliche und materielle Krisen, gesundheitiche Probleme und anderes belasten uns und zwingen uns, das Leben neu zu überdenken, zu begreifen, zu hinterfragen.
Chiron lässt uns auch die Zeit anders erfahren. Zeit geht synchron schnell und langsam. Ein merkwürdiges Phänomen! Manchmal denkst du, alles ging rasend und dennoch war es langsam. Wir erleben vieles intensiver. Diese Intensität lässt kurze Zeit lang erscheinen.
In welchem Bereich erlebst du gerade die Zeitqualität von Chiron? Wo rüttelt er an deinen Festen? Was zwingt er dich anzuschauen? Wo sollst du nicht länger Opfer sein, sondern HeilerIn?
Für mich sind diese Fragen immer wieder spannend zu stellen. Zusammen mit meinen KursteilnehmerInnen auf Spurensuche gehen und herausfinden, wie man sein Leben neu ausrichten kann. Lebendige Kommunikation heißt für mich, in lebendigen Austausch zu gehen, nicht nur mit Menschen, sondern auch und gerade mit Situationen, Gefühlen und Erleben.

Das Abenteuer Leben


Angenommen, du planst eine besonders schwierige Bergtour. Du weisst, es wird viele Hürden zu überwinden geben, es wird körperlich anstrengend werden, psychisch eine Herausforderung, aber du weisst auch, dass es unvergesslich sein wird, dass du vom Gipfel den überwältigendsten Ausblick deines Lebens haben wirst, dass die Erfahrung, es trotz aller Schwierigkeiten zu tun, dich reich machen wird. Denn die kostbarsten Momente ergeben sich dann, wenn du dich an deine Grenzen und über sie hinauswagst.
Du kommst zurück, erschöpft, aber glücklich. Und, wie war´s? fragen dich deine Freunde. Niemand wird erwarten, dass du einfach nur "super" sagst. Denn jeder kann sich gut vorstellen, dass es Höhen und Tiefen gab, Momente des Zweifelns und der Begeisterung. Der Abenteuergeist dieser Expedition wird anstecken. Wir können Erfahrungsberichte am besten nachvollziehen, wenn wir Vergleichbares schon selbst erlebt haben.

Wenn man mit einem Menschen mit mehrfacher Behinderung auf Reisen ist, ist es eigentlich einer Bergtour sehr ähnlich. Doch wenn ich jetzt von diesen Höhen und Tiefen erzähle, wird das von meinen Zuhörern eher mit tiefernster Sorgenfalte abgenickt: "Oh ja, das ist ein schwerer Weg... Das muss aber anstrengend gewesen sein... usw."
Es liegt anscheinend außerhalb jeglicher Vorstellungskraft, dass auch diese Art von Reise ein Abenteuer ist, das voller Spannung, gemeisterter Hürden, euphorischer Glücksmomente und reichen Grenzerfahrungen ist. Natürlich: Nicht Jedermanns Sache. Doch wir haben uns darauf eingelassen, die Komfortzone zu verlassen. Uns Vor -und Nachteilen zu stellen, Unterschiede wahrzunehmen, Niederlagen sowie Höhepunkte als gleichwertig zu betrachten. Leben ist Vielfalt, Lachen und Weinen, miteinander teilen was uns zutiefst angeht. Glücklich ist, wer diese Vielfalt als Bereicherung erleben kann.

Blinde Kommunikation


Es ist bekannt, dass wir normalerweise überwiegend nonverbal kommunizieren. Im Gespräch mit meinem blinden Freund fällt mir das besonders auf. Meine Mimik und Gestik kann er nicht sehen. Wenn ich also auf etwas, das er gesagt hat, nicht sofort antworte, fragt er, ob ich mich langweile. Dabei habe ich nur nachgedacht und überlegt. Ich muss mir in meinen Gesprächen mit ihm immer wieder bewusst machen, wie wichtig es ist, hörbare Zeichen zu setzen, statt Kopfnicken zum Beispiel "ja" oder "hmhm" zu sagen, oder meinem stummen Lächeln einen kleinen Ton geben. 
Besonders spannend ist es umgekehrt, wenn ich versuche, ein Gefühl zu verbergen, sichtbar also ein Lächeln aufsetze oder eine Pokermine und sehr schnell merken muss, dass das bei ihm überflüssig ist, denn er hört die feinsten Nuancen meiner Stimme und fragt sofort: "Alles in Ordnung mit dir? Was ist los?" Tatsächlich ist es nämlich so, dass die meisten Menschen sich äußerlich sichtbar sehr gut verstellen können, sozusagen eine Maske tragen können, jedoch verrät die Stimme immer den wahren Gefühlszustand, sofern das Gegenüber fähig ist, wirklich zu hören.

Auch ist mir aufgefallen, dass wir mit geschlossenen Augen anders sprechen, als sehend. Es werden Dinge ausgesprochen, die wir sonst nicht sagen würden. Warum ist das so? Sind wir blind mehr mit unserem innersten Raum verbunden, mehr bei uns selbst? Die meisten Menschen spüren sich ja erst, wenn sie die Augen schließen. Nicht mehr abgelenkt von äußeren Reizen, können wir viel besser erkennen, wer wir wirklich sind und was uns bewegt. Mein Freund sagt, blind sein bedeutet nicht, dass man nicht sehen kann. Man sieht nur anders.

Wenn wir gemeinsam den Kurs "Wahre Worte finden" in Rottweil geben, werden wir zusammen mit den Teilnehmern solche Wahrnehmungsunterschiede erforschen. Zu einer wahrhaftigen Sprache gehört immer das Verbundensein mit sich selbst. Nur dann ist es möglich, auch eine Verbundenheit zu den Mitmenschen herzustellen, egal wie unterschiedlich diese sind.
Die andere Wahrnehmungswelt meines Freundes kennenzulernen war und ist für mich eine große Bereicherung. Sie lehrt mich, jeden Tag ein wenig mehr zu verstehen, dass es nicht die eine Wahrheit gibt. Ganz so, wie DanTheander es sagt:
Die Wahrheit hat zwei Seiten: Deine und meine.

Grau hat viele Farben

Seit vielen Jahren habe ich nun schon silberne Haare. Manchmal werde ich gefragt: Sind die echt?
Ja, sind sie. In Hawaii ringelten und lockten sie sich und reflektierten das Licht so, dass sie schimmerten und glänzten. Das ließ einen Mann sogar dazu hinreißen, ein Gedicht auf meine Haare zu schreiben! Und in einem meiner letzten Kurse traf ich auf eine Frau mit ebenso silbergraufarbigen Haaren wie meine. Wir sprachen darüber, warum wir nicht färben und sie sagte einen Satz, der mir hängen blieb und den ich sehr schön und richtig fand:
"Die schwarze Zeit ist vorbei. Jetzt kommt das Helle".
Nun hat eine Fotografin das Thema auf wunderbare Weise aufgegriffen und schafft damit etwas Einzigartiges: Beate Knappe fotografiert "Ladies in Grey"
Sie tut das auf eine liebevoll, leidenschaftliche Art und Weise, die berührend und aufwühlend zugleich ist. Räumt sie doch mit jedem Klischee auf und beweist, dass Ladies in grey Lebendigkeit und Stärke in sich tragen und eine Fülle von Lebenserfahrung mitbringen, die sie erstrahlen lässt und ihnen ein unwiderstehliches Selbstverständnis verleiht, das auf besondere Weise erotisch wirkt.
Schaut selbst und lasst euch von den Fotos mitreißen!
Danke, Beate!

Wieso willst du schlagfertig sein?


Sehr oft wird in meinen Kursen der Wunsch nach mehr Schlagfertigkeit geäußert. Ich bin dann immer etwas ratlos, denn das Wort an sich sagt es ja schon aus: Fertig zum Schlag sein, Schläge austeilen, es zurückgeben, rhethorische Watschn verteilen...
Interessant ist, dass ausgerechnet eher schüchterne, friedliche, sanfte Menschen diesen Wunsch haben. Es liegt also überhaupt nicht in ihrer Natur "schlag-fertig" zu sein! Allerdings verbirgt sich dahinter möglicherweise der Wunsch nach mehr Präsenz und Durchsetzungsvermögen. Was kann man also tun, wenn man verbal angegriffen wird? Ist es wirklich sinnvoll zurückzuschlagen?

Für mich sind als mögliche Reaktion die W- Fragen die einfachste Lösung:
 Wie, was, woher, warum, welche...

Beispielantworten:
Wie kommen Sie darauf?
Welche konkreten Beispiele können Sie nennen?
Was willst du mir damit wirklich sagen?
Warum bist du dieser Meinung?
Welche Argumente sprechen dafür?
Woher haben Sie diese Informationen?

Probiert es mal aus. Vielleicht habt ihr noch weitere Anregungen?

Selbstinszenierung - wenn das Ego platzt


Eine Talkshow im WDR. Eingeladen waren unter anderen eine inzwischen hochbetagte sehr beliebte deutsche Schauspielerin, bekannt aus Serien, Fernsehspielen und neuerdings auch Kino. Daneben ein Moderator, dessen Name jeder kennt, sogar dann,  wenn man nie seine Talkshows gesehen hat. Und Deutschlands prominentester Liedermacher. So unterschiedlich die drei Personen waren, eines hatten sie gemeinsam: Sie inszenierten sich selbst. Ein Schauspiel künstlicher Scheinauthentizität wurde geboten, wie ich es ausgereifter selten gesehen hatte. Man spielte sich selbst - sofern dieses "Selbst" überhaupt als ein solches bezeichnet werden darf, denn es ist doch nur eine Rolle, ein "Scheinselbst". Bagatellen wurden da dramatisiert und ich wunderte mich, dass die anderen Gäste so ruhig zuhören konnten, denn sie hatten nachher wirklich Themen, die von Bedeutung waren und die sie schlicht und ohne Allüren vortrugen.
Vielleicht ist das der einzige Sinn solcher Talkshows, dass man die Unterschiede sieht. Selbstinszenierung und Narzissmus auf der einen Seite und Selbstausdruck und Engagement auf der anderen.
Mir fiel dabei Marilyn Monroe ein. Sie wollte sich ein Leben lang zum Ausdruck bringen und war doch immer wieder zur Selbstinszenierung gezwungen. Warum ich sie trotzdem bewundere ist, dass sie sich darüber bewusst war: Als sie mit einer Freundin einmal in New York unterwegs war, unscheinbar gekleidet, ganz sie selbst, nämlich Norma Jeane, wandte sie sich an die Freundin und fragte: "Soll ich SIE sein?" Im Nu schlüpfte sie in die Rolle Marilyn. Und schon erkannte man sie auf der Straße, wo sich vorher keiner nach ihr umgedreht hatte.
Um auf der Erfolgswelle weiterschwimmen zu können, sehen sich die meisten genötigt, sich und die Welt zu belügen. Den eigenen Lügen Glauben zu schenken ist dabei höchste Disziplin, so lange, bis das Ego platzt. Insofern frage ich mich immer wieder, ob der Erfolg tatsächlich ein Erfolg ist...